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Katharina Klee Katharina Klee, Chefredakteurin

Standpunkt | Bitte bleiben Sie gesund

Meinung

„Gesundheit“ wünschen altmodische Menschen wie ich in diesen Tagen. Allerorten sind Leute von Schnupfen und Grippe geplagt. Die Krankenstände häufen sich, der Stress steigt, bis das eigene Immunsystem aufgibt. Und dann merkt man wieder, wie es ist, krank zu sein, eingeschränkt in allen Lebensbereichen, auf Hilfe angewiesen, kraftlos, deprimiert. Aber so eine Grippe dauert nur ein paar Tage und dann ist man wieder fit. In der Tretmühle geht alles weiter wie gehabt, Rückstände müssen aufgearbeitet werden. Von Jahr zu Jahr wird das schwieriger.

Immer mehr psychische Krankheiten

Der große Druck und die permanente Erreichbarkeit machen immer mehr ArbeitnehmerInnen seelisch krank. Psychische Krankheiten liegen bei den Ursachen für Krankenstände bereits an dritter Stelle – noch vor den Arbeitsunfällen.  Die gesamtwirtschaftlichen Kosten dafür betragen rund 3,3 Mrd. Euro jährlich. Gesundheit kostet Geld. So ist das österreichische Gesundheitssystem eines der teuersten der Welt.
Bei älteren ArbeitnehmerInnen kommt die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust dazu. Viel zu lang haben sich viele Unternehmen auf den steten Nachschub an jüngeren, billigeren ArbeitnehmerInnen verlassen, ihre MitarbeiterInnen „hinausgestellt“, manchmal auch hinausgemobbt. Und nicht nur Arbeit kann krank machen, auch Arbeitslosigkeit ist schlecht für die Gesundheit.

Arbeitsplatz evaluieren

Muss Arbeit krank machen? Wir verbringen den größten Teil unseres Lebens am Arbeitsplatz, wir treffen dort auf andere Menschen, wir kommunizieren dort.
Unser aller Arbeitsplätze und Kommunikationsverhalten haben sich in den vergangenen Jahrzehnten immens verändert. Die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmen. Kommunikation erfolgt auf mehreren Kanälen. Das verwirrt, darunter leidet die Seele. Burn-out, Depression, psychische Erkrankungen können die Folge sein. Und das kostet. So war es schon höchste Zeit, dass die psychische Evaluierung des Arbeitsplatzes Eingang ins ArbeitnehmerInnenschutzgesetz findet. Jetzt sind Betriebsrätinnen und Betriebsräte sowie Sicherheitsvertrauenspersonen gefragt, die Umsetzung einzufordern. Die ArbeitgeberInnen aber werden erkennen müssen, dass es sich lohnt, mit der Arbeits- und Organisationspsychologie zusammenzuarbeiten.
„In der einen Hälfte des Lebens opfern wir die Gesundheit, um Geld zu erwerben; in der anderen opfern wir Geld, um die Gesundheit wieder zu erlangen. Und während dieser Zeit gehen Gesundheit und Leben von dannen“, hat Voltaire so trefflich gesagt. Und die meisten von uns sind seiner Meinung.
Nur dass die andere Hälfte unseres Lebens jetzt länger dauert als zu Voltaires Zeiten im 18. Jahrhundert – und wir alle auch länger arbeiten müssen, bevor wir in Pension gehen können. Irgendwann werden die meisten von uns Pflege oder Betreuung brauchen. Auch das kostet Geld. Auch dort arbeiten Menschen, viele Frauen, meist schlecht bezahlt und oft besonders hohem emotionalen Druck ausgesetzt, der viele von ihnen krank macht.

Gesundheit ist nicht alles

Ganz schwindlig wird einem, wenn man darüber nachdenkt. Aber es ist so wichtig, dass sich die Expertinnen und Experten in AK und Gewerkschaften darüber den Kopf zerbrechen. Es geht um die Gesundheit.
Wie lautet ein berühmtes Schopenhauer-Zitat: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne die Gesundheit ist alles nichts.“

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