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Sonja Fercher Sonja Fercher, Chefin vom Dienst

Standpunkt | ... wenn ihr denn unbedingt wollt ...

Meinung

Letztlich ging sie leider nicht einmal als Fußnote in der Geschichte ein. Dabei war ihre Initiative Gold wert: Unter dem Titel „Ganze Männer machen halbe-halbe“ machte die damalige Frauenministerin Helga Konrad auf sehr effektive Art und Weise das Private zum Politischen. Immerhin ging es um nicht mehr und nicht weniger als die Aufteilung der Haus- und Familienarbeit zwischen den Geschlechtern. Wenn Putzen und Kinderbetreuung weiterhin in die Domäne der Frau fallen sollten, auch wenn sie berufstätig war, sollte dies im Falle der Scheidung zugunsten der Frau berücksichtigt werden. Konrad stieß damit eine Debatte über eines der größten Hindernisse bei der Gleichstellung an.

Wespennest
Dass man bei dem Thema auch heute noch in ein Wespennest sticht, zeigte der Aufschrei, den die Kampagne „Echte Männer gehen in Karenz“ erst vor wenigen Jahren auslöste. Dabei kann über dieses Thema gar nicht oft genug diskutiert werden. Immerhin sind ebendiese Geschlechterstereotype, die nur Frauen die Zuständigkeit für Kinderbetreuung zuschreiben, weiterhin dafür verantwortlich, dass Frauen am Arbeitsmarkt schlechtergestellt sind. Zwar sind sie auf der Bildungsleiter unheimlich viele Sprossen hochgeklettert. Dies spiegelt sich jedoch weder in den Jobs wider, die sie ausüben, noch in den Funktionen, die ihnen übertragen werden. Auch landen viel zu viele Frauen weiterhin in typischen „Frauenjobs“. Viele davon sind noch dazu Schwerarbeit, die aber bei Weitem nicht dementsprechend bezahlt wird.
Frauen werden unter ihren Qualifikationen beschäftigt und damit schlechter bezahlt. Selbst wenn sie einen Job ausüben, der ihren Qualifikationen entspricht, erhalten sie allzu oft weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Frauen mit Kindern wird die Berufstätigkeit erschwert, weil es kein ausreichendes Angebot an Kinderbetreuungseinrichtungen gibt. So kann es auch kaum verwundern, dass Frauen weiterhin jene sind, die aus dem Beruf aussteigen, wenn ein Kind kommt oder ein/e Angehörige/r zu pflegen ist. Weil sie halt weniger verdienen, lautet eine beliebte Erklärung – und es ist ein handfester Grund. Damit dreht sich die negative Spirale aber leider weiter bis hin zur Pension.
Von daher ist es mehr als zynisch, wenn weiterhin die Wahlfreiheit angerufen wird. Frauen wird vorgegaukelt, sie könnten alles schaffen – aber man schafft weder die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür, noch gibt man ihnen die entsprechenden Chancen. Die Botschaft an Frauen lautet heute: Wenn ihr unbedingt arbeiten wollt, dann müsst ihr es halt auch schaffen. Man zwingt sie also nicht mehr, zu Hause zu bleiben. Allerdings bleibt ihnen aufgrund der Rahmenbedingungen oftmals gar nichts anderes übrig. Wahlfreiheit ist das wahrlich nicht, von Geschlechtergerechtigkeit ganz zu schweigen.

Geht alle etwas an
Zurück zu Helga Konrad. Männer sollen dazu gezwungen werden, in Karenz zu gehen, lautete eine große Befürchtung damals. Warum denn eigentlich nicht? Denn wenn es völlig einerlei ist, wer aufgrund der Geburt eines Kindes „ausfällt“, würden Unternehmen nicht nur in Festreden von Familienfreundlichkeit sprechen, sondern diese auch umsetzen. Auch der Druck zum Ausbau von Kinderbetreuung würde steigen.
Da nun auch Männer Knicke in ihrer Erwerbsbiografie hätten, würde auch darüber diskutiert werden, wie eine angemessene soziale Absicherung bei weniger geradlinigen Berufslaufbahnen aussehen sollte. Und man würde sich intensiver mit alternativen Arbeitszeit- und Karrieremodellen sowie Führungskonzepten beschäftigen, als Stichwort sei nur Führung in Teilzeit genannt. Kurzum: Gleichstellung würde nicht länger als Thema verstanden werden, das nur Frauen etwas angeht, sondern vielmehr als erstrebenswertes Ziel für alle.

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