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Im Wunderland der Gewerkschaften

Wir sind Europa

Astrid Mayrhofer über Negativtrends in der Kinderbetreuung und die Arbeit der Gewerkschaft Kommunal in Stockholm.

Als Gewerkschaftssekretärin für private Kinderbetreuungseinrichtungen in OÖ und ehemalige Kindergartenpädagogin stand für mich von Beginn an fest, dass ich mein vierwöchiges Praktikum in keinem anderen Land als dem Wunderland der Kinderbetreuung verbringen kann. Schweden ist aber nicht nur für die hohe pädagogische Qualität der Kinderbetreuung und des Schulsystems bekannt, sondern vor allem auch für den außergewöhnlich hohen gewerkschaftlichen Organisationsgrad. Ich habe mein Praktikum bei der Gewerkschaft Kommunalarbetareförbundet (Kommunal), einer Teilorganisation der Landsorganisationen (LO), in Stockholm verbracht. Kommunal vertritt rund 500.000 Mitglieder aus den verschiedensten Berufssparten von Beschäftigten im Gemeindedienst bis hin zu GärtnerInnen. In den vier Wochen konnte ich sowohl den Arbeitsalltag von GewerkschafterInnen kennenlernen als auch vieles über Land und Leute, das Bildungs- und Sozialsystem und Partnerorganisationen von Kommunal erfahren.

Das Wunderland der Kinderbetreuung?
Gewerkschaftlich gesehen sind Kinderbetreuungseinrichtungen in Schweden tatsächlich ein Wunderland. Mehr als 70 Prozent der Krabbelstuben und Kindergärten sind gewerkschaftlich organisiert und durch BetriebsrätInnen und Sicherheitsvertrauenspersonen vertreten. Zwischen den verschiedenen Anbietern von Kinderbetreuung lassen sich jedoch sowohl in der pädagogischen Qualität als auch bei den dienstrechtlichen Regelungen Unterschiede feststellen. Obwohl aktuell in jeder Gruppe nur 16‒18 Kinder von mindestens drei pädagogischen Fachkräften betreut werden, sehen die Zukunftsprognosen eher weniger rosig aus. Bei meinem Gespräch mit der Leiterin des Vereins Skolverket, der für die Ausbildung von PädagogInnen zuständig ist, wurde der Negativtrend spürbar: Schon bald sollen mehr Kinder von weniger Fachkräften pro Gruppe betreut werden.

Kommunal goes international
Internationale Kontakte spielen in der Gewerkschaftsarbeit eine auffallend wichtige Rolle. Während meines Praktikums war jede/r meiner KollegInnen mindestens einmal für ein paar Tage im Ausland bei anderen Gewerkschaftsorganisationen und nahm dort an Meetings, Besprechungen oder Abstimmungen teil. Dass schwedische GewerkschafterInnen viel reisen, wurde mir versichert, sei nichts Außergewöhnliches. Mona, die beispielsweise für Beschäftigte bei der Feuerwehr zuständig ist, besuchte während meines Praktikums gleich zwei internationale Treffen – eines in China und eines in Brüssel. Auch ich konnte an mehreren internationalen Meetings in der Nähe von Stockholm teilnehmen. Sowohl bei dem Treffen der Rauchfangkehrer als auch bei der länderübergreifenden Aktion „Domestic work is work“ wurde klar, dass Kommunikation und Austausch über die Ländergrenzen hinaus ein zentraler Teil schwedischer Gewerkschaftsarbeit ist und daher so intensiv verfolgt wird. Darum, über den Tellerrand hinauszusehen, ging es auch beim „Global Forum on Migration“ an dem ich teilgenommen habe.

Kommunikation als Schlüssel
In allen Bereichen der Arbeitswelt sieht Kommunal Kommunikation als Schlüssel zum Erfolg. Der Großteil der Mitglieder wird im persönlichen Gespräch geworben. Nur wenige melden sich mittlerweile online an. Doch nicht nur in der Mitgliederwerbung, sondern vor allem auch im Büroalltag spielt Kommunikation eine Schlüsselrolle. So kommt es, dass auch das Raumkonzept des Gewerkschaftshauses Kommunikation geradezu herausfordert. So treffen sich die GewerkschafterInnen jeden Vormittag für eine Stunde in der Kaffeeküche zur traditionellen „Fika“ (= Kaffeepause) – während der Arbeitszeit. Für die AbteilungsleiterInnen, die an den Fikas ebenfalls teilnehmen, ist dies die wertvollste Zeit des Tages. Es werden Projekte besprochen, Probleme diskutiert und kreative Lösungen für Fragestellungen erarbeitet. Kommunikation zieht durch alle Bereiche des Arbeitsalltags und ist das schwedische Rezept zum Erfolg.

INTERVIEW
Zur Person - Anita Lundberg

Alter: 58
Beruf: „Ombudsman“ bei der Gewerkschaft Kommunal
Firmenstandort: Stockholm
Gewerkschaft: Kommunal

Was bedeutet für Sie Arbeit?
Bei der Gewerkschaft arbeiten zu dürfen bedeutet mir sehr viel. Für mich bedeutet die Arbeit, bei Kommunal etwas verändern zu können. 
 
Welche Bedeutung hat die EU für Sie?
Vernetzung und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Seit unserem EU-Beitritt hat sich die Vernetzung zwischen den europäischen Gewerkschaften intensiviert. Das sehe ich als großes Potenzial.

Welches europäische Land mögen Sie am liebsten?
In Europa ist Schweden das Land, das ich am meisten mag. Ich habe aufgrund des Berufes meines Mannes bereits in vielen Ländern gewohnt. Er ist Inbetriebnehmer von Kraftwerken, aktuell arbeitet er in Norwegen. Wir haben gemeinsam zwei Jahre lang in Brasilien gelebt, wo auch meine zweite Tochter geboren wurde. Aber zu Hause ist es doch am schönsten.

Wie und wie oft machen Sie Urlaub?
Der Urlaubsanspruch in Schweden beträgt, genauso wie in Österreich, 25 Arbeitstage pro Jahr. Deshalb nutze ich jede freie Minute, um Zeit mit meiner Familie und besonders mit meinem Mann zu verbringen. Dazu reise ich auch gerne an die Orte, an denen mein Mann gerade arbeitet. So sind wir schon viel herumgekommen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Faire Arbeitsbedingungen und ein Einkommen für alle arbeitenden Menschen, von dem man leben kann. Für mich und meine Familie wünsche ich mir Gesundheit.

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin astrid.mayrhofer@gpa-djp.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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