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Beschäftigte bei Sonnentor Bei Sonnentor können Beschäftigte dank der familienorientierten Maßnahmen Familie und Beruf viel besser vereinbaren als in herkömmlichen Betrieben.

Familienfreundlich = frauenfreundlich?

Schwerpunkt Gleichstellung

Karriere und Familie für alle: Es ist Zeit, Karriere anders zu denken.

Weit weg vom Großstadtrummel, im niederösterreichischen Sprögnitz, liegt der mehrfach ausgezeichnete „Vorzeigebetrieb“ Sonnentor. Es begann damit, dass der Unternehmensgründer Johannes Gutmann seine Heimat Waldviertel nicht verlassen wollte. Der übliche Karriereweg führte damals wie heute weg vom Land in Richtung Stadt – aber das „war so gar nicht seins“. Was im Jahr 1988 als Ein-Mann-Vision mit dem Verkauf von Bio-Kräutern und Gewürzen startete, ist heute ein großer Betrieb mit 400 MitarbeiterInnen und einem Sortiment von 900 Produkten.
Auf der Wiese vor dem betriebseigenen Kindergarten „Sonnenscheinchen“ tollen lachende Kinder herum. Während die Eltern im Waldviertler Kräuterunternehmen arbeiten, werden ihre Spröss­linge zwischen ein und sechs Jahren von Kindergartenpädagoginnen betreut. Der Kindergarten ist von sieben Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Ein eigenes Ferienprogramm entlastet die MitarbeiterInnen zusätzlich und sorgt dafür, dass die Kleinen auch kurzfristig versorgt werden können.

Zu hohe Erwartungen
Lange Zeit konzentrierten sich die Bemühungen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie in erster Linie auf Frauen. Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Frauen unter der Doppelbelastung einzubrechen drohen. In einer Studie hat sich die AK Wien die Erwartungen junger Frauen in Wien genauer angesehen. Für Ingrid Moritz, Leiterin der Abteilung Frauen und Familie, war das überraschendste Ergebnis: „Sie haben extrem hohe Erwartungen an sich selbst. Sie wollen im Beruf erfolgreich sein, haben aber auch sehr hohe Werte, wenn es darum geht, Zeit mit den Kindern zu verbringen.“ So hielten es 92 Prozent der befragten Frauen für wichtig, sich selbst zu verwirklichen. Zugleich wollten 82 Prozent viel Zeit mit dem Kind verbringen. 83 Prozent gaben an, sie möchten gerne beruflich erfolgreich sein. Die AK-Expertin hält fest: „Beides wird sich nicht ausgehen.“
Die Ergebnisse decken sich allerdings mit dem, was Frauen weiterhin vorgegaukelt wird, nämlich dass sie „eh alles“ könnten. „Aber das stimmt nicht“, hält Moritz fest. „Darum braucht es auch die Männer.“ Viele von ihnen muss man dabei gar nicht zu etwas zwingen. Vielmehr zeigen immer mehr Väter Interesse daran, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und somit ebenfalls aus dem Beruf auszusteigen. Dies verlangt allerdings nach einem anderen Umgang mit dem Thema Beruf und Familie.

Ansetzen könnte man etwa bei der Verteilung der Arbeitszeit zwischen den Geschlechtern, findet Moritz. „In der Zeit, wo die Kinder noch klein sind, arbeiten Männer und Frauen gemeinsam ungefähr 60 Stunden. Aber muss es so sein, dass der Mann 40 Stunden und Überstunden macht und die Frau nur wenige Stunden arbeitet, oder könnte man das nicht anders aufteilen?“
Den Wünschen von Männern und Frauen würde es jedenfalls entsprechen. Nicht zuletzt sollte man sich Gedanken darüber machen, ob die traditionelle Vorstellung von einer kontinuierlichen „Berufslaufbahn“ mit ständigem Vollzeit-Arbeitsplatz eigentlich noch der Realität entspricht. Bei Sonnentor können Beschäftigte dank der familienorientierten Maßnahmen Familie und Beruf viel besser vereinbaren als in herkömmlichen Betrieben. Manuela Feher, Marketing-Chefin bei Sonnentor, erläutert weitere Prioritäten des Betriebes in puncto Familienfreundlichkeit: „Flexible Teilzeitregelungen und flexible Arbeitszeiten sind enorm wichtig.“

Aufstieg in Teilzeit
Die Arbeitstage und das Stundenausmaß sind in Abstimmung frei wählbar. Zudem werden Väterkarenzen aktiv gefördert und von den Mitarbeitern auch genutzt.
Entgegen marktüblichen Gepflogenheiten können auch Teilzeitkräfte aufsteigen. Dies wirkt sich positiv auf die Anzahl von Frauen in Führungsebenen aus. Durch Jobsharing gewinnen Beschäftigte und Führungskräfte wertvolle Familienzeit. Das Karenzmanagement bei Sonnentor gilt als vorbildlich. Beschäftigte kehren nach der Karenz selbstverständlich in gleichwertige Positionen zurück. Rückkehrgespräche, individuelle Karriereplanung und Mentoring erleichtern zudem den gleitenden Wiedereinstieg. Aktuell sind bei Sonnentor 177 Frauen und 69 Männer beschäftigt. Der Anteil an weiblichen Führungskräften liegt bei 63 Prozent.

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin irene_mayer@hotmail.com oder die Redaktion aw@oegb.at

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