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Symbolbild zum Bericht Konflikte - egal ob mit Vorgesetzten oder KollegInnen - können einem das Leben schwer machen und sind oft Auslöser, dass sich MitarbeiterInnen nach einem neuen Job umsehen.

Gold bei gutem Arbeitsklima

Schwerpunkt

Seit mehr als 15 Jahren misst die AK Oberösterreich das Arbeitsklima. Die neue Website erleichtert die Nutzung der Datenbank und ermöglicht einen raschen Selbsttest.

Geld allein macht viele österreichische ArbeitnehmerInnen nicht glücklich. Zumindest wenn es um die eigene Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz geht, spielen auch andere Faktoren eine wichtige Rolle. Den ersten Platz belegt in den meisten Umfragen das Arbeitsklima, gefolgt von einem erfüllenden Aufgabengebiet und dem Einkommen. Ganz so überraschend ist diese Reihung nicht, denn Konflikte – egal ob mit Vorgesetzten oder KollegInnen – können einem das Leben schwer machen und sind oft Auslöser, dass sich MitarbeiterInnen nach einem neuen Job umsehen.

Unsicherheit
Die AK beschäftigt sich auf verschiedenen Ebenen mit dem Thema Arbeitszufriedenheit, die in den vergangenen Jahren stetig abnimmt. Sichtbar wird das zum Beispiel, wenn man sich die Zufriedenheit der österreichischen Beschäftigten mit ihren Aufstiegs- und Entwicklungschancen ansieht: Vor fünf Jahren – also mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise – waren noch 57 Prozent mit ihren Karrieremöglichkeiten zufrieden. Mittlerweile ist es nicht einmal mehr die Hälfte (48 Prozent). ArbeiterInnen (39 Prozent), MigrantInnen (35 Prozent) und Niedrigqualifizierte (37 Prozent) sind besonders unzufrieden. Und rund jede/r Fünfte in diesen drei Bereichen schätzt seinen/ihren Arbeitsplatz als unsicher ein. Ob Bruttoinlandsprodukt, Verbraucherpreisindex oder Börsenindex: Die wirtschaftliche Entwicklung wird in vielen Kennzahlen gemessen. Was diese Zahlen jedoch nicht erfassen, ist, wie es den direkt Betroffenen, den österreichischen Beschäftigten, geht. Ihre Sicht, ihre Erwartungen und Befürchtungen werden in wirtschaftlichen und sozialpolitischen Diskussionen viel zu wenig berücksichtigt.
Der österreichische Arbeitsklima Index (AI) liefert seit mehr als 15 Jahren diese Daten. Die AK Oberösterreich hat diesen im Jahr 1997 gemeinsam mit dem Institut für empirische Sozialforschung (IFES) und dem Institut for Social Research and Analysis (SORA) entwickelt.
Der Index misst die Arbeitszufriedenheit der ArbeitnehmerInnen in Österreich, sowohl in der privaten Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst. Er untersucht die subjektive Einschätzung der Beschäftigten hinsichtlich Gesellschaft, Betrieb, Arbeit und Erwartungen. Der Index wird zweimal jährlich berechnet, und die Berechnung beruht auf vierteljährlichen Umfragen unter den österreichischen ArbeitnehmerInnen. Ergänzend dazu gibt es Sonderauswertungen.

(Un-)Zufriedenheit in Zahlen
Doch was bedeutet es, wenn der österreichische Arbeitsklima Index 107 Punkte beträgt? Was sagt dieser Wert über die Arbeitszufriedenheit aus? Liegt der eigene Wert unter oder über diesem österreichischen Gesamtwert? Und wie liegt der persönliche AI im Vergleich mit der eigenen sozioökonomischen Gruppe? Auf
www.arbeitsklima.at kann ein Selbsttest durchgeführt werden, alle diese Fragen lassen sich in wenigen Minuten mit zehn einfachen Fragen beantworten, und so kann man die persönliche Arbeitszufriedenheit ausrechnen.
Die Fragen lauten zum Beispiel: Wie zufrieden sind Sie mit den Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten in Ihrem Betrieb? Oder: Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Weiterbildungsmöglichkeiten? Die Antworten können auf einer Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (gar nicht zufrieden) abgegeben werden. Für die Berechnung des eigenen AI wird nicht nur nach Zufriedenheit, sondern auch nach Belastungen, wie etwa Stressfaktoren, gefragt. Die errechnete Zahl zeigt, ob man unter oder über dem Österreich-Wert liegt. Das Ergebnis des Selbsttests ist anonym, die Daten werden nicht gespeichert.

Schlechte Aussichten
Seit 2010 bewegt sich der Arbeitsklima Index zwischen 107 und 108 Punkten. Aktuell ist er gegenüber 2014 um einen Punkt auf 107 gesunken. Der letzte Höhepunkt des AI wurde im Herbst 2007 mit 112 Punkten verzeichnet. Dann ging es bedingt durch die Krise schnell bergab.
Vor allem sind die Teilindizes „Gesellschaft“ und „Erwartungen“ in den letzten Jahren gesunken. Eine echte Erholung des AI ist nicht in Sicht: Die Arbeit wird von immer mehr Menschen als fordernder und anstrengender empfunden. Als Folge nimmt die Belastung durch Stress zu. Die Subdimension „Psychischer Stress“ ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Punkte gestiegen, ebenso die körperlichen Belastungen. 46 Prozent der Beschäftigten geben an, sich durch Zeitdruck sehr bis mittel belastet zu fühlen, ein Jahr zuvor waren es 43 Prozent. Auch die Belastungen durch schlechte Gesundheitsbedingungen am Arbeitsplatz sind um drei Prozentpunkte auf 27 Prozent gestiegen.
Besonders Männer spüren wieder höhere Belastungen durch Stress: Bei männlichen Beschäftigten liegen die psychischen Belastungen um vier Punkte und die physischen Belastungen um 15 Punkte höher als bei weiblichen.

Zufriedenere Führungskräfte
Auf der Homepage des AI finden sich alle aktuellen Ergebnisse und Hintergrundinformationen, etwa zu Themen wie Kinderbetreuung, Gewalt am Arbeitsplatz, Ältere ArbeitnehmerInnen oder auch LeiharbeiterInnen. Ebenfalls online ist der Führungskräfte-Monitor: Er beantwortet die Frage, wie es um die Arbeitszufriedenheit der österreichischen Führungskräfte steht.
Eine erste Auswertung belegt, dass Führungskräfte generell zufriedener in ihrem Job sind als die übrigen ArbeitnehmerInnen. Zwar werden sie im Umgang mit den MitarbeiterInnen gefordert, unter anderem dabei, dass sie harte Entscheidungen treffen müssen und dadurch in persönliche Konflikte geraten. Dennoch kommen sie derzeit auf 112 Punkte im AI, ohne Führungsaufgaben sind es 109 Indexpunkte. Personen in Führungspositionen werden aber auch physisch sehr gefordert. 23 Prozent geben an, pro Woche mehr als 45 Stunden zu arbeiten, weitere 22 Prozent kommen auf mehr als 40 Stunden pro Woche.
Nicht nur die Arbeit wird in Teilbereichen als stressiger und belastender empfunden, auch die Zukunftsaussichten der Beschäftigten werden immer trüber. Laut dem AI haben sich seit dem vergangenen Frühjahr die „Arbeitsmarktchancen“ um drei Punkte verschlechtert. In den letzten fünf Jahren sind sie sogar noch deutlicher zurückgegangen. Bestimmte Anreize für MitarbeiterInnen, eine gute Kommunikation im Unternehmen und ein gutes Arbeitsklima können helfen, die Zufriedenheit zu steigern. Denn wie oft gesagt und vielen bekannt: Unzufriedenheit am Arbeitsplatz führt auch zu geringerer Produktivität.

Neuer Internetauftritt
Vor rund 15 Jahren ging die Arbeitsklima-Index-Homepage online. Seitdem haben sich die Software, aber auch die Bedürfnisse der an den Arbeitsklima-Index-Daten Interessierten, etwa BetriebsrätInnen, JournalistInnen, WissenschafterInnen und Studierende, geändert und weiterentwickelt. Aus diesem Grund wurde die Online-Datenbank neu gestaltet, Ziel waren ein modernes und übersichtliches Design und mehr Auswertungsmöglichkeiten. So bietet die AK Oberösterreich nun Zugang zu rund 70.000 Datensätzen, die halbjährlich aktualisiert werden. Mit personenbezogenen Variablen wie Alter, Geschlecht und Bildung können bestimmte Gruppen unter die Lupe genommen werden.

Analyse und Vergleich
Die unterschiedlichsten Elemente des AI helfen, spezifische Bereiche des Berufslebens zu untersuchen. Über die Definition bestimmter Betrachtungszeiträume bleibt die Übersicht gewahrt.
Die Ergebnisse können als Tabellen oder Grafiken heruntergeladen oder direkt verwendet werden. Somit steht allen Interessierten eine moderne, leicht nutzbare und komplette Online-Datenbank zur Verfügung, die Analysen und Vergleiche über viele Jahre hinweg ermöglicht. Für die Nutzung der Datenbank ist auch keine Anmeldung oder Installation nötig.

Webtipp:
Weitere Infos und Downloads zum Thema finden Sie unter:
www.arbeitsklima.at

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin amela.muratovic@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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