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"Nicht zuletzt" ... Goldgräberstimmung

Kolumne von Gabriele Zgubic
Leiterin der Abteilung Konsumentenpolitik der AK Wien

Die Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung überrollt geradezu alle Lebensbereiche, sodass man ständig das Gefühl hat, hinterherzulaufen, ohne eigentlich genau zu wissen, wohin man läuft.

Dass der Wandel von einer Industriegesellschaft zu einer digitalen Gesellschaft unaufhaltbar ist, ist klar. Nun ist es hoch an der Zeit, vom Getriebenen zum Gestalter zu werden, die Gefahren als auch die Chancen zu erkennen und Antworten auf zentrale Fragen zu finden: Wie wollen wir in Zukunft leben und arbeiten? Wie soll eine digitale Gesellschaft wirtschaftlich und politisch aussehen? Wie soll sich unser Alltag gestalten?

Unaufhaltsamer Onlinehandel
2014 kauften zwei Drittel der ÖsterreicherInnen online und gaben dabei rund sieben Milliarden Euro aus. Davon fließt jeder zweite Euro ins Ausland. Tendenz: stark steigend.
Eines muss man sich bewusst sein: Onlinehandel kann man nicht aufhalten. Das erzeugt entsprechend Druck auf den stationären Handel und folglich auf die Arbeitsplätze. Statt VerkäuferInnen in Geschäften laufen etwa bei Amazon Picker kilometerweit in den Lagerhallen herum – mies bezahlt, dafür umso besser überwacht. Der Kunde ist König? Ein Trugschluss, denn KonsumentInnen sind oft auch ArbeitnehmerInnen.
Gibt es schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne in einer Branche, erzeugt das natürlich auch Druck auf andere Branchen. Für den traditionellen Handel bedeutet es, sich auf das geänderte Kaufverhalten einzustellen und selbst die technologischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Dabei dürfen aber die Rechte der ArbeitnehmerInnen nicht unter die Räder kommen.

Wölfe im Schafspelz
Teilen klingt so heimelig – die Welt zu einem besseren Ort machen. Tatsächlich geht es bei Sharing Economy oft ums große Geschäft. So sind etwa Uber, Airbnb oder Helpling milliardenschwere Unternehmen. Da will niemand uneigennützig teilen, da geht es um Profite – möglichst hohe natürlich und möglichst ohne lästige staatliche Einschränkungen der analogen Welt, wie die 50 Milliarden Euro schwere Beförderungsplattform Uber besonders rücksichtslos vorexerziert. Es müsse ja niemand über diese Plattformen seine Dienste anbieten, so die Plattformbetreiber.
Es können aber nicht nur Arbeitsbedingungen betroffen sein, sondern wie bei Airbnb das Wohnungsangebot einer Stadt: Wenn es lukrativer ist, via Airbnb eine Wohnung an Touristen zu vermieten, dann wird man das auch tun. Damit gehen aber Angebote für Wohnungssuchende verloren, was gerade für Ballungsräume problematisch ist. Dazu kommen entgangene Steuereinnahmen. Auch hier gilt es, die nötigen Instrumentarien zu entwickeln, um gesellschaftlich unerwünschte Entwicklungen hintanzuhalten.

Der vermessene Mensch
Zudem generieren die Internet-NutzerInnen einen unermesslichen Datenschatz. Auch diesen kann man zu Geld machen. Menschen werden via Algorithmen vermessen, es wird ein Marktwert bestimmt und künftiges Verhalten vorhergesagt. Wer durchfällt, wird aussortiert oder muss mehr zahlen, etwa für eine Versicherung oder einen Kredit.
Die digitale Entwicklung bietet viele Vorteile und Chancen, auch für die interessenpolitische Arbeit. Diese gilt es zu nutzen und zu fördern.
Der Weg von Selbstverwirklichung zur (Selbst-)Ausbeutung ist aber gerade in der digitalen Welt nicht weit. Und viele haben keine Entscheidungsfreiheit am Arbeitsmarkt, etwa ältere Menschen.
Es bedarf auf nationaler und internationaler Ebene Regulatorien und Rahmenbedingungen, insbesondere um menschenwürdige Arbeitsbedingungen, den Sozialstaat und den Schutz der Privatsphäre weiter zu gewährleisten.

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