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Katharina Klee Katharina Klee, Chefredakteurin

Standpunkt | Linkswalzer

Meinung

250 Euro kostet der Eintritt zum Wiener Opernball, etwa ein Drittel der Bedarfsgerechten Mindestsicherung. 9.000 Euro legt man für die günstigste Loge hin, eine Supermarktkassiererin arbeitet etwa ein halbes Jahr für dieses Geld.
18.500 bezahlt Baumeister Richard Lugner für seine Loge im 2. Rang, im Einzelhandel steht man zehn Monate für das Geld im Laden – z. B. in der Lugner-City, wo man vielleicht am Sonntag „Kino-Mode“ verkauft.
Die Sonntagsöffnung möchte der verhaltensoriginelle Baumeister, der sich 2011 über einen Umsatz von 143,3 Mio. Euro freuen durfte, sogar am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte einklagen. Ein Menschenrecht auf Umsatzsteigerung lässt sich auch mit der Schaffung von Arbeitsplätzen begründen.

Erschreckend schamlos

Er wird’s schon brauchen, denn immerhin bewirtete er beim Opernball 2013 (nach Redaktionsschluss) nicht nur Oscar-Preisträgerin Mira Sorvino, sondern auch Filmlegende Gina Lollobrigida. Beide Damen wohnen weder in Richies Gästezimmer, noch kommen sie aus alter Freundschaft. Lugner wird sie aber trotzdem zum Essen ausführen und mit Champagner bewirten. Das kostet – und bringt auch etwas: PR ist Mörtels Mörtel für gute Geschäfte.
Vom „diskreten Charme der Bourgeoisie“ kann man bei Lugner nicht sprechen, dafür breitet er nur allzu gerne sein Privatleben mit Katzis, Mausis, Hasis und Bambis in der Öffentlichkeit aus, getrieben von fast erschreckender Schamlosigkeit.
Doch das geschieht nicht nur der reinen Eitelkeit willen – geschicktes Product-Placement verschaffte dem Star einer eigenen Fernsehserie so manches Schnäppchen. Seine Baufirma hat der Baumeister schon 1997 an seine Söhne übergeben; so offen er ist, was Persönliches angeht, so verschlossen zeigt er sich, was Geldsachen betrifft. Und ist er auch der bekannteste „Reiche“ unseres Landes, zu den reichsten Österreichern gehört Richard Lugner nicht.
Das sind die beiden Selfmademen Dietrich Mateschitz und Johann Graf, Begründer des Glücksspielskonzerns Novomatic, mit laut Liste des Wirtschaftsmagazins Forbes je 5,3 Mrd. Dollar, knapp gefolgt vom relativ frisch verheirateten Karl Wlaschek und überflügelt von den Familien-Clans der Porsche, Piëch und Flick. Sie alle schaffen mehr oder weniger Arbeitsplätze, die meisten von ihnen sind in diesem Land groß geworden, sind hier zur Schule gegangen, leben hier, wie laut Report des Investmenthauses Valluga 72.100 MillionärInnen, die meisten in Wien, Nieder- und Oberösterreich. Ihnen gegenüber stehen eine halbe Million Menschen, die in Österreich 2012 von Armut betroffen waren.

Mehr Verteilungsgerechtigkeit

Fakt ist, dass die Reichen reicher werden, während Gewinne und Vermögen einen sehr geringen Beitrag zum österreichischen Steueraufkommen leisten. In Österreich stammen nur 1,3 Prozent des Steueraufkommens aus vermögensbezogenen Steuern. In der OECD sind es durchschnittlich 5,5 Prozent.
Diese Steuern endlich anzuheben, würde mehr Verteilungsgerechtigkeit bringen – für unser Land und seine Menschen. Die Reichen und Superreichen könnten sich dennoch weiter ihre Loge am Opernball leisten. Und wir uns ein paar unterhaltsame Stunden im Patschenkino beim alljährlichen Quotenhit, wo wir sehen, dass reich weder schön noch glücklich bedeuten muss – nicht einmal besonders schlau: Ein Spektakel, auf das ich wie jedes Jahr sehr gerne verzichte.

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