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Symbolbild zum Bericht: Informieren und helfen FunktionärInnen von ÖGB und Gewerkschaften haben zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen, um Kriegsflüchtlinge zu unterstützen.

Informieren und helfen

Schwerpunkt

Angesichts der Tausenden Menschen, die Schutz in Österreich suchten, zeigten der ÖGB und die Gewerkschaften, dass Solidarität nicht nur ein Schlagwort ist.

Das Jahr 2015 wird wohl niemand in Österreich so schnell vergessen: Millionen Menschen sind weltweit vor Bürgerkriegen auf der Flucht, vor allem aus Syrien, aber auch aus Pakistan, Afghanistan und einigen Staaten Afrikas. Zahlreiche von ihnen suchen Schutz in Europa und nehmen unvorstellbare Strapazen und Gefahren auf sich, um die Chance auf Asyl zu erhalten.
Doch nicht nur die Flüchtlingskrise wird vielen in Erinnerung bleiben, sondern auch die große Hilfsbereitschaft der vielen freiwilligen HelferInnen, die sich täglich um die Versorgung dieser Menschen auf der Flucht kümmerten – in Flüchtlingsunterkünften, an Bahnhöfen in Wien und Salzburg, aber auch an den österreichischen Grenzen.

Eindrucksvolle Initiativen
Auch für den ÖGB und die Gewerkschaften war es von Anfang an klar, dass diese leidgeplagten Menschen unterstützt werden müssen. Zahlreiche eindrucksvolle Initiativen wurden von FunktionärInnen ins Leben gerufen, um Kriegsflüchtlinge zu unterstützen.
So hatte beispielsweise der ÖGB Salzburg beschlossen, sein Haus in Seekirchen am Wallersee für Flüchtlinge zu öffnen. Für rund 30 Personen hätte es dort eine Unterkunft gegeben. Mitte August 2015 wurde vor dem Haus allerdings ein Feuer gelegt, die Täter setzten Gartenmöbel in Brand. ÖGB-Landesgeschäftsführerin Heidi Hirschbichler zeigte sich entsetzt über den Brandanschlag und betonte, dass „Hetzer nicht die Oberhand gewinnen dürfen“.

Engagement statt Negativberichten
Auch die ÖGB-Jugend bewies Menschlichkeit. Einige Male fuhren der ÖGB-Jugendsekretär Sumit Kumar und der Wiener PRO-GE-Landesjugendsekretär Thomas Holy mit voll beladenem Kleintransporter nach Traiskirchen, um für die Flüchtlinge Zahnbürsten, Windeln, Rucksäcke, Schlafmatten, Kleidung und vieles mehr abzugeben. „Wir konnten die negativen Berichte nicht mehr sehen, die Kommentare nicht mehr hören. Wir mussten etwas machen“, begründeten beide, deren Eltern selbst als Flüchtlinge nach Österreich gekommen sind, ihr Engagement.
Als im Flüchtlingsnotquartier im Ferry-Dusika-Stadion Hilfskräfte und freiwillige HelferInnen gebraucht wurden, halfen zahlreiche GewerkschafterInnen aus. Unter ihnen war Wolfgang Brandl, ein Mitarbeiter des ÖGB-Verlags. Er sammelte Geld- und Sachspenden, besorgte Hygieneartikel, Essen und was sonst benötigt wurde und transportierte alles dorthin, wo es am meisten gebraucht wurde – und zwar über mehrere Wochen lang.
Im ÖGB-Haus selbst wurden auch fleißig Spenden gesammelt. Auf Betreiben der Gewerkschaft vida wurde eine Sammelbox des Arbeiter-Samariter-Bundes aufgestellt, um Schulsachen für minderjährige unbegleitete Mädchen zu sammeln. Dass es viele hilfsbereite und weltoffene Menschen gibt und Österreich nicht von Ausländerfeindlichkeit dominiert wird, bewiesen viele GewerkschafterInnen im Rahmen eines Aktionstages der Gewerkschaft vida Mitte September des vergangenen Jahres. Etliche KollegInnen packten mit an und unterstützten die Einsatzkräfte am Grenzübergang Nickelsdorf im Burgenland. Sie verpackten am Grenzübergang tonnenweise Kleidung und sortierten Hilfsgüter in Schachteln und machten diese fertig für den Weitertransport.
Dass sich auch Erich Mauersics, Landesvorsitzender der vida Burgenland, mit seinem Team am vida-Aktionstag beteiligte, war für ihn absolut klar: „Die Hilfesuchenden sind auf der Flucht. Sie kommen zu uns, um Schutz zu suchen. Wir müssen sie hier menschenwürdig versorgen und sie unterstützen. Wir müssen aber auch den vielen Hilfsorganisationen unter die Arme greifen. Alleine ist für sie diese Riesenaufgabe schwer bewältigbar.“

Gemeinsame Erleichterung
Kräftig mitgeholfen hat auch der gebürtige Burgenländer Patrick Nikitser. Besonders berührt hat den Mitarbeiter des vida-Organisationsreferats der Augenblick, als eine Gruppe von rund 20 Flüchtlingen über die Grenze gekommen ist: „Die Männer hatten Kinder auf den Armen, und man konnte in ihren Gesichtern sehen, wie erschöpft sie waren. Man hat aber auch gesehen und gespürt, dass sie einfach froh waren, es geschafft zu haben. Vor Ort wurden sie dann sehr gut von den Hilfskräften versorgt.“
Der Hilfseinsatz in Nickelsdorf war für den vida-Vorsitzenden Gottfried Winkler, der selbst an der Grenze mitgeholfen hat, ein Beweis dafür, für welche Werte die Gewerkschaft steht: Solidarität, Verantwortung, Respekt vor der Menschenwürde und Hilfsbereitschaft.

Humane Flüchtlingshilfe
Die Gewerkschaft younion hatte aufgrund der immer wieder aufkommenden Hassbotschaften ihre Mitglieder aufgerufen, sich davon nicht irritieren zu lassen, sondern Herz zu zeigen und den Flüchtlingen zu helfen. „Viele helfende Hände können einiges erreichen, wie die Situation in den ersten Wochen gezeigt hat. Als Gewerkschaft stehen wir hinter jenen KollegInnen, die bei der Flüchtlingskrise ihr Bestes geben – sei es freiwillig oder im Dienst“, betonte younion-Vorsitzender Christian Meidlinger.
So sind Bedienstete aus Gesundheitsberufen im Einsatz, ebenso Feuerwehr, Sozialberufe, Müllabfuhr, Kanzleibedienstete etc. KünstlerInnen geben Solidaritätskonzerte und SportlerInnen verschenken Karten für ihre Spiele. „Jede/r hilft dort, wo sie/er kann.“ In diesem Sinne unterstützte auch der ÖGB das Solidaritätskonzert der Volkshilfe „Voices for Refugees“ für ein menschliches Europa am Wiener Heldenplatz.

„Flüchtlingswelle“, „Wirtschaftsflüchtlinge“ und so weiter und so fort: In den letzten Monaten wurde in sozialen Medien wie Facebook und auf anderen Online-Plattformen gegen Flüchtlinge vermehrt gehetzt und diesen gedroht. In manchen Tageszeitungen wurden falsche Behauptungen über Flüchtlinge verbreitet. Auf diese Hetze reagierten Gewerkschaften und der Verband Österreichischer Gewerkschaftlicher Bildung (VÖGB) mit Fakten und Tatsachen. In Form von Ausstellungen, Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen wurden Interessierte informiert. Einer, der vor Ort an der Grenze war und genau schildern kann, wie der große Andrang bewältigt werden kann, ist Erich Weisz, Vizebürgermeister von Nickelsdorf und ÖBB-Betriebsrat.
Bei der VÖGB-Podiumsdiskussion „Flüchtling sein in Österreich. Herausforderungen heute und morgen“ Ende Jänner schilderte er: „In kürzester Zeit kamen Tausende Flüchtlinge, die versorgt werden mussten. Dies funktionierte sehr gut, weil mit allen Beteiligten offen kommuniziert wurde, viele Engagierte mithalfen, die Infrastruktur aufgrund des Nova-Rock-Festivals bereits vorhanden war, aber auch, weil alle gehandelt haben, als es notwendig war, und nicht erst um Erlaubnis gefragt haben.“

Eine weitere Informationsveranstaltung fand Mitte Februar in der ÖGB-Zentrale statt: die vida-Fachtagung unter dem Titel „Flüchtlingssituation“. Rund 140 BetriebsrätInnen und FunktionärInnen hatten sich eingefunden, um die aktuelle Lage zu erörtern, aber auch zu hören, wie Sozialeinrichtungen oder auch die ÖBB mit der großen Zahl von flüchtenden Menschen im Herbst umgegangen sind. Zu Beginn der Veranstaltung gab der Flüchtlingskoordinator der Stadt Wien, Peter Hacker, einen Überblick: So sind seit September 2015 rund 300.000 Menschen durch Wien gezogen. Derzeit sind weniger als 20.000 in der Grundversorgung, bekommen also unter anderem eine Unterkunft, sind krankenversichert und werden verpflegt. 44 Prozent der Asylsuchenden sind in privaten Unterkünften untergebracht, der Rest in organisierten Quartieren.

Wachsam bleiben
Bei der Fachtagung erklärte der Flüchtlingskoordinator, dass es ihm besonders wichtig ist, dass Österreich seine Willkommenskultur nicht über Bord wirft: „Wir müssen wachsam bleiben und dürfen unsere Grundprinzipien wie Solidarität nicht aufweichen lassen. Was wir derzeit erleben, geht in eine andere Richtung. Eines ist für mich klar und ich werde es immer und immer wieder wiederholen: Ich lasse mir sicher nicht einreden, dass es unanständig ist, anständig zu sein.“

Linktipps:
Weitere Infos und Veranstaltungshinweise finden Sie auf folgenden Websites:
www.oegb.at
www.voegb.at
www.diefachbuchhandlung.at

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin amela.muratovic@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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