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"Wer die Jugend fördert …"

Schwerpunkt

SOZAK-Europapraktikumsteilnehmer Stefan Bartl über die Jugendarbeit in der finnischen Bauarbeitergewerkschaft Rakennusliitto.

Diese Form der Jugendarbeit erleben zu dürfen, war sicherlich eine der spannendsten Sachen, die im SOZAK-Europapraktikum Platz gefunden haben. Da eine Behandlung der verschiedenen Ausformungen der Jugendarbeit in der finnischen Arbeitswelt den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, lege ich hier den Fokus auf die Partizipationsmöglichkeiten für junge Menschen.

Zwei Unterschiede

Zwei Hauptpunkte unterscheiden die Jugendarbeit der Kolleginnen und Kollegen in Finnland von unserer: Erstens findet sie hauptsächlich im Bereich von Freizeit- und Eventveranstaltungen statt – klassische Gremienarbeit gibt es, mit Ausnahme des einzigen Jugendgremiums „National Youth Participation Committee“, seit einigen Jahren nicht mehr. Stattdessen versucht man, die Jugendlichen über die Einbeziehung in das Organisationsteam dieser Veranstaltungen und – für die Schreibenden und Fotografinnen bzw. Fotografen – über Beteiligung an Artikeln in der eigenen Jugendzeitung an die Gewerkschaft zu binden. So gibt man ihnen Möglichkeiten, sich selbst als einen Teil der ArbeiterInnenbewegung zu verstehen.
Zweitens wurden über einen bewussten Schritt die politischen Fraktionen in der Baugewerkschaft abgeschafft. Das hat bewirkt, dass sich die Jugendlichen nicht zu einer der beiden starken Strömungen in der finnischen Baugewerkschaft – Sozialdemokraten und klar dominierende Linkspartei – bekennen müssen. Politischen Auseinandersetzungen wird somit aus dem Weg gegangen. Das hat mich erst einmal überrascht, jedoch wurde mir bei einigen Gesprächen erklärt, dass man auf diese Weise hauptsächlich jenen Jugendlichen eine Chance eröffnen möchte, die sich außerhalb jeglicher Parteiarbeit für die gerechte Sache der ArbeiterInnenbewegung engagieren möchten. Um es mit den Worten des jungen Aktivisten Tapi auszudrücken: „Wenn sie in der Gewerkschaft arbeiten, merken sie selbst, welche Parteien die richtigen Antworten haben und die richtigen Fragen stellen – weder die Konservativen noch die Rechten.“
Heraus kommt eine lockere, freundschaftliche Umgangsweise, die stark an den Bedürfnissen der Aktivistinnen und Aktivisten orientiert ist. Im bereits angesprochenen einzigen Gremium, dem „National Youth Committee“, gibt es 20 Sitze, die regional verteilt sind. Der Vorsitz wechselt von Sitzung zu Sitzung – damit auch hier sichergestellt ist, dass jede/r die Chance hat, so etwas einmal zu machen. Dort werden Veranstaltungen geplant und organisiert. Ob Bungee-Jumping, Poolparty, Rodeln oder Sommersauna – kommt der Vorschlag von den Jugendlichen selbst, ist auch eine breite Beteiligung garantiert.
Alles in allem habe ich besonders durch unzählige Gespräche mit Aktivistinnen und Aktivisten sowie Mitgliedern den Eindruck erlangt, dass die Baugewerkschaft im Bereich der Jugendarbeit sehr gut bei den Jugendlichen ankommt. Das ist jedoch nicht auf die Entpolitisierung zurückzuführen, sondern eher darauf, dass jährlich um die 80 Freizeitveranstaltungen – zum Teil auch mehrtägig – in ganz Finnland durchgeführt werden. Dafür werden schlicht und ergreifend die benötigten Ressourcen zur Finanzierung und Organisierung bereitgestellt. Der Rakennusliitto-Vorsitzende Matti Harjuniemi, der diese offensive Jugendarbeit nicht nur gefördert, sondern auch gefordert hat und sich deswegen hoher Beliebtheit unter den jungen Gewerkschaftsaktivistinnen und -aktivisten erfreut, hat mir schöne und ermunternde Worte mit auf den Weg gegeben: Wer die Jugend fördert, macht sich selbst stärker!“
In diesem Sinne wünsche ich meinen finnischen Kollegen alles Gute und viel Erfolg für die kommenden Herausforderungen.

Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor stefan.bartl@gbh.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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