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Katharina Klee Katharina Klee, Chefredakteurin

Standpunkt | Spare in der Zeit ...

Meinung

Ich gehöre zur Generation Sparefroh. Sparsamkeit gehört zu den Werten, die mir von klein auf vermittelt worden sind. Früh hatte ich ein Sparschwein und der Weltspartag hatte seinen fixen Platz im alljährlichen Feiertagsreigen – auch wegen der schönen Geschenke. Zu wichtigen Anlässen bekam man manchmal Sparbücher und Bausparverträge, man sparte auf einen Urlaub, ein Moped, ein Auto.

Sparen hieß aber damals auch Nachhaltigkeit – Kinderkleidung wurde in der Familie weitergegeben, aus Waschmittelverpackungen wurden Papierkörbe gebastelt, ein Zeichenpapier wurde zweiseitig genutzt und meine Mutter konnte aus Restln wahre Festmähler komponieren. Nicht zu sparen wäre ihr wie Frevel vorgekommen. In ihren – aber auch in meinen – Schubladen findet man Gummiringerl, gebrauchtes und wieder zusammengelegtes Geschenkpapier und -bänder und vieles andere, was noch gut zu gebrauchen ist.

Damals – genauer in den Jahren 1968 bis 1975 – machten Psychologen das berühmte Marshmallow-Experiment. Vierjährigen Kindern wurde eine Süßigkeit angeboten – schafften sie es, ihre Naschlust ein wenig zurückzustellen und zu warten, bekamen sie eine zweite dazu. Diejenigen Kinder, denen diese Impulskontrolle damals gelungen ist, erwiesen sich im späteren Leben als erfolgreicher.

Und doch werde ich den Verdacht nicht los, dass manche dieser Kinder mittlerweile feststellen mussten, dass ihnen heute oft beide Marshmallows wieder weggenommen werden, dass andere ihre Impulse auch deswegen besser kontrollieren können, weil sie wissen, dass sie über größere, riesige Süßigkeitenvorräte verfügen.

Sparen kann man von den Reichen lernen, besagt ein Sprichwort – die brauchen den Gürtel aber auch nicht enger zu schnallen: Sie haben Hosenträger. Ersparen können wir uns aber doch einiges: Nämlich dann, wenn wir uns rechtzeitig organisieren und gemeinsam gegen Ungerechtigkeit auftreten. Und indem wir immer wieder die Gelegenheit zur Wahl wahrnehmen und an der richtigen Stelle unsere Kreuzerl machen. Das bringt Zinsen – z. B. am 25. Mai bei der Europawahl.  

In eigener Sache

Liebe LeserInnen,

sechs Jahre lang durfte ich die „Arbeit& Wirtschaft“ leiten. Es war eine sehr gute Zeit, dank all der Menschen, die hinter dieser Zeitschrift stehen. Fachleute aus ÖGB und AK legen hier seit 1923 den „Standpunkt der Arbeit zur Neuregelung der Wirtschaft“ dar. Ich persönlich konnte von so viel Wissen profitieren und Interviews mit so interessanten Männern und Frauen führen. Ich freue mich, dass ich bei vielen Veranstaltungen immer wieder Gelegenheit hatte, Kolleginnen und Kollegen, LeserInnen, persönlich kennenzulernen. Danke dem Redaktionskomitee aus ÖGB und AK – unschätzbar sind die spannenden Diskussionen, die hier stattgefunden haben.

Der meiste Dank gebührt aber dem Team: Ohne Redaktionsassistentin Sonja Adler läuft nichts. Die Layouter Dietmar Kreutzberger und Walter Schauer beweisen unter Druck vor dem Druck Nerven. Fotograf Paul Sturm war für die spezielle Bildsprache und die wundervollen Cover verantwortlich. Sie alle werden die „A&W“ auch in Zukunft prägen.

Das Leben erspart einem wenig, und schon gar nicht Abschiede.

Der „Arbeit&Wirtschaft“ wünsche ich mindestens noch 90 Jahre, unterstützt von den neuen Medien wie dem formidablen Blog, der Facebook-Seite und Twitter. Ich bleibe Fan.

Ein herzliches Glück auf!
Katharina Klee

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