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Katharina Klee Katharina Klee, Chefredakteurin

Standpunkt | Alles Rosen, oder was?

Meinung

Internationaler Frauentag: Sympathische Geste mit Tradition – Wir lieben Floristik“ – Facebook meint, das könnte mir gefallen an diesem 8. März 2014. Oh ja, das stimmt schon. Eine sympathische Geste ist es, dass wir Frauen an diesem einen Tag in allen Medien gefeiert werden. Die Tiroler Tageszeitung widmet uns z. B. gleich vier rosa unterlegte Seiten. „Von Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt“, lese ich. Und dass in Tiroler Gemeinderäten nur 16 Prozent Frauen sitzen. Im Österreichschnitt schaut das nicht viel besser aus: Nur etwa ein Fünftel beträgt der Frauenanteil. Noch trauriger schaut es – wie auch in der Privatwirtschaft – in den Führungsgremien aus. Nur 132 der 2.353 Gemeinden in Österreich – ohne Wien – haben eine Bürgermeisterin. Ich fürchte, das macht das seit 2009 in der Verfassung verankerte Gender Budgeting noch ein wenig schwieriger. Und die Geste mehr zur Geste.

Seit mehr als 100 Jahren

Auch das mit der Tradition hat was. Seit über 100 Jahren, seit dem 19. März 1911, gibt es einen Frauentag: Für das Wahlrecht gingen damals die Frauen auf die Straße – und Männer mit ihnen. 20.000 Menschen versammelten sich damals auf der Wiener Ringstraße. Während der NS-Zeit wurde der Frauentag durch den Muttertag ersetzt. Im internationalen Jahr der Frau 1975 richteten die Vereinten Nationen erstmals am 8. März eine Feier aus. Seitdem weiß man nicht immer recht, wie mit der Tradition umzugehen sei. Die einen verteilen Blumen, die anderen veranstalten Konzerte. Großer Frauenpolitikerinnen wird gedacht und „Frauenthemen“ beherrschen alljährlich Anfang März die Medien. Da oder dort wird auch Woman’s Day Sale daraus mit dem 1. Gebot: „Du sollst jeden Tag himmlisch duften.“

Es wundert mich nicht, wenn sich Frauen wie EU-Kommissärin Viviane Reding gegen das „Feigenblatt eines symbolhaften Tages“ aussprechen. Und doch bin ich davon überzeugt, dass wir noch weit davon entfernt sind, solche Tage nicht mehr zu brauchen. Noch verdienen Frauen 23,7 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Damit liegen wir weit hinter dem EU-Schnitt von 16,2 Prozent. Und das obwohl wir eine hohe Erwerbstätigenquote haben. Aber mehr denn je arbeiten Frauen im Alter von 15 bis 64 Jahren Teilzeit. Weit beunruhigender als diese Zahlen ist die Studie der Grundrechte-Agentur FRA im Auftrag des EU-Parlaments, bei der insgesamt 42.000 Frauen im Alter zwischen 18 und 74 Jahren zu ihren Gewalterfahrungen befragt wurden. 33 Prozent dieser Frauen gaben an, dass sie mindestens einmal im Leben körperlicher oder sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Jede fünfte Frau wurde bereits am Arbeitsplatz sexuell belästigt. Interessant dabei: 75 Prozent der weiblichen Top-Managerinnen waren schon Opfer solcher Angriffe, offenbar eine beliebte Ellbogentechnik im Karrierekampf.

Alltäglicher Sexismus

Der nach wie vor alltägliche Sexismus ist mit schuld an diesem gewaltigen Problem, das keines der Frauen allein, sondern der ganzen Gesellschaft ist. Solange sich das Frauenbild in Medien, Werbeagenturen, im Kino und im Internet nicht ändert, wird alles beim Alten bleiben. Doch es gibt sie, die Frauen, die sich 365 Tage im Jahr gegen Diskriminierung und überkommene Rollenbilder wehren, die sich für Frauen- und damit Menschenrechte einsetzen, die riskieren, deshalb angegriffen zu werden, als humorlos, spießig oder verbiestert zu gelten, und die stolz darauf sind, Feministinnen zu sein.

Uns Frauen wünsche ich nicht nur zum Frauentag: Brot (ein Einkommen zum Auskommen) und Rosen (ein erfülltes, schönes Leben)! Wir lieben Floristik, oder?

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