Die große Frage: Warum eigentlich 35 Stunden im KV?

Illustration: die große Frage
Alle Arbeitszeitverkürzungen jüngeren Datums fanden zuerst ihren Niederschlag im Kollektivvertrag – beginnend mit der Reduktion von 48 auf 40 Stunden –, bevor sie im Gesetz verankert wurden. Die darüber hinausgehenden Arbeitszeitverkürzungen sind überhaupt nur in den Kollektivverträgen verankert: von 38,5 über 37,5 bis zu 36 Stunden. Daher gehen die Gewerkschaften diesen Weg.

Dass sich die Frage der 35-Stunden-Woche in den 2020er-Jahren im Sozialbereich entzündet und nicht etwa in der Metallindustrie, ist für mich kein Wunder. Denn gerade dort hat sich der Druck in den letzten Jahrzehnten ganz wesentlich erhöht. Die Aufgabenstellungen sind schwieriger geworden. Nicht zuletzt durch die Kürzung öffentlicher Mittel gibt es das Problem der Personalausdünnung und der Intensivierung der Arbeit. Deshalb ist es auch so schwer, Menschen in diese Branche zu bringen, und deswegen ist es auch so schwer, Menschen in dieser Branche zu halten.

Die 35 Stunden sind also zum einen notwendig, um diesen Druck zu reduzieren, zum anderen natürlich, um die Branche attraktiver zu machen.

Von
Martin Müller
Leiter des Referats Rechts- und Kollektivvertragspolitik im ÖGB

Dieser Artikel erschien in der Ausgabe Arbeit&Wirtschaft 2/20.

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