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Kerntragweiber in Hallstatt um 1885 "Kerntragweiber" in Hallstatt um 1885. Die meisten Arbeiterfrauen im "Kammergut" verdingten sich damals damit, das rohe Kernsalz vom Berg zum Magazin auf der Seelände zu schleppen. Ihr Beitrag zum Familieneinkommen war unverzichtbar.

Wohlfeilheit und freies Leben

Historie

Der "Bauernphilosoph" Konrad Deubler kämpfte für Arbeiterrechte und half 1868 bei der Gründung des Arbeiter-Konsumvereins in Goisern.

Zwischen 1848 und 1867 herrschte in Österreich eine absolute Kaiserdiktatur, die jede Opposition brutal niederhielt. Im Salzkammergut, das als ärarischer Besitz der kaiserlichen Verwaltung direkt unterstand, hatten es RegimegegnerInnen besonders schwer. 1853 hob die Polizei in Goisern einen republikanisch gesinnten Freundeskreis um den Gastwirt und Bäckereiinhaber  Konrad Deubler aus. Der „Haupträdelsführer“ Deubler wurde 1854 nach Iglau/Jihlava gebracht und dort zu zwei Jahren schweren Kerkers nach Brünn abgeurteilt. Der Spielberg/Špielberk, die Festung über Brünn/Brno, galt mit Recht als das brutalste Gefängnis der Monarchie. Auf die zwei Jahre Kerker folgten noch vier Jahre Internierung  in Olmütz/Olomouc. Die Anklageschrift formulierte, worin der Hochverrat des Verurteilten bestanden hatte:

Hervorhebung des Notstandes der Arbeiter und des Luxus des Hofes, das Drückende der Steuern, der vielen Soldaten, Anpreisung der nordamerikanischen Republik, der Wohlfeilheit der dortigen Regierung und Lebensmittel, des freien Lebens, des leichteren und größeren Verdienstes der Arbeiter. Sein Haus ist der Versammlungsort der Unzufriedenen.

Der Sohn eines Salzbergmanns, gelernte Müller und Gastwirt war nicht irgendwer. Er hatte sich im Selbststudium großes Wissen angeeignet und genoss unter den linken Intellektuellen einiges Ansehen, er korrespondierte etwa mit Karl Marx und dem Philosophen Ludwig Feuerbach. Das harte Urteil sollte wohl auch signalisieren, dass radikale sozialistische Ideen in Österreich keine Chance hätten. Aber Konrad Deubler ließ sich nicht brechen: Sobald die Diktatur ein wenig gelockert wurde, half er den Salinen- und Forstarbeiterinnen und -arbeitern bei der Gründung ihres Arbeitervereins. Die Gründungsversammlung beschloss auch die Errichtung eines mit dem Arbeiterverein verbundenen Konsumvereins.

Der Konsumverein machte sich 1869 selbstständig und er wurde unverzichtbar, als den Arbeiterinnen und Arbeitern wenige Jahre später ihre Korn- und Schmalzdeputate gestrichen wurden – zugunsten einer minimalen Lohnerhöhung, die den Verlust nie ausgleichen konnte. Der Verein errichtete eine Bäckerei und eine Fleischerei, kaufte drei Mühlen und stellte so die Versorgung der ArbeiterInnen sicher. Ab 1875 versorgte er auch Obertraun, ab 1912 Traunkirchen und ab 1927 St. Wolfgang. Unter der austrofaschistischen Diktatur wurde seine Tätigkeit stark eingeschränkt, die NS-Herrschaft löste die Konsumvereine 1943 ganz auf. In der Zweiten Republik entstand aus dem Ortsverein die Konsumgenossenschaft Salzkammergut. Den Zusammenschluss zum „Konsum Österreich“ machte die Salzkammergut-Genossenschaft nicht mit. Als eigenständiges Unternehmen überlebte sie dessen Ende 1995 noch um 16 Jahre.

Konrad Deubler starb 1884. In seinem Testament stiftete er ein Kapital von 3.000 Gulden, deren Zinsen zur Ausgabe von Suppen an solche armen Schulkinder verwandt werden sollen, die täglich einen weiten Weg haben.

Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at

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