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Titelseite des Grundsatzprogramms der "Socialist League" Die Titelseite des Grundsatzprogramms der "Socialist League" von 1885 mit dem Aufruf "Verbreitet die Idee einer sozial gerechten Gesellschaft - Organisiert euch!" Der Österreicher Andreas Scheu war an der Beschlussfassung maßgeblich beteiligt.

Europäisch durchwachsen

Historie

Die Arbeiterbewegung als Opposition gegen soziales Unrecht und politische Willkür formte sich im übernationalen Austausch.

Im Jahr 2014 besteht die europäische Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung aus Organisationen mit höchst unterschiedlichen Traditionen und Strategien. Aber die Tatsache, dass es sie überhaupt gibt, ist durch enge wechselseitige Einflüsse über Staatsgrenzen hinweg begründet. Handwerksgesellen wanderten noch vor 140 Jahren auf Arbeitssuche durch halb Europa, kamen dabei oft mit der Arbeiterbewegung in Berührung und trugen deren Ideen weiter – wie zum Beispiel Emil Kralik.

Kralik, einer der Pioniere der österreichischen Buchdruckergewerkschaft und später sozialdemokratischer Journalist, begann 1881 seine Wanderung. Sie führte ihn zunächst durch Italien, die Schweiz und Frankreich bis nach Paris, wo er zwei Jahre lang arbeitete. Nach seinem Militärdienst ging er nach Kopenhagen und arbeitete in einer sozialdemokratischen Druckerei. 

Gesellen, die sich den jungen sozialdemokratischen Vereinen angeschlossen hatten und deshalb in der Habsburgermonarchie und in Deutschland verfolgt wurden, transportierten ebenfalls Ideen und Verbindungen über den Kontinent. Manche blieben für immer oder zumindest für lange Zeit weg, hielten aber oft noch Kontakt mit der alten Heimat, wie Johann Most und Andreas Scheu.

Der Augsburger Buchbindergeselle Johann Most zog ab 1863 auf der Walz durch Deutschland, Ungarn und die Schweiz und kam dabei mit der Arbeiterbewegung in Kontakt. In Wien organisierten er, der Ver-golder Andreas Scheu und andere 1869 die große und erfolgreiche Demonstration für Koalitionsfreiheit.

Als „Rädelsführer“ verurteilt, wurden die Organisatoren zwar bald amnestiert, aber Most schob man nach Deutschland ab, das ihn dann ebenfalls vertrieb. Er ging nach London, gab dort ab 1879 die Zeitung „Freiheit“ heraus und wendete sich schließlich dem Anarchismus zu. Scheu floh nach einer neuerlichen Verhaftung in Prag ebenfalls nach England.

Er schrieb dort für die damals noch nicht anarchistische „Freiheit“, die illegal in das Habsburgerreich eingeschmuggelt wurde. Als Mitbegründer der „Socialist  League“ seines Freundes, des Malers und Designers William Morris, zählt er zu den Pionieren der Labour Party.

Franz Domes, Vorsitzender des Metallarbeiterverbands und der Gewerkschaftskommission und erster Arbeiterkammerpräsident in Wien, durchquerte Europa ebenfalls auf der Flucht vor Verfolgung, bevor er die Wiener MetallarbeiterInnen organisierte:

Die große Sozialistenverfolgung trieb mich … ins Ausland, ich ging auf Wanderschaft und bereiste als Handwerksbursche Oberösterreich, Salzburg, Bayern, die Schweiz, kam bis Paris, … ging nach Norditalien, Mailand und Venedig. Auch dort konnte ich Arbeit nicht finden, ging über Südtirol wieder nach Triest, Kroatien, Ungarn, Mähren, Böhmen bis Warschau, wo ich Arbeit fand. … Von dort aus ging die Reise nach Preußen und Sachsen, nach fast 18-monatiger Wanderschaft kam ich wieder nach Wien.

Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at 

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