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Symbolbild zum Bericht: Gemeinsam anpacken Mit BetriebsrätInnen im Rücken sind die ArbeitnehmerInnen in einer deutlich stärkeren Position, um ihre Interessen gegenüber den Arbeitgebern zu vertreten und unterschiedlichste Probleme zu lösen.

Gemeinsam anpacken

Schwerpunkt

Der Arbeitsalltag ist nicht immer einfach, häufig treten diverse Probleme auf. Mit einem Betriebsrat im Rücken erreicht man viel mehr als allein.

Mit dem Chef hitzige Debatten führen, ein offenes Ohr für die Probleme der MitarbeiterInnen haben, sich um die korrekte Einstufung und neue Stühle für die KollegInnen kümmern – das sind nur einige Aufgaben, die den Arbeitsalltag einer Betriebsrätin oder eines Betriebsrates kennzeichnen. Für viele österreichische ArbeitnehmerInnen sind sie so selbstverständlich wie die Betriebskantine. Bei Unklarheiten werden einfach BetriebsrätInnen um Rat und Hilfe gefragt. Selbstverständlich ist auch, dass sie bei gröberen Auseinandersetzungen, aber auch bei drohenden Betriebsschließungen an vorderster Front stehen und die KollegInnen bei Protesten und Demonstrationen anführen. Genau das tat auch Snjezana Brajinovic, Betriebsratsvorsitzende der mittlerweile insolventen Supermarktkette Zielpunkt.

Kampf für KollegInnen

Im Dezember vergangenen Jahres meldete Zielpunkt Insolvenz an, und das verfrühte „Weihnachtsgeschenk“ – kein Gehalt, kein Weihnachtsgeld – schockierte nicht nur die betroffenen MitarbeiterInnen, sondern stieß auch auf große Empörung in der Bevölkerung. Brajinovic kümmerte sich um ihre KollegInnen, kämpfte um ihre Ansprüche und ließ kein gutes Haar an der Geschäftsführung und Zielpunkt-Eigentümer Pfeiffer. Zumindest gab es eine gute Nachricht für die Zielpunkt-Beschäftigten: Der Insolvenz-Entgeltfonds konnte bis Weihnachten die offenen November-Gehälter sowie das Weihnachtsgeld auszahlen. Der ÖGB und die Arbeiterkammer brachten Forderungen in der Höhe von 5,4 Millionen Euro für die Betroffenen ein, der Masseverwalter hatte alle Ansprüche anerkannt. Ebenso bekamen Zielpunkt-Lehrlinge die Zusage, dass sie ihre Ausbildung bei einer der anderen Supermarktketten Österreichs fortsetzen können.

Gemeinsam mehr erreichen

Wie man an der Zielpunkt-Pleite sieht, kann ein Betriebsrat die Situation der Beschäftigten eines Betriebes verbessern oder so gut wie möglich erleichtern. Trotzdem gibt es immer wieder Stimmen, die behaupten, BetriebsrätInnen seien unnötig, sie würden doch nur mit dem Chef herumsitzen und viel zu viel Kaffee trinken.
Es gibt auch diejenigen, die meinen, sie bräuchten keinen Betriebsrat, weil sie alles allein regeln können. So ähnlich dachte auch viele Jahre Michael Schnabel, seit 1981 bei Siemens beschäftigt. „Ich bin doch nicht auf den Mund gefallen. Ich brauche niemanden, der mich unterstützt“, schildert er seine frühere Einstellung. Mittlerweile ist Schnabel seit rund 15 Jahren selbst Betriebsrat und im Einsatz für seine KollegInnen – vor allem für die jüngsten unter ihnen. „Ich wurde immer wieder um Hilfe gebeten, und so kam es einige Zeit später, dass ich in diese Funktion hineinstolperte“, so der 50-jährige Elektroenergietechniker. Siemens bildet österreichweit rund 400 Lehrlinge aus, davon rund 180 Lehrlinge in Wien, die Schnabel gemeinsam mit dem Jugendvertrauensrat-Team betreut. Sie vermitteln zwischen Lehrlingen, wenn es zu Schwierigkeiten und Auseinandersetzungen kommt, unterstützen sie bei arbeitsrechtlichen, lerntechnischen, aber auch privaten Problemen. „Wenn es Schwierigkeiten in der Ausbildung, bei der Matura oder auch in der Berufsschule gibt, versuchen wir, eine akzeptable Lösung für alle Betroffenen zu finden“, berichtet der Lehrlingsbetreuer. Besonders wichtig ist für ihn, dass junge ArbeitnehmerInnen kurz vor der FacharbeiterInnen-Prüfung diverse Dienststellen durchlaufen und in den Lehrwerkstätten gut vorbereitet werden. „Es ist nicht immer einfach, alle Aufgaben zu erfüllen. Manchmal ist es echt ein hartes Brot, aber gemeinsam schaffen wir es immer“, betont Schnabel die gute Zusammenarbeit mit seinen jungen KollegInnen.  

Keine billige Arbeitskraft

Dass es Lehrlingen im Betrieb gut geht und sie eine ordentliche Ausbildung bekommen, das liegt auch Berend Tusch am Herzen. „Beginnend mit dem ersten Tag in der Arbeitswelt stehe ich diesen als Support zur Verfügung“, sagt der Betriebsratsvorsitzende der Austria Trend Hotels. Oft werden Jugendliche als unfähig oder nicht engagiert bezeichnet. Tusch versucht die Lehrlinge zu coachen, aber auch mit dem Management Maßnahmen zu setzen, damit Strukturen geschaffen werden, um Lehrlingen das Berufsbild als Ganzes zu vermitteln.
„Ich schaue darauf, dass genügend AusbildnerInnen vor Ort sind, die den Lehrlingen alles beibringen, was sie für ihre Ausbildung brauchen. Ich zeige auf, dass Lehrlinge nicht als billige Arbeitskraft ausgenutzt werden dürfen“, erzählt er aus seiner Tätigkeit. Unter anderem hat er gemeinsam mit dem Unternehmen eine Lehrlingsakademie ins Leben gerufen, die die sozialen Kompetenzen schult und fördert. „Ich wache mit Argusaugen darüber, dass Gesetze und Vereinbarungen auf beiden Seiten eingehalten werden. Kontrolle und Sanktionen sind das Um und Auf“, erklärt der Betriebsratsvorsitzende.

Nach Lösungen suchen

Vor allem junge ArbeitnehmerInnen kennen sich häufig nicht aus oder trauen sich nicht, ihre Rechte beim Arbeitgeber einzufordern. Der Betriebsrat kann die Interessen der ArbeitnehmerInnen gegenüber dem Arbeitgeber besser durchsetzen, als der oder die einzelne ArbeitnehmerIn es könnte.
In Betrieben mit Betriebsrat werden Beschäftigte besser in betriebliche Prozesse miteinbezogen. Die Mitbestimmung von BetriebsrätInnen reicht von der Gestaltung der Arbeitsplätze und -zeiten bis zur Einstellung und Versetzung. „Junge ArbeitnehmerInnen machen oft Fehler, die unnötig sind und sie in Schwierigkeiten bringen können. Sie kommen zum Beispiel zu spät zur Arbeit, haben Schwierigkeiten in der Berufsschule oder vergessen die Krankenstandsbestätigung“, erzählt Tamara Punz, Jugendvertrauensrätin bei der Mediaprint. In solchen Situationen versucht Punz zuerst in Gesprächen mit Betroffenen zu erfahren, was passiert ist und wieso. Danach wird mit den LehrausbildnerInnen und der Personalabteilung nach einer gemeinsamen Lösung gesucht. Mit dem Betriebsrat sorgt die Jugendvertrauensrätin dafür, dass bei Problemen immer jemand zur Stelle ist und man die Lehrlinge nicht sich selbst überlässt.

Auf der sicheren Seite

Nicht nur in der Lehrlingsbetreuung sind BetriebsrätInnen und JugendvertrauensrätInnen ein zuverlässiger Partner in der Arbeitswelt. Sie stehen ArbeitnehmerInnen immer beratend zur Stelle: sowohl bei Dienstantritt, wenn es um die korrekte Einstufung geht, als auch während der Beschäftigung, wenn Seminare für alle MitarbeiterInnen ausgearbeitet werden sollen. Und wenn ArbeitnehmerInnen wünschen, das Dienstverhältnis aufzulösen, klären sie über Möglichkeiten, Fristen, offene Abrechnungen und Dienstzeugnis auf.
„Als Betriebsrat weiß auch ich nicht alles. Eine gut funktionierende Rechtsabteilung ist für meine Arbeit sehr wichtig. Meine Kollegen erwarten sich nicht Halbwissen, sondern seriöse Auskünfte“, so Tusch. „Gewerkschaften und Arbeiterkammer bieten viele Angebote, wie etwa Informationsmaterial zu Belastung am Arbeitsplatz und präventive Maßnahmen, an, die ich meinen KollegInnen im Betrieb zur Verfügung stellen kann.“ Er fügt hinzu, dass Gewerkschaften und Arbeiterkammer ihn dabei unterstützen, sein Wissen auf dem laufenden Stand zu halten, ihm die Möglichkeit geben, sich mittels Plattformen mit KollegInnen seiner Branche, aber auch mit anderen auszutauschen und deren Ressourchen zu nutzen. „Wenn ich nicht helfen kann, dann weiß ich, wer es kann. Unsere Lehrlinge wissen, dass sie sich auch an die Gewerkschaftsjugend wenden können. Die ÖGJ bietet diverse Unterstützung an, wie etwa bei der Führerscheinprüfung“, sagt Schnabel. 
Diese Beispiele verdeutlichen, wie wichtig ein Betriebsrat ist. Debatten um Schichtpläne, Pausenzeiten, Beginn und Ende der Arbeitszeit, Urlaubspläne, Ausbildung, Freizeitgestaltung oder gar umfassende Fragen wie die Einführung von flexibler Arbeitszeit und Altersteilzeit: Mit BetriebsrätInnen im Rücken sind die ArbeitnehmerInnen in einer deutlich stärkeren Position, um ihre Interessen gegenüber den Arbeitgebern zu vertreten und unterschiedlichste Probleme zu lösen.

Linktipps:
Österreichischer Gewerkschaftsbund:
www.oegb.at
Portal der Arbeiterkammern:
www.arbeiterkammer.at
Österreichische Gewerkschaftsjugend:
www.oegj.at

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin amela.muratovic@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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