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Arbeit darf nicht krank machen Überschneidungen verschiedener Tätigkeiten führen immer wieder zu Konflikten oder Unzufriedenheit.

Arbeit darf nicht krank machen

Schwerpunkt

Gesundheitskompetenz erfordert Arbeitsplatzqualität - gerade die im Gesundheitswesen Beschäftigten sind vielen Belastungen ausgesetzt.

In Gesundheitseinrichtungen generiert der tägliche Ablauf eine sich zunehmend verdichtende Arbeitsatmosphäre. Wie kann in einem derartigen Arbeitsumfeld Gesundheitskompetenz eingesetzt und erhalten werden?
Für ArbeitnehmerInnen ist entscheidend, dass sie sich in ihrem Arbeitsumfeld wohl und angenommen fühlen und entsprechende Arbeitsbedingungen vorfinden, um ihre Leistung nach ihren Fähigkeiten erbringen zu können. Es ist Aufgabe der Arbeitgeber, für diesen Zustand in ihren Betrieben zu sorgen.

Mängel bei Arbeitsabläufen

In der AK-Studie „Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen“1 wurden erhebliche Mängel bei den Arbeitsabläufen identifiziert. Die Kolleginnen und Kollegen wurden regelmäßig aus der Freizeit zum Dienst beordert und frei werdende Stellen nicht nachbesetzt, die Personalbedarfsberechnung wird österreichweit sehr unterschiedlich behandelt. Insgesamt erfolgte eine extreme Ausdünnung qualifizierter MitarbeiterInnen.
Für Gesundheitskompetenz ist die Qualifizierung der MitarbeiterInnen ebenso wichtig wie eine den Erfordernissen entsprechende Organisation. Einsparungen im Gesundheitswesen ohne Einbezie-hung qualifizierter MitarbeiterInnen führen zwangsläufig zu Versorgungsdefiziten und werden von unserer Seite klar abgelehnt. Daher ist es nötig, neben den Ärztinnen und Ärzten auch nichtärztliche Gesundheitsberufe – allen voran die Pflege, welche den Hauptanteil des Personals stellt – bei den Beratungen über Gesundheitsreformen miteinzubeziehen.

Arbeitsbedingungen

Ausreichend Personal, bessere Arbeitsbedingungen, Unterstützung bei der Emotionsarbeit im Rahmen des PatientInnenkontaktes und bei den körperlichen Anforderungen, betriebliche Gesundheitsförderung und mehr Lohn sind die ersten Forderungen der zitierten Studie. Wesentliches Ergebnis dieser Studie ist eine tatsächliche Burn-out-Gefahr für 30 Prozent der MitarbeiterInnen in den Gesundheitseinrichtungen. Der Spardruck führt innerhalb der Institutionen und im weiten Feld der Gesundheitsversorgung zu erhöhtem Legitimationszwang. Es besteht die Gefahr, dass die „schwächste“ Disziplin innerhalb einer Institution und das am wenigsten verankerte Angebot am meisten unter Druck kommen.
Grundsätzlich bedarf es einer Anerkennung und Wertschätzung der pflegerischen Tätigkeit durch Ärztinnen und Ärzte, VertreterInnen der anderen Gesundheitsberufe, die Pflegekräfte untereinander und vor allem die ArbeitgeberInnen und ManagerInnen. Zudem sind ein gewisses Selbstverständnis der Gesundheitsberufe sowie ein kooperativeres Verhalten gegenüber anderen Gesundheitsberufen erforderlich. Durch Streitigkeiten zwischen den Berufsgruppen entstehen ansonsten neue Probleme in der Zusammenarbeit. Jede Berufsgruppe definiert dasselbe Problem aufgrund ihrer fachlichen Teilsicht unterschiedlich bzw. bewertet oder gewichtet es verschieden. Die Handlungen der einzelnen Fachkräfte beziehen sich dann zwar auf ein und denselben Patienten, aber nicht zwingend auf dasselbe Problem. Dabei kommen auch Ungleichgewichte aufgrund der Stellung der Fachkräfte innerhalb der Hierarchie zum Tragen.
Überschneidungen verschiedener Tätigkeiten führen immer wieder zu Konflikten oder Unzufriedenheit. Die Folgen sind Doppelspurigkeiten (zwei oder mehr Personen machen dasselbe), Unterlassungen (niemand fühlt sich zuständig) und Ineffizienz. Interdisziplinäre Zusammenarbeit muss sich für die Einzelne bzw. den Einzelnen lohnen! Entweder indem spürbar bessere Ergebnisse erzielt werden oder indem interdisziplinäre Zusammenarbeit von der Institution ernsthaft und sichtbar gefördert wird.

Informationsweitergabe

Grundsätzlich ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit eine Kulturfrage. Daher steht sie stark im Zusammenhang mit Teamentwicklung, Personalplanung, Führung, Zeitplanung und Fehlerkultur.
Für eine gute Kommunikation sollten daher folgende Regeln gelten:

  • Regelmäßige Information
  • Keine abwertende Haltung, wenn Anordnungen hinterfragt werden
  • Konstruktive Kritik
  • Keine Schuldzuweisungen
  • Standards für Informationsweitergabe
  • Einhaltung von Terminvereinbarungen
  • Klare Zuständigkeiten
  • Regelmäßige Besprechungen
  • Akzeptanz der Überschneidung von Tätigkeitsfeldern
  • Frühzeitiger Kontakt mit Angehörigen und der mobilen Pflege

Dokumentationspflicht

Um Dokumentation von Administration abgrenzen zu können, bietet sich folgende Beschreibung der Dokumentation an: Dokumentationspflichten werden in den einschlägigen berufsrechtlichen Bestimmungen bestimmten „Berufen“ zugeordnet. Die dafür nötige Zeit fehlt dann für die Wahrnehmung der übrigen „eigentlichen“ Tätigkeiten und Berufspflichten. Die Dokumentation ist wesentliches Merkmal des Leistungsnachweises und des Erfahrungswertes. Gleichzeitig dient sie als Wissensressource im Transfer von praktischer Arbeit zu wissenschaftlicher Tätigkeit.  Die Dokumentationsdatenbank soll eine Zusammenschau der Dokumentation der verschiedenen Berufsgruppen (z. B. Arztbrief, Pflegesituationsberichte etc.) ermöglichen. Beim Umgang mit den Doku-mentationsunterlagen besteht Schweigepflicht und die Daten dürfen nicht an Unbefugte weitergegeben werden (Datenschutz). Inwieweit das System ELGA die Schutzbedürfnisse der PatientInnen sichern kann, wird sich dabei weisen.
Gesundheitsberufe sind wegen ihres spezifischen Tätigkeitsbereiches besonders belastet. PatientInnen und betreute Personen täglich in bestimmte Positionen zu manövrieren und deren Elend, ihre durch Behinderung und Krankheit hervorgerufene Würdelosigkeit zu reflektieren und zum eigenen Lebensabend in Bezug zu setzen, erfordert ein besonders Maß an Kraft, die altersbedingt schwindet und deren Verlust durch besondere Maßnahmen abgemildert werden sollte.

Belastungen führen zu Stress

Belastungen im Gesundheitswesen führen durch permanente Fehlbeanspruchung am Arbeitsplatz zu Stress. Stress bewirkt eine Beeinträchtigung der Konzentrationsleistung, erhöhten Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, geringere Durchblutung der Schleimhäute des Magens und Darmes, mangelnde sexuelle Lust und eine Reduktion der Immunabwehrkräfte.
Hohe Anforderungen, mangelnde Tätigkeitsspielräume, geringe soziale Unterstützung, keine Ausgewogenheit zwischen Arbeitsleistung und Anerkennung haben Ängste, Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) und Depressionen, die sich in Burn-out äußern und z. T. durch Mobbing verursacht werden, zur Folge. Psychische Erkrankungen und MSE dominieren die Kosten des Gesundheits- und Sozialwesens. Belastungen entstehen durch physikalische, soziale und gesellschaftliche Missverhältnisse. Auf betrieblicher Ebene müssen sie durch Arbeitspsychologinnen/-psychologen evaluiert und dann durch geeignete Maßnahmen beseitigt werden. Die gesetzlichen Vorgaben, um gesundheitsgefährdende Belastungen, denen die einzelnen Beschäftigten ausgesetzt sind, tatsächlich zu erkennen und durch geeignete Maßnahmen zu beseitigen, werden selten beachtet.

Bundesweite Vereinheitlichung

Um qualitative Gesundheitsleistungen zu erbringen, sind Personalschlüssel in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen notwendig. Unverständlich ist, warum im gesamten Bundesgebiet bei gleichwertigen Einrichtungen unterschiedliche Schlüssel zur Anwendung gelangen. Formal betrachtet ergeben sich Anhaltspunkte für diese Unterschiede lediglich aus der Zuständigkeit der Länder für das Krankenanstaltenwesen, geregelt in der Österreichischen Bundesverfassung. Um diesen Widersprüchen begegnen zu können, wird es notwendig sein, einen Vertrag zwischen Bund und Ländern gemäß Art. 15a BVG abzuschließen, der gleiche Kriterien für die Regelung des Personalschlüssels in den Ländern vorsieht.

1 Brunner, Bürg, Bobens, Schmid, Troy, Wagner: Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen in den Gesundheitsberufen in Wien und Niederösterreich i. A. AK Wien, NÖ und ÄK NÖ, Sozialökonomische Forschungsstelle, Oktober 2010.
Weblink zur Studie:
http://noe.arbeiterkammer.at/bilder/d122/Gesundheitsberufe.pdf

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