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Sonja Fercher Sonja Fercher, Chefin vom Dienst

Standpunkt | Recht gegen Macht

Meinung

Es war purer Zufall. Denn eigentlich waren wir auf der Suche nach Literatur über die weiterhin bestehende Ungleichbehandlung zwischen ArbeiterInnen und Angestellten. Als wir also die entsprechenden Stichworte in die Datenbank von www.besserewelt.at eingaben, stolperten wir über ein interessantes Buch: „Die Angestellten und die Klassengesellschaft“. Es wirft einen Blick zurück in die Erste Republik und behandelt unter anderem die Frage, wie sich Angestellte organisierten und welche Position sie gegenüber den ArbeiterInnen-Gewerkschaften einnahmen. Vermutlich waren Angestellte schon damals in einer besseren Position, heute sind sie es immer noch. Und doch hat sich die Lage deutlich verändert.

Gedankenexperiment
Ausgehend von diesem Buch lässt sich ein spannendes Gedankenexperiment anstellen, das mit dem Blick in die Vergangenheit mitten in die Gegenwart führt. Heute sind Angestellte eine wichtige Gruppe innerhalb der Gewerkschaft, ArbeiterInnen spielen weiterhin eine wichtige Rolle, doch zugleich sind neue ArbeitnehmerInnen-Gruppen entstanden. Zum Teil gehören sie diesen aus eigener Entscheidung an, zum größeren Teil aber werden sie in diese prekären Verhältnisse gedrängt. 
Der Kern des Arbeitsrechts war, dass es einst sehr bewusst und umsichtig Grenzen gezogen hat, um einen Ausgleich zwischen unterschiedlich starken PartnerInnen zu erreichen. Diese werden bis heute auch zu Recht verteidigt, immerhin sind die PartnerInnen ungleicher denn je zuvor. Die neue Arbeitswelt bzw. vor allem die (inzwischen gar nicht mehr so) neuen Kommunikationsmittel haben es mit sich gebracht, dass man dauernd erreichbar ist. Diese Grenzüberschreitung, die den MitarbeiterInnen allzu billig als Erleichterung verkauft wird (oder die sich immer mehr ArbeitnehmerInnen allzu billig als solche abkaufen lassen), lässt sich kaum noch rückgängig machen.

Vielleicht ist die allzu strenge Abgrenzung von Arbeit und Beruf auch kontraproduktiv, weil auch sie wieder Stress erzeugen kann? Vielleicht ist es für die Einzelnen tatsächlich besser, nicht mehr stur „9 to 5“ arbeiten zu müssen, sondern dann, wenn es etwas zu tun gibt? Vielleicht ist es in der Tat ein Gewinn an Lebensqualität, wenn sich die ArbeitnehmerInnen selbst aussuchen können, ob sie ihre Aufgaben im Büro oder im Kaffeehaus erledigen?
So und ähnlich lauten nur einzelne Vorteile, die von den Betroffenen selbst gerne angeführt werden. In der Tat haben sie auch einiges für sich. Zugleich kann man ihnen auch einiges entgegenhalten: In welchen Angestellten-Verhältnissen hat man denn noch den Luxus, nur Zeit abzusitzen? Welcher Gewinn ist es, wenn man zusätzlich zur stressigen Arbeit im Büro auch noch in der Freizeit immer wieder an die Arbeit geholt wird? Und wie lässt sich ein Gegengewicht schaffen, wenn Arbeitgeber über alle Grenzen hinausschießen?

Übers Ziel hinaus
Wie sehr Arbeitgeber übers Ziel hinausschießen und wie hässlich die neue Arbeitswelt in der Realität ist, zeigen wir in dieser Ausgabe. Angefangen von der bereits angesprochenen, weiterhin bestehenden Ungleichbehandlung von ArbeiterInnen und Angestellten über die Versuche, Angestelltenverhältnisse zu durchlöchern, bis hin zur puren Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen, die auch in Österreich leider passiert: Mit all diesen Herausforderungen sind Gewerkschaften und Arbeiterkammer im Alltag konfrontiert.
Sie belegen vor allem, wie wichtig es weiterhin ist, mit dem Arbeitsrecht Hebel zu haben, um die ungleiche Machtverteilung zwischen Arbeitgebern und ArbeitnehmerInnen zumindest ein bisschen auszugleichen. Allerdings ist dieser Hebel vielleicht an der einen oder anderen, vielleicht sogar an vielen Stellen verbesserungswürdig.

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