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Maria Krasas Maria Krasas

Mit 19 gegen die Männerbastion

Historie

1893 ergriff Maria Krasa das Wort, als die Männer beim ersten Gewerkschaftskongress schon fast auf ihre Kolleginnen vergessen hatten.

In der Wohnung ihres Vaters, eines Schusters, trafen sich in den 1880er-Jahren Aktivisten der damals verbotenen und in den Untergrund gedrängten frühen Arbeiterbewegung.

Maria und ihre Schwester Minna, die später die Buchbinderinnen organisieren sollte, waren dabei. Im Arbeiterinnen-Bildungsverein und im Wahlverein (Parteien im modernen Sinn waren nicht erlaubt) erhielt die junge Textilarbeiterin ihre Schulung als Agitatorin. Und mit 19 Jahren schickte sie der Arbeiterinnen-Bildungsverein als Sprecherin für die Frauen in den Weihnachtsfeiertagen 1893 zum ersten Gewerkschaftskongress. Die männlichen Delegierten, die sie belächelten und von denen viele sie nicht für voll nahmen, konfrontierte sie mit Schein und Wirklichkeit der behaupteten Gleichberechtigung der Frauen in den Gewerkschaftsvereinen:

Aus der Statistik ersehen wir, dass es Branchen gibt, wo hauptsächlich Frauen sind, und dass die Vereine nicht einmal Frauen aufnehmen, während solche, die sie aufnehmen, keine weiblichen Mitglieder haben. Wir ersehen zum Beispiel, dass der Verein der Schneider und Schneiderinnen in Bozen und Innsbruck kein weibliches Mitglied besitzt, sich aber doch Verein der Schneider und Schneiderinnen nennt. Bei den Schuhmachern sind ebenfalls sehr viele Frauen beschäftigt, bei den Eisen- und Metallarbeitern ebenfalls ... Das sind lauter Gewerkschaften, die keine weiblichen Mitglieder zählen. Die Genossen machen immer die Einwendung, ja, wenn die Frauen kommen werden, werden wir sie aufnehmen.  Ich will keine lange Agitationsrede halten. Sie wissen ganz gut, dass es verschiedene Gewerbe gibt, wo die Frau an Stelle des Mannes um bedeutend niedrigeren Lohn arbeitet, wo wir also … um so mehr trachten müssen, die Frauen in die Organisation einzubeziehen. 

Würden wir … alle ein Hauptgewicht darauf legen, die weiblichen Arbeiter zu organisieren, so wäre es möglich. In den Debatten wurde dies bisher nur als Nebenzweck besprochen. 

Es genügt nicht, dass wir nur politisch bedacht sind, eine gesunde, kräftige Frauenbewegung zu haben … Damit dass wir sagen, wir haben so viele gewerkschaftlich gut organisierte Genossen, damit ist nicht gedient.

Wir müssen auch auf die Arbeiterinnen hinweisen. Ebenso wie wir im politischen Kampfe sagen, die Männer werden nie etwas erreichen, wenn die Frauen nicht dabei sind, so ist es auch im gewerkschaftlichen Kampfe: die Männer allein werden nie gewerkschaftlich etwas erreichen.

Kurz nach dem ersten Gewerkschaftskongress wurde Maria Krasa Herausgeberin der Arbeiterinnen-Zeitung und behielt diese Funktion bis 1900. Sie zog sich dann aus der „großen Politik“ zurück, heiratete und bekam acht Kinder, von denen fünf überlebten.

Bis zu ihrem Tod 1911 setzte sie sich aber für die gewerkschaftliche Organisation der Heimarbeiterinnen ein. Sie starb an der „Proletarierkrankheit“ Lungentuberkulose.

Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at

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