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ÖGB-Plakat Ende 1956 ÖGB-Plakat Ende 1956: Nach der Niederlage des antikommunistischen Aufstands in Ungarn kamen 180.000 Flüchtlinge. 1968 folgten nach der Vernichtung des "Prager Frühlings" 162.000 Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei ...

Schlechtes Leben fürchten

Historie

Die Gewerkschaft war und ist Bewegung gegen schlechtes Leben. Deshalb ihr Kampf gegen Arbeitslosigkeit, deshalb ihr Einsatz für Flüchtlinge.

Sie mussten wissen, dass die Chance gleich null war. Trotzdem verjagten die hungernden kleinen Leute von Paris im Jahr 1871 ihre korrupte Verwaltung und wählten eine sozialistische Stadtregierung, die auch den Achtstundentag einführte. Die Truppen des besiegten Frankreichs und des siegreichen Deutschen Reichs bereiteten dann gemeinsam der „Commune“ ein blutiges Ende. Der Dichter Bert Brecht setzte den Besiegten mit seinem Gedicht „Resolution der Kommunarden“ ein Denkmal. Er nannte ihre Ziele – darunter gerechte Gesetze, kein Hunger mehr, Wohnung, Heizung und guter Lohn – und schloss die Strophen mit dem Refrain:

In Erwägung, dass ihr uns dann eben mit Gewehren und Kanonen droht, haben wir beschlossen, nunmehr schlechtes Leben mehr zu fürchten als den Tod.

Ähnlich empfinden wohl die meisten Flüchtlinge, die sich, um Krieg, Hunger und Chancenlosigkeit in den finanziell völlig unterversorgten Auffanglagern in der Nachbarschaft der Kriegsgebiete zu entkommen, auf den gefährlichen Weg nach Europa machen. Unter diesen Bedingungen sei, so der ÖGB-Bundesvorstand in seinem einstimmigen Positionsbeschluss zur Flüchtlingsfrage vom 29. Oktober 2015, die Unterscheidung zwischen Kriegs- und sogenannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ … schwer zu treffen. Sie alle treten den Weg nach Europa an, auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben. … Europa muss deshalb … vertriebenen Menschen ausreichend Schutz gewähren!“

GewerkschafterInnen aus betrieblichen und überbetrieblichen Organisationen standen schon immer in den vorderen Reihen, wenn es darum ging, Menschen auf der Flucht zu helfen – die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung ist ja ihrerseits auch eine Geschichte von Verfolgungs- und Fluchterfahrungen, angefangen von der Pionierzeit im 19. Jahrhundert bis zur faschistischen Ära von 1934 bis 1945. Bei allen Flüchtlingswellen, die Österreich erreichten, hatte der ÖGB dabei das soziale Ganze im Auge. Flüchtlingen eine Chance statt Almosen zu geben, das heißt aus Gewerkschaftssicht, sie nicht zum Spielball am Arbeitsmarkt werden zu lassen, sie nicht gegen die schon im Land befindlichen Arbeitslosen auszuspielen. Das betonte auch der ÖGB-Bundesvorstand 2015: Keinesfalls darf die Notsituation Arbeit suchender Menschen für Lohn- und Sozialdumping missbraucht werden.

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