topimage
Arbeit&Wirtschaft
Arbeit & Wirtschaft
Blog
Facebook
Twitter
Suche
Abonnement
http://www.arbeiterkammer.at/
http://www.oegb.at/
Verschicken Sie eine E-Card!
Auch Heilbehandlung Das Exlibris, das Bucheigentümerzeichen des Chirurgen Lorenz Böhler mit einer "Kraftkammer" für das Training von Unfallopfern. Er entwickelte als Erster Methoden für erfolgreiche Rehabilitation.

Auch Heilbehandlung

Historie

Die Unfallversicherung wurde von einer reinen Versorgungseinrichtung zum Motor eines umfassenden Gesundheitsservice.

Der junge Jurist Friedrich Steinbach erlebte als Angestellter einer Arbeiter-Unfallversicherungsanstalt, wie sich die Unfallversicherung von einer reinen Versorgungseinrichtung zu einem umfassenden Gesundheitsservice von volkswirtschaftlicher Bedeutung entwickelte. Der 93-Jährige berichtete 1996 darüber und erinnerte auch an die entscheidende Rolle, die der Arzt Lorenz Böhler und der spätere ÖGB-Präsident Johann Böhm, in der Ersten Republik als Bauarbeiterfunktionär Angehöriger der Selbstverwaltung, dabei spielten.

Das im Jahre 1926 noch in Geltung stehende Unfallversicherungsgesetz aus der Monarchie kannte lediglich die Rentenzahlung an durch Betriebsunfälle verletzte Versicherte. Im Todesfall waren Renten für die Angehörigen vorgesehen. Bestimmungen über eine Unfallverhütung oder eine Heilbehandlung bzw. Rehabilitation nach Unfällen fehlten. Der nachmalig zur Berühmtheit gelangte Unfallchirurg Dr. Lorenz Böhler unternahm es bei dieser Rechtslage, in der … Unfallversicherungsanstalt in der Webergasse auf die Notwendigkeit einer entsprechenden Unfallheilbehandlung nach Betriebsunfällen hinzuweisen. Böhler selbst war schon im Ersten Weltkrieg als Militärarzt bemüht, eine besondere Heilbehandlung nach Knochenbrüchen zu entwickeln. Er forderte den Direktor der Anstalt auf, ihm ein Unfallkrankenhaus zur Verfügung zu stellen, in dem er die Erfolge bei seiner Behandlungsmethode demonstrieren könnte. Er behauptete, dass die damaligen Behandlungsergebnisse nach Betriebsunfällen so schlecht wären, dass, abgesehen von der Einbuße an Arbeitskraft, unnötig hohe Renten von der Anstalt bezahlt werden müssten. Als er darauf aufmerksam gemacht wurde, dass das Gesetz der Anstalt die Gewährung einer Unfallbehandlung und noch weniger einen Krankenhausbetrieb gar nicht gestattete, bemerkte er, dass dieser Zustand dringend geändert werden müsste. In der Folge gelang es Herrn Professor Böhler mit dem Vorstandsmitglied Johann Böhm in unmittelbaren Kontakt zu treten und damit den Vorstand der Anstalt von der Notwendigkeit einer Gesetzesänderung, die auch die Verhütung und Unfallheilbehandlung vorsieht, zu überzeugen. Das ist in der Folge geschehen und auf diese Weise gelang es, durch ein von der Anstalt ohne gesetzliche Grundlage zur Verfügung gestelltes Krankenhaus die Richtigkeit der Behauptungen von Professor Böhler zu beweisen. Der Verfasser dieser Zeilen hat schon damals … darin die Bedeutung der Selbstverwaltung für eine fortschrittliche Entwicklung der Sozialversicherung erkannt.  Bemerkt sei noch, dass diese Initiative der Anstalt zum Muster wurde, … den Gedanken der Verhütung, der Heilbehandlung und Rehabilitation in der gesamten Sozialversicherung zu verwirklichen. Dieser Erfolg ist vor allem der Selbstverwaltung zu danken, die für die späteren gesetzlichen Bestimmungen gesorgt hat.

Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at

Artikel weiterempfehlen

Kommentar verfassen

Teilen |

(C) AK und ÖGB

Impressum