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"Nicht zuletzt" ... Wir wollen die Hälfte vom Kuchen!

Kolumne von Sabine Oberhauser
ÖGB-Vizepräsidentin und Bundesfrauenvorsitzende

Es kann nicht sein, dass Mädchen und junge Frauen bei der Berufswahl noch immer mit Aussagen wie "Das ist kein Beruf für Mädchen" demotiviert werden und sich enttäuscht abwenden.

Es kann auch nicht sein, dass junge Väter, die Verantwortung für ihre Kinder übernehmen wollen und in Karenz gehen, an ihrem Arbeitsplatz belächelt werden.

Nicht auf den „Traumprinz“ warten

Diese nach wie vor vorherrschenden, sehr traditionellen Rollenbilder, die es sowohl Frauen als auch Männern schwer machen, müssen aufgebrochen werden. Ein zentraler Punkt ist die Bildung und Ausbildung für junge Menschen, denn hier wird der Grundstein für das ganze weitere Leben gelegt – eine gute Ausbildung ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Für junge Frauen und Mädchen bedeutet das aber auch, dass sie ein selbstständiges und selbstbestimmtes Leben führen können, unabhängig davon, ob der „Traumprinz“ sie einmal heiratet oder nicht.
Dazu ist aber die Einkommensgerechtigkeit – also die bekannte Forderung „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ – eine wesentliche Voraussetzung. Im Verlauf ihres Arbeitslebens werden Frauen durch eine Vielzahl von Faktoren – bewusst oder unbewusst – benachteiligt und haben trotz Bildungs- und Qualifikationsvorteilen allgemein geringere Einkommensentwicklungen und Karrierechancen als ihre männlichen Kollegen.
Die Anrechnung von Vordienstzeiten, die Einstufung sowie Zulagensysteme erweisen sich für Frauen häufig als „Einkommensfallen“. Vielen von ihnen ist oft nicht einmal bewusst, wie viel ein Kollege für eine vergleichbare Tätigkeit verdient. Dem wurde mit den betrieblichen Einkommensberichten sowie den Gehaltsangaben in Inseraten ein erster wichtiger Schritt entgegengesetzt. Aber auch die Frage der Arbeitszeit ist aus Frauensicht von besonderer Bedeutung: 44 Prozent aller Frauen arbeiten in Teilzeit.
Es ist unbestritten, dass Teilzeit in manchen Lebensabschnitten sehr hilfreich sein kann. Aber eine Teilzeitbeschäftigung hat auch Auswirkungen auf die soziale Absicherung, die Pension und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten.

Doppelbelastung trifft Frauen

Mit einem vergleichsweise kleinen Schritt, etwa einer Informationspflicht für ArbeitgeberInnen gegenüber Teilzeitbeschäftigten bei Vollzeitausschreibungen, könnte schon viel erreicht werden. Denn viele Frauen wissen oft nicht, dass in ihrem Unternehmen eine Vollzeitstelle angeboten wird und verbleiben so oft unfreiwillig in einer Teilzeitbeschäftigung.
Auch die Doppelbelastung, wenn es um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatem geht, trifft Frauen stärker als Männer. Sie verursacht Stress und macht krank.
Durch Präventionsmaßnahmen und betriebliche Gesundheitsförderung kann entgegengewirkt werden. Denn wie lange man im Alter arbeitsfähig bleibt, das hängt unmittelbar damit zusammen, wie gesund die Arbeitsplätze sind, und das liegt in der Verantwortung der Unternehmen.

Anteil an allen Bereichen

Neben vielen kleinen Schritten werden wir im Sinne unserer Vorkämpferinnen, auf deren Schultern wir heute stehen, auch in Zukunft Meilensteine auf allen Ebenen unserer Gesellschaft setzen – damit echte Geschlechtergerechtigkeit in allen gesellschaftlichen Bereichen gelebte Realität wird.
Aus Sicht der Frauen, die wir mehr als die Hälfte der Bevölkerung stellen, bedeutet das vor allem, dass wir den dementsprechenden Anteil an allen Bereichen der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft haben wollen. Oder anders formuliert: Wir wollen kein größeres Stück vom Kuchen, wir wollen die Hälfte der Bäckerei!

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