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Symbolbild zum Bericht: Ein Viertel ist nicht genug! Lag der Frauenanteil 2011 nur bei vier von 35 Spielfilmen, stieg er bei den Spielfilmen 2012 auf 27,3 Prozent, bei Dokumentarfilmen auf 24,1 Prozent.

Ein Viertel ist nicht genug!

Schwerpunkt

Nur bei 25 Prozent der österreichischen Filmproduktion führen Frauen Regie - obwohl 50 Prozent Frauen im Publikum sitzen.

Männer machen Filme. Frauen machen Frauenfilme. So denkt man in Österreich noch. Ein Befund in Anekdoten: Regisseurinnen, die ständig nach ihrem weiblichen Zugang gefragt werden.
Das Filmfestival, das eine Nebenschiene „Five Women“ nennt (das Hauptprogramm natürlich nicht „70 Men“). Die Kamerafrau, die gefragt wird, ob ihr die Kamera nicht zu schwer ist („mein Kind ist schwerer!“). Alteingesessene Produzenten, die erklären, Frauen könnten keine Spielfilme drehen, allenfalls Dokus über Themen, die ihnen emotional liegen.
Frauen, die sich ihr Mentoring im Ausland suchen, weil sie es im Inland nicht finden. Arbeit, die von Frauen geleistet wird, Podien und Nachspanne, auf denen sie nicht zu finden sind. Männliche Kollegen, die höhere Gagen bekommen.
Frauen, die während des Studiums in ihrem Fach keine einzige Lehrende zu Gesicht bekamen. Sie alle sind keine Einzelfälle.

Traditionelle Rollenverteilung

Waren 2011 nur bei vier von 35 Spielfilmen von Frauen (11,4 Prozent), stieg der Anteil 2012 bei den Spielfilmen 2012 auf 27,3 Prozent, bei Dokumentarfilmen blieb er mit 2,1 Prozent in etwa gleich.  Es gilt: Je größer, sprich teurer die Produktion, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau Produzentin ist, Regie führt oder das Drehbuch geschrieben hat.

Alle 14 im Filmbericht gelisteten Filmverleihe werden von Männern geleitet. In der zweiten Reihe – also im Bereich Presse und Marketing – ist der Frauenanteil hoch. Bei den zwei Produktionsverbänden in Österreich gestaltet sich das Geschlechterverhältnis unterschiedlich: Bei den 20 Mitgliederfirmen von „Film Austria“ sind insgesamt vier Frauen in Führungspositionen tätig, nur eine davon ist auf der Firmenhomepage auch als Produzentin gelistet.

Pionierinnen wären wichtig

Traditionell ist dieser Verband besser im gut budgetierten Spielfilmbereich von über drei Mio. Euro vertreten als die Mitglieder der „association of austrian film producers“, bei dem vor allem die jüngere Generation vertreten ist. Hier sind von 41 Mitgliederfirmen immerhin bei 16 Frauen in der Geschäftsführung oder als Produzentin tätig.

Frauen im österreichischen Film arbeiten in der Produktion zumeist im niedrig budgetierten Bereich, im höher budgetierten allenfalls in der Regie, auch hier gibt es nur eine kleine Zahl an Vorreiterinnen.
Dabei wären Frauen im Produktionsbereich als Pionierinnen wichtig, hier sind Geld (Budget) und somit Macht konzentriert. Die Produktionsassistenz und auch die Produktionsleitung sind hingegen oft in weiblicher Hand – die gläserne Decke ist in der Branche allgegenwärtig.

Die Zahlen bei den Absolventinnen und Absolventen der österreichischen Filmakademie sprechen eine andere Sprache: Seit 2005 sind von 107 Absolventinnen und Absolventen 51 Frauen (im Fach Drehbuch 11 von 20, Produktion 13 von 22, Regie 10 von 25). Das ändert allerdings an den Unistrukturen wenig: Nur eine der sieben Professuren (keine künstlerisches Fach) ist mit einer Frau besetzt, sie sind vor allem im Mittelbau zu finden.

Auch sobald es um die Filmförderung geht, sind die Männer am Zug – und das liegt interessanterweise nicht an den Einreichungen oder den Jury-Entscheidungen.

„Bei den Einreichungen in der Sparte Regie lag der Frauenanteil 2013 bei 26 Prozent, bei den genehmigten Projekten bei 27 Prozent (2012: 36 und 35 Prozent, wie „Die Presse“ berichtete. Zwischen Studium und Beruf verschwinden die Frauen, sei es durch fehlende Vorbilder, fehlende Vernetzung und veraltete Strukturen.

Vereinbarkeitsfrage

Gern propagiert wird auch, dass es unmöglich ist, einen Filmberuf mit Kindern zu vereinbaren. Die Probleme werden individualisiert und nicht als struktureller Nachteil erkannt. Insgesamt ist die kleine österreichische Filmbranche hoch kompetitiv – wenn Frauen aufgrund fehlender Strukturen diese Selektion nicht bestehen, wird das als natürliche Selektion einer harten Branche missinterpretiert.

Um eine strukturelle Verbesserung kümmert sich der Verband „FC Gloria Frauen Vernetzung Film“: Man unterstützt weibliche Filmschaffende aktiv, bietet eine Datenbank von Fachfrauen sowie ein Mentoring-Programm. Europaweit agiert EWA, das „european women’s audivisual network“.

Hollywood, Cannes und der ganze Rest

Auch die Zahlen aus Hollywood sind erschreckend. Kathryn Bigelow war (seit 1929!) die erste Frau, die mit „The Hurt Locker“ einen Oscar für die „Beste Regie“ gewann.

Auch in Cannes, Venedig und Berlin räumen bei den Preisen so gut wie nie Frauen ab (auch hier herrscht der Mythos von der natürlichen Selektion). Die New York Film Academy zählte bei den Top-250-Filmen 2013 ein Geschlechterverhältnis von 6:1 in der Branche, 2012 waren nur neun Pro-zent der Filme von Filmemacherinnen, 15 Prozent hatten Drehbuchautorinnen.

Wenn gewitzelt wird, dass Frauen doch keine eigenen Filmfestivals brauchen, weil es die für Männer auch nicht gibt, entspricht das nicht den Tatsachen: Die meisten bedeutenden Filmfestivals sind fest in männlicher Hand.

In Österreich ist die Situation besser: Das Crossing Europe Filmfestival liegt mit einem Frauenanteil von im Schnitt 40–50 Prozent vor der Diagonale (heuer in etwa 57 Prozent Män-ner, 43 Prozent Frauen), Schlusslicht ist die Viennale mit einem Verhältnis von 75,5 Prozent zu 24,3 Prozent (ohne die Berücksichtigung der Retrospektiven).

Frauen sind Mainstream!

Cate Blanchett widmete ihren Oscar als Beste Darstellerin heuer „jenen in der Branche, die noch immer der einfältigen Ansicht sind, Filme über Frauen seien eine Randerscheinung. Das sind sie nicht. Es gibt ein Publikum, das sie sehen will. Sie spielen Geld ein. Die Erde ist eine Kugel, Leute!“
Der Verzicht auf weibliche Filmstoffe ist bei 50 Prozent Kinobesucherinnen eine dumme Geschäftsentscheidung – wichtige Ergebnisse liefert hier die Untersuchung des British Film Institute („BFI report on female writers and directors of UK film“): Bei den wirtschaftlich erfolgreichsten Independent-Produktionen stieg der Anteil von Drehbuchautorinnen um fast das Doppelte.
KinogeherInnen bevorzugen – wer hätte das gedacht! – offenbar eine ausgewogene Sicht auf die Welt.

1 Alle Zahlen entstammen dem Filmwirtschaftsbericht Österreich 2013, ab 2004 abrufbar. tinyurl.com/poc6hjl

2 Exemplarisch aufgeschlüsselt werden die Top 100 deutschen Kinofilme 2013 hier: „Kein Jahr für Regisseurinnen“ tinyurl.com/nfvqolg, für Österreich gibt es keine offiziellen Zahlen.

Info&News
Die Filmwirtschaft in Österreich:
… hatte 2011 Umsätze in Höhe von 834,1 Mio. Euro und beschäftigt rund 7.000 MitarbeiterInnen, davon 4.835 unselbständig Beschäftigte. In Summe sind es 2.205 Unternehmen, die ihren Schwerpunkt in der Filmwirtschaft angeben. Zwei Drittel davon sind Produktionsunternehmen im Bereich Kino- und TV-Film. Die Filmwirtschaft hat 0,12 Prozent der Gesamtumsätze, allerdings 0,25 Prozent der Beschäftigten und 0,71 Prozent der Unternehmen.

Links&Termine
www.fc-gloria.at
www.ewawomen.com
tinyurl.com/6jdrcns
Gegründet von Melissa Silverstein, (@melsil auf Twitter)
www.frauenfilmtage.at
Von 6. bis 13. März in Wien und den Bundesländern
www.trickywomen.at
International Animation Filmfestival. 12.–16. März

Über „New Strategies of Empowerment“ sprechen Vertreterinnen von FC Gloria mit Bloggerin und Autorin Melissa Silverstein.
14. März 2014, 16 Uhr, Haydn Kino, Eintritt frei.
Beim
Crossing Europe Film Festival findet ein Gespräch zum Thema „Women in Film Business and Gender Equality in Europe“ statt.
27. April 2014, 16 Uhr, OK | Mediendeck, 4020 Linz, Eintritt frei.

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin julia.puehringer@tele.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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