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Nicht zuletzt.

"Nicht zuletzt" ... Ein Mangel an Arbeit

Kolumne von Markus Marterbauer,
Leiter der Abteilung Wirtschaftswissenschaft der AK Wien

Um zehn Millionen Menschen, so stark ist die Zahl der Arbeitslosen in der EU seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 gestiegen. Im Jänner 2013 waren 26,2 Millionen Menschen arbeitslos.

Noch nie seit den 1930er-Jahren hat sich die Arbeitslosigkeit so rasch und stark erhöht und nach wie vor ist kein Ende des Anstiegs absehbar. In Südeuropa sind die Dimensionen der 1930er-Jahre bereits erreicht: Griechenland und Spanien weisen eine Arbeitslosenquote von mehr als 25 Prozent der Erwerbspersonen auf, so viel wie in Österreich im Herbst 1936.

Niedrigste Arbeitslosenquote der EU

Wir in Österreich sonnen uns noch im Erfolg der niedrigsten Arbeitslosenquote der Europäischen Union. Dabei übersehen wir die Wolken, die aufziehen: Auch bei uns ist die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 70.000 höher als vor der von Banken und Finanzmärkten ausgelösten Krise, und die Arbeitslosigkeit in Süd- und Osteuropa trifft auch uns. Zunächst weil Exportmärkte wegfallen: Je tiefer die Krise bei den Handelspartnern, desto geringer die Nachfrage nach österreichischen Gütern und Dienstleistungen. Langfristig noch gefährlicher: Massenarbeitslosigkeit und Lohnsenkungen in Europa beeinträchtigen Löhne und Arbeitsstandards auch bei uns. Denn die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften sinkt überall, wenn das Heer der Arbeitslosen wächst.

Folgen bereits spürbar

Die Folgen sind schon jetzt merkbar, etwa in Form niedriger Löhne und schlechter Arbeitsbedingungen für Menschen, die zugewandert sind oder ein geringes Qualifikationsniveau aufweisen. 350.000 Arbeitslose, Hunderttausende Frauen, die gerne mehr Stunden pro Woche arbeiten würden, viele Ältere, die gerne länger im Erwerbsleben bleiben würden: Diese Zahlen belegen einen Mangel an Arbeit, nicht an Arbeitskräften.
Doch in Medien und Politik wird das Gegenteil beschworen. Klar, ein Mangel an Facharbeitskräften kann die Produktion von benötigten Gütern und Dienstleistungen behindern. Doch ihm ist mit einer klugen Bildungspolitik von Staat und Unternehmen und vor allem einer ernst genommenen Politik der Integration von Kindern mit Migrationshintergrund in Schule und Beruf beizukommen.
Ein leichter genereller Arbeitskräftemangel ist hingegen erfreulich. Er wurde in den 1970er-Jahren als Vollbeschäftigung bezeichnet und bildete das wichtigste Ziel der Wirtschaftspolitik. Denn er bietet jenen Menschen die Chance, einen Job zu behalten oder zu bekommen, denen das sonst nicht so leicht gelingt.
Diese Menschen dabei zu unterstützen ist eine der Hauptaufgaben der Wirtschaftspolitik. Dafür stehen drei Instrumente zur Verfügung. Erstens die Ausweitung der Nachfrage nach Arbeitskräften. Auf EU-Ebene bedeutet das einen Kurswechsel: Die erfolglose Sparpolitik, die immer weiter in Rezession, Massenarbeitslosigkeit und Staatsverschuldung führt, muss beendet werden. Zuerst muss die Beschäftigung stabilisiert werden, dann kann ein Abbau der Staatsschulden gelingen. Auch in Österreich brauchen wir ein Beschäftigungspaket, das die Zahl der Jobs in jenen Bereichen erhöht, in denen die Nachfrage besonders groß ist: Kinderbetreuung, Pflege, sozialer Wohnbau.
Zweitens eine weitere Verbesserung der Trainings- und Qualifizierungsmöglichkeiten für Arbeitslose und Menschen, die einen Berufswechsel anstreben.
Drittens muss das Angebot an Arbeitskräften sinnvoll eingeschränkt werden. Die Kurzarbeit hat in der Krise gezeigt, wie erfolgreich eine Verkürzung der Arbeitszeit zur Sicherung von Beschäftigung sein kann. Mehr Bildungsurlaub und Erholungsurlaub wären moderne Formen der Verkürzung der Arbeitszeit. Und sie würde uns vor allem auch daran erinnern, dass Arbeit kein Selbstzweck ist. Sie schafft die materielle Basis für Freizeit, Familie und Wissenserwerb, kurzum für ein gutes Leben.

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