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Die tunesische Internetaktivistin Lina Ben Mhenni Die Internetaktivistin Lina Ben Mhenni steuerte die tunesische Revolution medial mit. Ihr Blog "A Tunisian Girl" war eine der wichtigsten Informationsquellen und Verbreitungskanäle.

"Ohne Druck funktioniert nichts"

Trotz Revolution im Jahr 2011 ist der Kampf für Gerechtigkeit und Freiheit für Frauen in Tunesien noch lange nicht zu Ende.

Der Selbstmord des Gemüseverkäufers Mohamed Bouazizi löste 2011 in Tunesien eine Protestwelle gegen das Regime aus. Die Internetaktivistin Lina Ben Mhenni steuerte die tunesische Revolution medial mit: Sie fotografierte und filmte dort, wo es nicht erlaubt war, berichtete über die Proteste, aber auch über die Gewalt, mit der die Polizei gegen die tunesische Bevölkerung vorging. Ihr Blog „A Tunisian Girl“ war eine der wichtigsten Informationsquellen und Verbreitungskanäle. Für ihren Einsatz wurde sie sogar für den Friedensnobelpreis nominiert. Sie war aber nicht die einzige Frau vor Ort. Die Frauen machten die Hälfte der DemonstrantInnen aus. Viele sind überzeugt, dass die Revolution ohne sie undenkbar gewesen wäre. „Es war natürlich nicht einfach, viele hatten Angst vor Repressalien in den Betrieben“, sagt Habiba Sobhi. Die tunesische Gewerkschafterin war so gesehen an der Basis tätig und versuchte, die Proteste der ArbeitnehmerInnen und der Studierenden zusammenzuführen und so schlagkräftiger zu machen.

Benachteiligung verhindert
Es war nicht das erste Mal, dass tunesische Frauen an vorderster Front kämpften, und es sollte auch nicht das letzte Mal gewesen sein. Nach dem Sturz des Regimes wollte die neu gewählte Ennahda-Partei das Personenstandsrecht, welches Polygamie untersagt, eine Verstoßung der Frau durch den Ehemann verbietet und Scheidungen erlaubt, ändern. Und zwar so, dass Frauen und Männer nicht länger gleichgestellt sind. Auch hier protestierten die Frauen und verhinderten eine Gesetzesänderung. „Wer in Tunesien etwas erreichen will, muss protestieren. Ohne Druck geht hier nichts weiter“, so Sobhi. Ben Mhenni fügt hinzu: „Das muss man sich einmal vorstellen. Plötzlich ging es nicht mehr darum, für mehr Rechte zu kämpfen, sondern bestehende zu verteidigen.“ Zudem beklagt die Internetaktivistin, dass die hohe Arbeitslosigkeit die junge Generation lähmt. Viele junge TunesierInnen, die 2011 auf der Straße waren, hatten große Hoffnungen, fühlen sich aber nun von der politischen Klasse verraten und sind frustriert.
Obwohl Frauen in Tunesien heute im Vergleich zu Männern viel mehr in Bildung investieren und seltener die Ausbildung abbrechen, sind sie viel häufiger arbeitslos. Und diejenigen, die einen Job haben, verdienen weniger als Männer. Nach einer Schwangerschaft dürfen sie ein bis zwei Monate – abhängig vom Arbeitgeber – zu Hause beim Kind bleiben. „Will eine Mutter einen unbezahlten Monat anhängen, wird sie sofort gekündigt“, erzählt Gewerkschafterin Sobhi. Arbeitnehmerinnen, die im öffentlichen Bereich beschäftigt sind, haben die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten – aber nur, wenn sie drei oder mehr Kinder haben. „Frauen haben viele Rechte auf dem Papier, in der Realität sind diese jedoch nicht umgesetzt“, so Ben Mhenni.

Mikrokredite, um Frauen zu stärken
Damit Frauen in der Gesellschaft und der Arbeitswelt integriert werden, müssen die Gesetze zur Gleichberechtigung rasch umgesetzt werden, sind die AktivistInnen überzeugt. Neben der Bildung ist auch ein Zugang zu Mikrokrediten äußerst wichtig, betont Sobhi. Gemeinsam mit anderen Frauen hat sie daher das Projekt „Mikrokredit“ ins Leben gerufen. „Frauen haben gute Ideen, aber ihnen fehlen die finanziellen Mittel. In ihren Vorhaben unterstützen wir sie mit Mikrokrediten, die sie nicht zurückzahlen müssen“, erzählt sie. Sie räumt ein, dass damit keine großen Gewinne gemacht werden können, auf jeden Fall aber kleine, um die Familie ernähren zu können. Auf diese Weise sollen Frauen ermutigt werden, für sich selbst zu sorgen und unabhängig zu leben. Mikrokredite bieten aber auch jungen Menschen die Möglichkeit, Unternehmen zu gründen. „So entstehen neue Arbeitsplätze und die Wirtschaft wird angekurbelt“, sagt Sobhi.

Weitere Infos finden Sie unter:
www.weltumspannend-arbeiten.at

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