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Symbolbild zum Bericht: Mama kommt heut später Die unzureichende Bedarfsdeckung in den Schulferien zwingt Eltern dazu, sich Urlaubstage zur Überbrückung von Betreuungslücken zu nehmen.

Mama kommt heut später

Schwerpunkt

Über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im betrieblichen Alltag aus der Sicht berufstätiger Eltern. Eine aktuelle Studie beweist: Mit Betriebsrat geht es besser.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist nach wie vor eine wesentliche gesellschafts- und gleichstellungspolitische Herausforderung, die trotz Trend in Richtung aktive Vaterschaft und Papamonat noch immer vorwiegend Frauen betrifft. In einer nun vorliegenden Studie von L&R Sozialforschung im Auftrag der AK wird erstmalig die gelebte Praxis auf betrieblicher Ebene untersucht und in Beziehung mit der intrapartnerschaftlichen Einkommens- und Arbeitsteilung gesetzt.

Große Unterschiede

Der deutliche Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Erwerbsintegration und der Einkommenssituation ist bekannt. Auch in dieser Studie zeigt sich, dass das Eineinhalb-Verdiener-Modell in Haushalten, in denen beide Elternteile arbeiten, die Norm ist: Bei 70 Prozent dieser erwerbstätigen Paare ist dies der Fall, wobei in der Regel die Frau in Teilzeit beschäftigt ist, während der Mann eine Vollzeit-Tätigkeit ausübt. Bei näherer Betrachtung der Arbeitszeiten wird die Kluft zwischen den Geschlechtern noch größer: Bei Müttern sind Teilzeit-Modelle mit weniger als 20 Stunden wöchentlich dominierend, bei Vätern überlange Arbeitszeiten durch regelmäßige Überstundenleistung, besonders stark bei jenen, deren Partnerin nicht erwerbstätig ist. Das verstärkt die bestehenden Einkommensunterschiede zusätzlich: Fast die Hälfte der befragten Frauen gab an, nicht mehr als 1.300 Euro monatlich zu verdienen, während dies auf lediglich vier Prozent der befragten Männer zutraf. Die Unterschiede sind jedoch nicht ausschließlich durch die Teilzeit verursacht, denn auch acht Prozent der vollzeitbeschäftigten Frauen müssen mit diesem niedrigen Verdienst das Auslangen finden.

Das wiederum hat weitreichende Auswirkungen auf die Aufteilung von Betreuungs- und Erwerbsarbeit zwischen Männern und Frauen in der Partnerschaft aber auch weitreichende sozialpolitische Auswirkungen, insbesondere in Bezug auf die Pensionen. Daher braucht es eine Umgestaltung der Anreizsysteme, um partnerschaftliche Modelle attraktiv und lebbar zu machen.

Betriebliche Rahmenbedingungen haben starken Einfluss auf die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuungspflichten. Erstmals wurden in dieser Studie diese bewusst für Frauen und Männer mit Kindern bis 12 Jahre unter die Lupe genommen. Vereinbarkeit ist für beide Eltern eine Herausforderung, auch wenn in den meisten Fällen noch immer die Frauen den Großteil der Verantwortung dafür tragen. Wesentlich ist, inwieweit berufstätige Eltern ihre Arbeitszeiten auf das Familienleben abstimmen können. Hier gibt es den größten Handlungsbedarf. Weniger als die Hälfte der befragten Eltern stuft die Familienfreundlichkeit der Arbeitszeitpolitik als sehr zufriedenstellend ein. Vor allem sollte die Überstundenunkultur, die Männer sehr stark betrifft, angegangen werden. Instrumente wie die Elternteilzeit, die den ArbeitnehmerInnen Gestaltungsspielräume bei der Arbeitszeit ermöglichen, sollten ausgebaut werden, indem der Rechtsanspruch auf Elternteilzeit auch in Kleinbetrieben gelten soll. Sehr positiv sehen die Befragten die Möglichkeit, Beginn und Ende des Arbeitstages flexibel gestalten zu können. So können sie jederzeit kurzfristig auf Kinderbetreuungspflichten reagieren. Die Hälfte gibt an, diese Möglichkeit zu haben, allerdings mit großen Unterschieden je nach Branche und Betriebsgröße.

Betriebliche Fördermaßnahmen

Abgefragt wurden auch konkrete betriebliche Fördermaßnahmen, wie Betriebskindergärten, finanzielle Hilfen oder Angebote des Betriebsrats. Solche Maßnahmen gibt es häufiger in Betrieben mit Betriebsrat sowie in Großbetrieben mit über 500 Beschäftigten. Da verstärkt Männer in diesen Betrieben arbeiten ist es nicht weiter verwunderlich, dass jeder vierte vollzeitbeschäftigte Mann (96 Prozent der befragten Männer arbeiten in Vollzeit) angibt, in einem Betrieb mit diesen Förderangeboten zu arbeiten, aber nur jede sechste teilzeitbeschäftigte Frau (62 Prozent der befragten Frauen arbeiten in Teilzeit). Vor dem Hintergrund, dass Frauen den Großteil der Betreuungsarbeit leisten, ist die Tatsache, dass Männer betriebliche Fördermaßnahmen in größerem Ausmaß nutzen können, ein doch bemerkenswertes Ergebnis.

Nicht unwesentlich ist, dass betriebliche Fördermaßnahmen – wie sich weiters in der Studie zeigt – eine vereinbarkeitsfreundliche Betriebs- und Organisationskultur positiv beeinflussen, zum Beispiel in Form einer familienfreundlichen Arbeitszeit- und Urlaubspolitik oder eines kollegialen Klimas.

Ganztagsbetreuung

In der Studie wurde auch die Organisation der Kinderbetreuung erhoben. Diese setzt sich in den meisten Fällen aus privaten (Betreuung durch den/die PartnerIn, Verwandte, Bekannte sowie Tagesmutter und Au-pair) und institutionellen Arrangements zusammen (Kindergärten, schulische Nachmittagsbetreuung, Ganztagsschule). In den Ergebnissen widerspiegelt sich sowohl das sehr geringe Angebot an Ganztagsbetreuungsplätzen – nur acht Prozent der Befragten haben eine Ganztagsbetreuung für ihr Kind – als auch der große Bedarf danach. Denn mehr als jede dritte erwerbstätige Person, die Kinder zwischen 0 und 12 Jahren hat, wünscht sich explizit ein ganztägiges Betreuungsangebot.

In den Ferienzeiten verlagert sich die Betreuungsorganisation noch deutlich stärker in den privaten Bereich, weil viele Einrichtungen geschlossen sind. Die unzureichende Bedarfsdeckung in den Zeiten der Schulferien zwingt Eltern dazu, sich Urlaubstage zur Überbrückung von Betreuungslücken zu nehmen.

AlleinerzieherInnen

In der Studie fielen Alleinerzieherinnen1 quer über alle untersuchten Themengebiete als eine Gruppe auf, die den größten Bedarf an mehr Unterstützung hat. Sie arbeiten öfter Vollzeit, können aber weniger bis gar nicht auf einen Partner zurückgreifen, der Betreuungsaufgaben übernehmen kann. Gleichzeitig sind sie mit den ungünstigsten Rahmenbedingungen konfrontiert. Sie können viel weniger auf kurzfristige Kinderbetreuungspflichten reagieren, sind weniger flexibel in der Arbeitszeitgestaltung und wünschen sich zu einem deutlich höheren Anteil als berufstätige Eltern in Partnerschaften eine Ganztagsbetreuungsmöglichkeit für ihr Kind. Insbesondere für diese Gruppe wären betriebliche und institutionelle Lösungsansätze besonders wichtig.

Die derzeitigen Rahmenbedingungen haben nicht nur Auswirkungen auf die Aushandlungsprozesse auf Elternebene, sondern beeinflussen auch die Verhandlungssituation mit dem/der ArbeitgeberIn. Um die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuungspflichten vor allem für Frauen zu verbessern, muss an verschiedenen Punkten angesetzt werden. Einerseits muss ein hochwertiges und flächendeckendes Angebot an sozialer Infrastruktur geschaffen werden, das Vollzeitarbeit ermöglicht.

Um die Verteilung der Arbeitszeit zwischen Müttern und Vätern egalitärer zu gestalten, muss auch die Väterbeteiligung an der Betreuungsarbeit gefördert werden, beispielsweise durch gesetzliche Anreize wie in Schweden. Hier bekommen Eltern, die die Elternzeit gleichwertig untereinander aufteilen, einen „Gleichstellungsbonus“ zusätzlich zum Elterngeld. Aber auch auf betrieblicher Ebene gibt es Möglichkeiten, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer besser zu gestalten. So sollte die Väterbeteiligung an der Betreuungsarbeit stärker gefördert werden („Papamonat“, Väterkarenz, Elternteilzeit) und familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle mit besseren Gestaltungsspielräumen für ArbeitnehmerInnen existenzsichernde Beschäftigung und Zeit für die Kinder für beide Elternteile ermöglichen.

1 In der Studie wurde nur die Gruppe der Alleinerzieherinnen betrachtet, da Männer mit Kindern fast ausschließlich in partnerschaftlichen Kontexten leben.

Webtipp: studie der Arbeiterkammer zur Vereinbarkeit: tinyurl.com/qf7kpxv

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorinnen gerlinde.hauer@akwien.at charlotte.reiff@akwien.at oder die Redaktion aw@oegb.at               

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