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Telekommunikation im Wandel Viele sind, so wie ich, mit einem Vierteltelefon aufgewachsen. Wenn die Nachbarn telefonierten, wurde die Geduld gehörig auf die Probe gestellt.

Telekommunikation im Wandel

Schwerpunkt

Vom Monopol zum Wettbewerb und retour? 15 Jahre Telekom-Liberalisierung in Österreich.

Viele sind, so wie ich, mit einem Vierteltelefon aufgewachsen. Wenn die Nachbarn telefonierten, wurde die Geduld gehörig auf die Probe gestellt. Noch 1987, also zehn Jahre vor der Liberalisierung, hingen etwa an der Hälfte aller 2,9 Mio. Hauptanschlüsse noch mehrere TeilnehmerInnen. Ortsgebühren waren zwar mit 2,90 Euro pro Stunde erschwinglich, da diese Tarife durch andere quersubventioniert wurden, aber Inlands-Ferngespräche zogen doch Gesprächskosten bis zum Zehnfachen nach sich. Und Auslandstelefonate waren noch teurer, was unter anderem auch daran lag, dass internationale Direktleitungen zum Teil nur spärlich vorhanden waren. So gab es etwa für die zweitgrößte MigrantInnengruppe in Österreich, die Kolleginnen und Kollegen aus der Türkei, noch 1978 nur drei (!) handvermittelte Leitungen in ihr Heimatland. Ende der 80er-Jahre konnten immerhin schon 88 Menschen gleichzeitig ein Telefonat in die Türkei führen.

Mobile Telefonie seit 1984

Mobile Telefonie kam erst mit der Einführung des C-Netzes ab 1984 in Mode. Angesichts der Kos-ten für Geräte und Gebühren war dieses aber nur wenigen vorbehalten. 1987 gab es knapp 28.000 Kundinnen und Kunden. Die kommunikative Mobilität aller anderen beschränkte sich auf eine der 16.000 Telefonzellen. Und vom Internet hatte ohnehin noch niemand gehört. All das war vor 25 Jahren die Realität. Seither hat sich einiges getan. Handy und Internet sind ein unverzichtbarer Teil des Alltags geworden. Dieser rasante Veränderungsprozess hat seine Ursachen in einem Geflecht aus riesigen technologischen Fortschritten, politischen Weichenstellungen und wettbewerblichen Entwicklungen.
Die nächste Generation des Mobilfunks, das analoge D-Netz, wurde Ende 1990 in Betrieb genommen und erfreute sich rasch großer Beliebtheit. 1992 zählte man schon über 112.000 TeilnehmerInnen. 1993 kam das erste digitale GSM-Netz (A1). Drei Jahre später zählte die Post- und Telegraphenverwaltung in allen Mobilfunknetzen zusammen (C, D, A1) schon knapp 588.000 Kundinnen und Kunden. Gleichzeitig wurden auf europäischer Ebene entscheidende Weichenstellungen vorgenommen.
Es kam zu einer schrittweisen Liberalisierung des mehr als hundertjährigen Fernmeldemonopols. Ende 1995 wurde um 290 Mio. Euro die erste private Mobilfunklizenz an das Ö-Call-Konsortium vergeben, an dem die Tochter der Deutschen Telekom DeTeMobil, Siemens, BAWAG, die Kronenzeitung, die Bundesländerversicherung, die Bayerische Landesbank sowie zwei Versicherungen beteiligt waren. Ab 1996 ging dieses Konsortium unter dem Namen max.mobil auf den Markt und versprach, die Preise der Mobilkom um 20 Prozent zu unterbieten. Dies führte bald zu sinkenden Preisen für Konsumentinnen und Konsumenten und zu stark steigenden TeilnehmerInnenzahlen. 1997 kam es zur Vergabe der dritten Mobilfunklizenz im Bereich 1.800 MHz an Connect Austria (ONE).

1998 Telekom-Liberalisierung

Die größte Umwälzung der Rahmenbedingungen fand aber mit 1. Jänner 1998 statt. Mit diesem Zeitpunkt wurden in (fast) ganz Europa die Telekommärkte vollständig liberalisiert und ein Regulierungsregime geschaffen, in dem unabhängige Regulierungsbehörden den Wettbewerb ermöglichen und überwachen sollen. Die Liberalisierung eines bis dahin weitgehend monopolisierten Marktes stellte sämtliche Akteure vor Herausforderungen. Man betrat praktisch völliges Neuland. Der Markt befand sich in einer Goldgräberstimmung, in der zahlreiche Telekom-Unternehmen gegründet wurden, insbesondere durch Infrastrukturunternehmen aus anderen Bereichen. 1999 kam tele.ring als vierter GSM-Anbieter hinzu, hinter dem die ÖBB, der Verbund, einige Banken und Mannesmann standen. Ende 2000 wurde dann die Versteigerung der Frequenzen für die nächste Mobilfunkgeneration UMTS durchgeführt. Dabei wurden zum ersten Mal keine Konzessionen mit einer bestimmten Frequenzausstattung versteigert, sondern tatsächlich der Rohstoff des Mobilfunks, Frequenzpakete. Mit Erlösen von über 831 Mio. Euro konnten schlussendlich sechs Unternehmen erfolgreich Frequenzen ersteigern. Mobilkom, max.mobil, Connect Austria, Mannesmann 3G, 3G Mobile und Hutchinson 3G erhielten damit eine UMTS-Lizenz. Das Platzen der spekulativen Dotcom-Blase versetzte der allgemeinen Euphorie allerdings einen Dämpfer, und Telekomunternehmen in ganz Europa strukturierten ihre Pläne neu.
3G Mobile, eine Tochter der spanischen Telefonica, wurde nie als Betreiberin aktiv und 2003 von Mobilkom übernommen. Mit der UMTS-Lizenz von Mannesmann funkte dann tele.ring.

Hohe Netz- und Anbieterdichte

Insgesamt haben bisher fünf Unternehmen Mobilfunk-Netzinfrastruktur in Österreich aufgebaut. Das ist eine Netz- und Anbieterdichte, wie es sie sonst kaum in einem anderen Land gegeben hat. Die Effekte waren eine extrem wettbewerbsintensive Branche, eine hohe Mobilfunkpenetration, hervorragende Netze und vor allem niedrige Preise. Mobiles Breitband wurde relativ früh bei uns angeboten, und das zu international gesehen sehr niedrigen Tarifen.
Bei den Unternehmen kam es in Folge zu zahlreichen Eigentumsübergängen, neuen Gesellschaftern oder auch gänzlichen Übernahmen durch andere Mobilfunker oder Investoren. Heimische Infrastrukturunternehmen wie ÖBB und Verbund zogen sich aus der Telekombranche wieder zurück. Der ehemalige staatliche Monopolist ging an die Börse und wurde teilprivatisiert. max.mobil wurde zu T-Mobile, ONE zu Orange. Durch die Übernahme von tele.ring durch T-Mobile und von Orange durch Hutchinson blieben drei Mobilfunkbetreiber übrig. Auch die Anzahl der Festnetzbetreiber dezimierte sich, wohl auch deswegen, weil Sprachtelefonie und Festnetzinternet durch mobile Angebote verdrängt wurden.
Insbesondere MitarbeiterInnen der Branche haben das zu spüren bekommen. Eine große Anzahl von Arbeitsplätzen wurde hier abgebaut.
Die Entwicklung bescherte uns zwar niedrige Preise und eine hohe Qualität, langfristig stellt sich jedoch die Frage, wie man Investitionen weiter sicherstellen und den Netzausbau mit neuesten Technologien forcieren kann. Der Bedarf an schnellen Breitbandverbindungen steigt und dessen Befriedigung ist essenziell für den zukünftigen Wirtschaftsstandort.

Phase der Marktbereinigung

Österreich befindet sich nun in einer Phase der Marktbereinigung. Derzeit sind nur noch drei Mobilnetzbetreiber tätig. Entscheidend für die Zukunft wird die Frequenzversteigerung sein, die im Herbst stattfindet. Dabei werden zum Teil neue bisherige Rundfunkfrequenzen, die sogenannte digitale Dividende, an die Mobilfunkbetreiber vergeben, und zum anderen Teil die bestehenden Mobilfunkfrequenzen neu geordnet, weil die befristeten Nutzungsperioden auslaufen. Das Fusionsverfahren von Orange und Hutchinson im vergangenen Jahr brachte der ganzen Branche eine erhebliche Verzögerung bei der Frequenzvergabe, weil man die Versteigerung unter unsicheren Ausgangsbedingungen nicht durchführen konnte. Die Auktion und die kommenden Jahre werden zeigen, wohin sich die österreichische Telekom-Landschaft entwickeln wird und ob neue Anbieter auf den Markt kommen werden.

Es geht rasant weiter

Telekommunikation heute ist nicht vergleichbar mit älterer Technologie und früheren Verhältnissen. 13,4 Mio. SIM-Karten werden heute in Österreich genutzt. Es existieren mehr als 6,5 Mio. Breitbandzugänge (Festnetz und Mobil inklusive Smartphones). Die rasante Entwicklung geht aber noch weiter. Die Telekom-Branche in ganz Europa wird wohl in ein paar Jahren anders aussehen als jetzt und nicht mehr nur national, sondern vielmehr transnational ausgerichtet sein. Die politischen und regulatorischen Herausforderungen liegen darin, diesen Prozess in die Zukunft zu begleiten, Investitionen und Infrastrukturausbau voranzutreiben, ohne gleichzeitig KonsumentInnen steigende Preise und die Einschränkung des Angebots zu bescheren. Ein Spagat, der schwierig ist, aber notwendig. Hochwertige Infrastrukturen sind für die ganze Ökonomie die Basis für die weitere Entwicklung. Die ehemalige Vorreiterrolle hat Europa schon eingebüßt und andere Regionen sind auf der Überholspur. Man muss jetzt zumindest einen Gang zulegen, um weiterhin Schritt halten zu können.

Schreiben Sie Ihre Meinung an den Autor mathias.grandosek@akwien.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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