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Der Kreis schlieŖt sich

Wir sind Europa

Vier Wochen bei der Powertruppe der PersonalvertreterInnen in den Asklepios Kliniken in Hamburg mit dabei, inklusive Betriebsratswahl und Streik.

2012 war es so weit: Der langersehnte und mit viel Freude erwartete, aber auch etwas respekteinflößende Praktikumsmonat in Hamburg begann. Die Asklepios Kliniken in Hamburg wurden vor Jahren privatisiert, und es war eine spannende Aufgabe, zu ergründen, wie die dortigen PersonalvertreterInnen auf diese Herausforderung reagiert haben.
Dienstbeginn war um 8.30 Uhr, und noch heute weiß ich: Ich stand um 7 Uhr vor einem riesigen Klinikkomplex mit einem beeindruckenden Verwaltungshaus aus roten Backsteinziegeln. Schnell die ersten Fotos geschossen, und dann ab in die Kantine auf einen Tee mit Brötchen. Ich wurde von Alexandra Pleger mit einem herzlichen „Moin, ich bin die Alex“ empfangen und das Eis war gebrochen. Nach und nach lernte ich die gesamte Truppe kennen, an der Spitze die Konzernbetriebsratsvorsitzende (KBR) Katharina Ries-Heidtke, weiters die von ver.di entsandte Vertreterin Lisa Merla und Thomas Haupt vom Gesamtbetriebsrat (GBR).

Powertruppe
Diese Powertruppe zeigte mir die so typische deutsche freundliche, aber auch sehr bestimmte Art und Weise, wie man Betriebsratsarbeit auf höchstem Niveau professionell leisten kann. Eine Sitzung jagte die nächste. Mir wurde sehr schnell klar, dass GBR und KBR ineinander verzahnt sind und sich gegenseitig vorantreiben. Im GBR konnte ich an BR-Sitzungen vor Ort und an taktischen Sitzungen teilnehmen, die die verschiedensten Themen betrafen. Im KBR wurde ich von Katharina Ries-Heidtke zu Besprechungen der Konzernspitze mitgenommen. Ein paar Zahlen, um zu veranschaulichen, in welchen Dimensionen hier gedacht wird: Die Entscheidungen, die dort ausverhandelt werden, betreffen ca. 34.500 Vollzeitarbeitskräfte, der Konzern hatte 2013 weltweit einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro. 

Bei Streik dabei
In Hamburg, also auf GBR-Ebene, werden von den PersonalvertreterInnen ca. 11.240 Personen vertreten. Hier konnte ich an einer Schlichtungskommission teilnehmen, eine Betriebsratswahl in einem Krankenhaus mitverfolgen, und auch bei einem Streik war ich dabei.
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit wurde ich als „Ösi“ um meine Meinung gefragt bzw. wie wir in Österreich dieses Problem lösen würden. Jetzt ergab alles einen Sinn. Das Rhetoriktraining, die Stimmbildung, vor Leuten sprechen, eine Meinung haben und diese vertreten, in Lösungen denken, sich vernetzen usw. Rechtlich haben die deutschen KollegInnen mehr Mitbestimmung und diese wird auch konsequent, meistens sogar im Beisein eines eigenen Rechtsanwaltes gefordert und klargestellt. Neben der profunden Ausbildung in der SOZAK war der Praktikumsmonat eine der wichtigsten Erfahrungen in meinem Berufsleben. Durch den ständigen Kontakt mit meinen „HamburgerInnen“ entstand neben einem hervorragenden Netzwerk zu einer BR-Körperschaft auch eine sehr schöne Freundschaft.

INTERVIEW:
Zur Person: Thomas Haul
Wohnort: Hamburg
Momentane Tätigkeit: Betriebsratsvorsitzender der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg
Anzahl der Beschäftigten: 1.600
Gewerkschaft: Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di)
Seit wann im Betriebsrat: seit 2000

Was bedeutet für Sie Arbeit?
Macht Spaß, ist notwendig zum Geldverdienen.

Wie sehen Sie die Wirtschaft?
Die Wirtschaft boomt, das hat zur Folge, dass es in den Krankenhäusern Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung gibt.

Was bedeutet Ihnen Gewerkschaft?
Die Gewerkschaft ist eine zwingende Voraussetzung für eine gute Arbeitnehmervertretung.

Was bedeutet Ihnen die EU?
Ich bin Europäer, nicht Deutscher!

Ihr Lieblingsland in Europa?
Großbritannien. Dort bin ich oft und gern. Mich beeindrucken diese tollen Menschen und die wirklich großartige  Landschaft!

Welche Funktion soll aus Ihrer Sicht der Betriebsrat erfüllen?
Der Betriebsrat ist eine Haltelinie zwischen Arbeitgeber-Vorstellungen und den Beschäftigten. Der Betriebsrat vertritt die Interessen der MitarbeiterInnen. Und der Betriebsrat schaut aufs Ganze und hat die Menschen im Auge. Dabei muss man immer abwägen, dass es Einzelinteressen gibt, die manchmal auch im Konflikt zu Teaminteressen stehen. 

Was sind die aktuellen Herausforderungen?
Die vom Arbeitgeber geplanten Zentralisierungen von Abläufen und die Zerschlagung des Betriebes in Tochterunternehmen.

Gewerkschaft kann …
… dafür sorgen, dass Tarifbewegungen zusammengelegt werden. Sie kann dafür sorgen, dass ein Verständnis dafür entsteht, dass wir ein Betrieb sind. Gewerkschaft soll sich um betriebliche Themen kümmern und nicht um die Elbvertiefung!

Welche Wünsche haben Sie für die Zukunft?
Einen branchenübergreifenden Tarifvertrag – sowohl für die Krankenhausbeschäftigten als auch für die MitarbeiterInnen der Tochterbetriebe.

Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor gerald.hautz@auva.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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