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Symbolbild zum Bericht Bart abschneiden oder Buße zahlen: Vor diese Wahl stellte Zar "Peter der Große" seine Untertanen. Er wollte sie so dem Westen näherbringen.
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Warum das Geld nicht stinkt

Schwerpunkt

Seit 5.000 Jahren zahlen die Menschen Abgaben an die Obrigkeit. Ein paar Highlights aus der Steuergeschichte haben wir hier zusammengetragen.

Der italienische Philosoph und Theologe Thomas von Aquin nannte sie einen „erlaubten Fall von Raub“: die Steuern. Sie sind nahezu universelle Phänomene menschlicher Gesellschaften und Zivilisationen. Bereits im Alten Testament wurde über Opfergaben berichtet, die neben Gott auch Königen und Institutionen wie z. B. Tempeln dargebracht wurden. Bereits um das Jahr null war die Steuer eine bekannte Methode für die Herrscher oder den Staat, Geld einzutreiben, meist unter dem Deckmantel der Religion. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit mussten Steuern bezahlt werden, aus verwaltungstechnischen Gründen – zudem konnten die Einnahmen der BürgerInnen nicht aufgezeichnet werden – wurden jedoch keine Geldsteuern eingetrieben, die Abgaben wurden in Form von Dienstleistungen („Frondienst“) und Naturalien (aufgrund der eingehobenen zehn Prozent auch „Zehent“ genannt) geleistet. Mit Beginn der Geldwirtschaft in der späten Neuzeit wurde der Frondienst bzw. der Zehent in Naturalien zunehmend von der Geldsteuer abgelöst.

Demokratie hat ihren Preis
„Steuern erheben ist die Kunst, die Gans so zu rupfen, dass man möglichst viele Federn mit möglichst wenig Gezische bekommt“, meinte einmal Jean-Baptiste Colbert, Finanzminister unter dem französischen absolutistischen König Ludwig XIV., der sein Volk schröpfte, um die leeren Staatskassen zu füllen. Indirekt bat er aber auch Adel und Klerus zur Kasse. Die Hauptsteuerlast trugen damals die Bauern, die zusätzlich auch Kirchensteuern und Abgaben an den Grundherrn leisten mussten. Das alte Steuersystem aus dem Feudalismus nährte unter anderem die Wut des französischen Volkes und gipfelte 1789 in der Französischen Revolution.
Auch in der Geschichte der USA spielten Steuern eine wesentliche Rolle bei der Geburt der Nation. Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg (1775–1783) wurde von der Parole „No taxation without representation“ – keine Besteuerung ohne politische Vertretung – geprägt: Befürworter der Unabhängigkeit kritisierten, dass die dreizehn amerikanischen Kolonien zwar zu Steuerzahlungen an die britische Krone verpflichtet waren, ohne jedoch im britischen Parlament mit eigenen gewählten Abgeordneten vertreten zu sein.

Grundanforderungen
Um die Besteuerung gerechter zu gestalten, nannte 1776 der schottische Ökonom Adam Smith vier Grundanforderungen, nach denen Steuern erhoben werden sollten: Gerechtigkeit, Ergiebigkeit, Unmerklichkeit und Praktikabilität. Smith forderte, dass der Steuersatz proportional zu den Fähigkeiten und Einkommen der Bürger bestimmt werden sollte, zudem sollte klar ein Zahlungs-betrag und -termin definiert werden, die Bürger hätten das Recht, ihre Steuern auf jene Weise zu zahlen, die ihnen am praktischsten erscheint, und die Kosten für die Steuererhebung sollten so gering wie möglich gehalten werden. Bis heute haben Smiths Steuermaximen in modernen Steuersystemen, wenn auch leicht modifiziert, ihre Gültigkeit behalten. Die Kulturgeschichte der Steuer bietet jedoch auch eine Fundgrube an Kuriositäten, angefangen von skurrilen Steuerkreationen bis hin zu außergewöhnlichen Steuermodellen, die in der heutigen Gesellschaft unvorstellbar sind. Hervorzuheben ist etwa das Steuermodell der alten Griechen, im antiken Athen rund 500 bis 400 Jahre vor Christi.
Das Finanzwesen der Griechen unterschied sich bereits darin, dass sie keine zentrale Staatskasse hatten und auch keine regelmäßige Einkommensteuer entrichten mussten, sondern bestimmte Einnahmen für bestimmte Zwecke in unterschiedliche Kassen flossen. Diese waren zudem auch nicht öffentlich, sondern wurden von einzelnen Bürgern oder Gemeinschaften unterhalten. Denn für die Griechen war mehr von Priorität, wie sehr die Bürger auf das Gemeinwesen angewiesen waren, wie sehr sie sich als Teil eines Ganzen fühlten. Die Bürger von Athen waren grundsätzlich von direkten Steuern befreit. Der Großteil der Einnahmen stammte aus indirekten Steuern wie Zoll-, Markt- und Fremdensteuern. Fremde, auch Griechen, die zwar in Athen ansässig, aber keine Bürger Athens waren, mussten eine Kopfsteuer entrichten. Die sogenannten „Metöken“ standen zwar unter einem speziellen Schutz der Polis Athen, hatten dafür aber keinerlei politisches Mitbestimmungsrecht, konnten aber bei Bedarf zum Kriegsdienst einberufen werden. Auch die Prostitution, „das älteste Gewerbe der Welt“, wurde besteuert, genauso wie Güter, die den Bosporus passierten.
Der eklatanteste Unterschied gegenüber späteren Steuersystemen war jener, dass die Gelder nicht dem Staat zugute kamen, der in einem Gesamtbudget darüber verfügte. So konnten Überschüsse einer Kasse zwar in eine andere wechseln, aber generell wurden die Einnahmen direkt nach den notwendigen Ausgaben bemessen. Reiche und adelige Familien trugen ihren Reichtum gerne zur Schau, indem sie sich finanziell fast schon auf verschwenderische Weise mit Abgaben beteiligten. Zudem wurden sie auch deutlich mehr zur Kasse gebeten, da sie im Gegensatz zur breiten Masse der Bürger mehr politisches Mitspracherecht hatten.

Kein Griff ins Klo
In 5.000 Jahren der Steuergeschichte machten viele Politiker und Herrscher frei nach dem Motto „Not macht erfinderisch“ mit fiskalischer Kreativität von sich reden. Spatzensteuer, Jungfernsteuer, Leuchtmittelsteuer, Zuckersteuer, Fahrradsteuer – nicht einmal Spielkarten und Essigsäure blieben von einer Versteuerung verschont.
„Pecunia non olet“ – Geld stinkt nicht. Der Ausspruch stammt vom römischen Kaiser Vespasian, der in seiner Regierungszeit (69–79 n. Chr.) die Benutzung öffentlicher Toiletten im alten Rom versteuerte, um damit die leeren Staatskassen zu füllen. Titus, ein Sohn des Kaisers, warf seinem Vater Ungerechtigkeit vor. Um sich vor seinem Sohn zu rechtfertigen, dass es egal ist, woher das Geld kommt, und man in der Öffentlichkeit nicht unbedingt darüber reden muss, hielt ihm Vespasian Geld aus den ersten Einnahmen unter die Nase und fragte ihn, ob das Geld stinke. Titus verneinte und der Kaiser antwortete darauf mit „Atqui e lotio est“ – und doch ist es vom Urin. Daraus entwickelte sich das geflügelte Wort „Geld stinkt nicht“.
Noch älter als die Latrinensteuer ist das Nilometer im alten Ägypten. Mit diesem wurden jährlich die Überschwemmungen des Nils gemessen. Denn je höher der Stand des Nils war, desto besser fiel die Ernte aus, und dementsprechend wurde auch die Erntesteuer eingehoben.
15 Jahrhunderte später erwies sich auch der russische Zar „Iwan der Schreckliche“ als äußerst erfinderisch in Bezug auf Steuern: Gelder auf Flinten, Festungen und Salpeter, Steuern auf die Beförderung von Beamten und auf Schützen sind nur einige der skurrilen Abgaben, die während seiner Herrschaft etabliert wurden.
1699 führte Zar „Peter der Große“ die Bartsteuer ein – ob die Steuer hauptsächlich als Einnahmequelle diente oder auf unsanfte Art und Weise Russland dem modernen Westen näherbringen sollte, ist nicht klar. Die Steuer war nach Ständen gestaffelt und horrend hoch. Die Bürger waren gezwungen ihre Bärte abzuschneiden oder mussten Buße zahlen, wenn sie diesen behalten wollten. Da eine Bartrasur jedoch als Verhöhnung des Gottesbildes im Menschen galt, mussten tiefgläubige Russen eine Steuer entrichten, um ihren Bart zu behalten.
Obwohl inzwischen ein Großteil dieser kuriosen Steuern abgeschafft wurde, gibt es nach wie vor Länder, deren Politiker sich sehr erfindungsreich geben, wenn es um neue Einnahmequellen geht.

Nobelpreis-Spenden
Im mormonischen US-Bundesstaat Utah muss jeder, der aus geschäftlichen Gründen leicht bekleidet oder gar nackt auftritt, eine zusätzliche Steuer von zehn Prozent zahlen – eine Maßnahme, die also vor allem SchauspielerInnen und StripteasetänzerInnen betrifft. Und der amerikanische Fiskus macht nicht einmal vor einem Nobelpreisträger halt: Wenn ein US-Bürger diesen renommierten Preis und somit das Preisgeld von rund einer Million Euro erhält, muss er dieses versteuern. Kein Wunder also, dass das Preisgeld so oft gespendet wird.

Webtipp:
Bundeszentrale für politische Bildung:
tinyurl.com/omcky3k

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