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Engagierte WissenschafterInnen untersuchen vielfältige Fragen von Ungleichheiten aus ökonomischer, ökologischer sowie soziologischer Perspektive.

AK und ÖGB: Neues Institut an der Wirtschaftsuni erforscht
Un­gleich­heit

Aus AK und Gewerkschaften

Engagierte WissenschafterInnen untersuchen vielfältige Fragen von Ungleichheiten aus ökonomischer, ökologischer sowie soziologischer Perspektive.

Die Suche nach den Ursachen und Auswirkungen der steigenden Ungleichverteilung von Arbeits-, Einkommens-, Vermögens- und Lebenschancen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der bedeutendsten Forschungsgebiete der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften entwickelt. Zugleich ist dieser Themenbereich auch in den Fokus internationaler Organisationen wie OECD, IMF und Weltbank gerückt. Der beeindruckende Erfolg von Thomas Pikettys Bestseller „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ zeigt auch, dass die feinen Unterschiede in unserer Gesellschaft nun auch in der breiten Bevölkerung auf gesteigertes Interesse stoßen.
Doch warum sollte man sich überhaupt aus einer wissenschaftlichen Sichtweise verstärkt mit einem politisch und ideologisch so aufgeladenen Thema beschäftigen? Zum einen erzeugt gerade die hitzige Diskussion, die oft vorschnell entweder als Neiddebatte oder Klassenkampf diskreditiert wird, die Nachfrage nach Analysen und Zahlenmaterial, um Ungleichheit in ihren verschiedenen Facetten und auch Widersprüchlichkeiten zu beschreiben. Es setzt sich aber auch verstärkt die Ansicht durch, dass die ungleiche Verteilung von ökonomischen Ressourcen auch Auswirkungen auf viele andere Bereiche der Gesellschaft hat.

So betonen beispielsweise Richard Wilkinson und Kate Pickett in ihrem Buch „Gleichheit ist Glück“ den negativen Zusammenhang von Ungleichheit mit physischer und mentaler Gesundheit, Kriminalität und den Lebensbedingungen von Kindern. Dazu passend zeigt James Heckman, dass die unterschiedliche Förderung von kognitiven und sozialen Kompetenzen im frühkindlichen Alter nur mehr schwer aufzuholen ist und sich im weiteren Leben stark auswirkt.
Und erst kürzlich betonte die OECD, dass – anders als dies bisher zahlreiche ÖkonomInnen argumentierten – Ungleichheit auch negative Auswirkungen auf die Wachstumspotenziale von entwickelten Gesellschaften haben kann.
All diese Punkte zeigen jedoch auch den großen weiteren Forschungsbedarf zu den Ursachen und Konsequenzen von Ungleichheit auf. Das neue Forschungsinstitut mit dem Namen Economics of Inequality (kurz: INEQ) setzt sich zum Ziel, gesellschaftliche Ungleichheit in ihren vielschichtigen Facetten zu analysieren.
Der inhaltliche Fokus liegt hierbei in der Aufbereitung von Daten und Fakten zu Armut und Reichtum, Einkommens- und Vermögensverteilung sowie der sozialen Mobilität zwischen den Generationen. Dabei steht der ungleiche Zugang zu Umweltressourcen und -rechten ebenso im Zentrum der Untersuchungen des Instituts wie die Implikationen und Herausforderungen für den öffentlichen Sektor und seine Budgets auf nationaler sowie internationaler Ebene.

INEQ ist ein interdisziplinäres Projekt von volkswirtschaftlichen und sozioökonomischen WissenschafterInnen. An beiden Departments wird seit mehreren Jahren Forschung zu ökonomischen, sozialen und ökologischen Fragen der Einkommens- und Vermögensverteilung betrieben.
Unter der Leitung von Wilfried Altzinger, Sigrid Stagl und Karin Heitzmann forscht ein sechsköpfiges Team, das aus unterschiedlichen Disziplinen und Forschungsbereichen kommt und so einen differenzierten Blick auf das Thema Ungleichheit gewinnen will.
Das Forschungsinstitut wird begleitet durch ein Scientific Board, das die wissenschaftliche Qualität evaluiert, welchem große Namen wie Tony Atkinson, Giacomo Corneo und Josef Zweimüller angehören.
Obwohl das Institut erst kürzlich gegründet wurde, laufen die Forschungsarbeiten bereits auf Hochtouren: Aktuell verwendet die ForscherInnengruppe die Vermögensdaten der Österreichischen Nationalbank, um beispielsweise die Eigenschaften von reichen Haushalten zu analysieren oder die unterschiedlichen Effekte von Steuern auf Arbeit und Kapital auf das Wirtschaftswachstum zu quantifizieren. Parallel dazu werden erstmals die Daten der Sozialversicherung dazu verwendet, die langfristige Einkommensungleichheit zu erforschen. Dieses Forschungsvorhaben dreht sich speziell um die Frage, ob jüngere Generationen höhere Einkommensungleichheit aufweisen als ältere.
Im Allgemeinen setzt sich das Team des Forschungsinstituts zum Ziel, durch verstärkte nationale und internationale Forschungskooperationen sowie durch einschlägige Fachveranstaltungen ein Forschungsnetzwerk für soziale, wirtschaftliche und ökologische Ungleichheiten in Österreich zu etablieren. Ein besonderes Interesse gilt dabei der breiten Diskussion der Forschungsergebnisse mit der interessierten Öffentlichkeit.
Das Institut wird am 18. September um 14 Uhr im Festsaal 2 der WU eröffnet.

Mehr Infos unter:
www.wu.ac.at/ineq

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