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Symbolbild zum Bericht "Arbeitssituation im weltweiten Fokus" Durch den Verlust der Arbeit sind ein Drittel der Griechen und Griechinnen nicht mehr krankenversichert. In den Krankenhäusern fehlt es an Verbandsmaterial, Infusionen und Medikamenten.

Arbeitssituation im weltweiten Fokus

Schwerpunkt

Menschenwürdige Arbeit als Grundlage für ein menschenwürdiges Leben ist das Anliegen von "weltumspannend arbeiten".

In Zeiten nationaler Wahlen rücken Bedürfnisse und Probleme von Menschen in den südlichen Ländern in den Hintergrund. Um der Wählerschaft unangenehme Budgetkürzungen oder Steuererhöhungen zu ersparen, werden Einsparungen auf Kosten derer gemacht, die nicht wählen. Wenn man die Wahlslogans der Parteien liest, entsteht der Eindruck, wir müssten uns ohnehin keine Sorgen machen. Weltretter und Weltoffene lächeln von den Plakatwänden. Aber wie schaut es tatsächlich aus?

Verlagerung in Billiglohnländer

Durch die zunehmende Globalisierung sind Kapital, Produktion und Arbeitskraft immer weniger an einen Ort gebunden. Die Verlagerung der Produktion in die sogenannten Billiglohnländer bedeutet für diese zwar Wachstum, nicht immer aber menschliche Entwicklung. Für multinational agierende Unternehmen stehen oft nicht mehr die eigentlichen Produkte des Betriebes im Zentrum der wirtschaftlichen Tätigkeit, sondern riskante Verlagerungen auf internationale Finanzmärkte. Auch Unternehmen aus Österreich sind heute vermehrt auf den globalen Märkten aktiv und nutzen dabei Faktoren wie billige Löhne, niedrige Sozial-, Umwelt- und Arbeitssicherungsstandards zur weiteren Profitmaximierung. So fordert der ÖGB-Bundesvorstand im Leitantrag zum Bundeskongress 2013 die Einhaltung der von ILO (International Labour Organization), UNO und OECD geforderten Mindeststandards (Kernarbeitsnormen) und Sanktionen bei Nichteinhaltung für multinationale Unternehmen.
In den vergangenen Monaten konnte man sehen, welche furchtbaren Folgen der globale Wettlauf nach unten hat: Allein in Bangladesch verloren mehr als 1.200 NäherInnen ihr Leben und geschätzte 2.600 ArbeiterInnen wurden verletzt. Ein Aufschrei ging durch Europa und erste Erfolge konnten erzielt werden. So wurde ein rechtsverbindlicher Vertrag zwischen 70 Bekleidungsmarken und lokalen sowie internationalen Gewerkschaften abgeschlossen. Ziel ist die nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie in Bangladesch.
Diesen Erfolg hätte es aber nicht ohne aktive Gewerkschaften und engagierte NGOs gegeben. Umso besorgniserregender ist es, dass in vielen Staaten eine Verschlechterung der Gewerkschaftsrechte festzustellen ist. Noch immer sterben jedes Jahr zahlreiche GewerkschafterInnnen für die Erreichung ihrer legitimen Ziele. Allein in Lateinamerika sind im vergangenen Jahrzehnt rund 500 Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen im Kampf für soziale Rechte und Demokratie ermordet worden. Die anhaltende Wirtschaftskrise verleitet auch demokratische Regierungen dazu, die Rechte der Gewerkschaften einzuschränken. Die neoliberale Politik nutzt die Krisensituation, um Arbeitsrechte abzubauen, den Arbeitsmarkt weiter zu liberalisieren und bestehende Sozialsysteme infrage zu stellen. Zusammenarbeit von Gewerkschaften und NGOs über die Grenzen hinaus ist in diesen Zeiten unerlässlich, wie das EU-finanzierte Projekt „Menschenwürdige Arbeit für ein menschenwürdiges Leben“, das „weltumspannend arbeiten“ gemeinsam mit Südwind durchführt.
Österreich, eines der reichsten Länder der Erde, kann hier Zeichen setzen. Feuerwehrleute, Polizistinnen und Polizisten, Krankenhauspersonal – alle brauchen Uniformen und Arbeitskleidung. Oft wird bei der Auswahl der Bekleidung nicht auf soziale Kriterien geachtet. Bei der Produktion dieser Arbeitsbekleidung in den Ländern des Südens kommt es aber immer wieder zu massiven Arbeitsrechtsverletzungen. Sozial faire Beschaffung würde bedeuten, dass Steuergeld nicht in ausbeuterische Arbeitsverhältnisse investiert werden darf.
Fair gehandelte und sozial hergestellte Produkte für öffentliche Küchen, Plätze und Büros: Wenn Bund, Länder und Gemeinden bei ihrem Einkauf die Einhaltung von Mindeststandards fordern, können sie zu besseren Arbeitsbedingungen beitragen. Eine Reduzierung der Armut weltweit und eine Vorbildwirkung für Konsumentinnen und Konsumenten sowie Unternehmen wären die Folge.

Negativbeispiel FIFA

Ein Beispiel, wie es nicht sein soll, ist die Entscheidung der FIFA, Katar den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 zu geben. In Katar leben zwar einerseits die reichsten Menschen der Welt, andererseits werden die Bauarbeiter, die die Infrastruktur für die Fußball-WM aufbauen, wie Sklaven ausgebeutet. WanderarbeiterInnen aus Nepal, Indien, Sri Lanka, Bangladesch und den Philippinen müssen bei Arbeitsantritt ihre Pässe abgeben und befinden sich damit in den Händen ihrer Arbeitgeber. Obwohl das WM-Budget für Stadien, Straßen und Flughäfen mehr als 80 Mrd. US-Dollar beträgt, arbeitet der durchschnittliche Migrant im Baugewerbe für 192 US-Dollar im Monat, das entspricht etwa 2,5 Prozent des Lohnes eines Katarers. Unmenschliche Unterkünfte, unzureichende Sicherheitsvorkehrungen, extreme Hitze, zu wenig zu trinken und viel zu lange Arbeitszeiten sind die Realität auf den Baustellen der Fußball-WM. Nach Schätzungen werden beim Bau der WM-Infrastruktur mehr Menschen sterben, als bei der Fußball-WM spielen.

Lösungsansatz MDGs

Der erfolgreichste globale Vorstoß gegen die Armut sind die Milleniumsentwicklungsziele (Millenium Development Goals, MDGs), die im Jahr 2001 von einer Arbeitsgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern der Vereinten Nationen, der Weltbank, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des Entwicklungsausschusses der OECD formuliert worden sind. In weniger als 1.000 Tagen läuft die Frist für die Erreichung der Milleniumsziele ab. In zahlreichen Bereichen herrscht nach wie vor größter Handlungsbedarf. So leidet noch immer ein Achtel der Weltbevölkerung an Hunger, und durch das stockende Wirtschaftswachstum sind zwischen 2007 und 2012 die Arbeitslosenzahlen weltweit wieder gestiegen. Einen Erfolg in diesem Bereich gibt es aber: Die Zahl der in extremer Armut lebenden Erwerbstätigen ist im vergangenen Jahrzehnt trotz der weltweiten Finanzkrise zurückgegangen. Seit 2001 ist die Zahl der Erwerbstätigen, die mit ihren Familien mit weniger als 1,25 Dollar pro Tag auskommen müssen, um 294 Mio. gesunken. Trotzdem leben in Entwicklungsländern weiterhin mehr als 60 Prozent der Erwerbstätigen von weniger als vier Dollar pro Tag. Diese Zahl verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, einen nachhaltigen Strukturwandel zu fördern und die Schutzsysteme auszubauen.
Mit viel Energie wird bereits an der Fortführung der Milleniumsentwicklungsziele gearbeitet. Bei der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung (Rio+20) im Juni 2012 griffen die Regierungen die Kritik am begrenzten Fokus der MDGs auf und beschlossen, gemeinsame Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) zu formulieren. Diese Ziele sollen alle drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung (ökonomische, ökologische und soziale) berücksichtigen. Sie sollen in die Post-2015-Entwicklungsagenda (Nachfolgeziele der MDGs) der Vereinten Nationen integriert werden und auf alle Länder der Welt anwendbar sein.

Europa in der Krise – wir handeln

Die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise sind aber auch schon in unserer näheren Umgebung zu sehen. Arbeitslosenquoten von mehr als 26 Prozent in Spanien und Griechenland werfen ein schlechtes Licht auf die EU-Politik. Die Folgen für die Bevölkerung sind verheerend: Prekäre Arbeitsverhältnisse, Lohnkürzungen und fehlende Sozialleistungen sind nur einige Effekte. Die neoliberale Sparpolitik betrifft besonders das Gesundheitssystem. Durch den Verlust der Arbeit sind ein Drittel der Griechen und Griechinnen nicht mehr krankenversichert. In den Krankenhäusern fehlt es an Verbandsmaterial, Infusionen und Medikamenten. Zudem werden viele staatliche Krankenhäuser und Gesundheitszentren geschlossen. In dieser Situation entstehen in der griechischen ArbeiterInnenbewegung zahlreiche Selbsthilfeprojekte. Die „Klinik der Solidarität“ im nord-griechischen Thessaloniki wird auch von „weltumspannend arbeiten“ unterstützt. Gemeinsam mit österreichischen Gewerkschaften konnten die finanziellen Mittel für den laufenden Betrieb für die letzten sechs Monate sichergestellt werden.

weltumspanned arbeiten:
www.weltumspannend-arbeiten.at
Projekt „Menschenwürdige Arbeit für menschenwürdiges Leben“:
www.fairearbeit.at
Klinik der Solidarität in Thessaloniki:
www.klinik-der-solidaritaet.at
Keine Fußball-WM ohne ArbeiterInnenrechte:
www.rerunthevote.org

Schreiben Sie Ihre Meinungan die Autorin gudrun.glocker@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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