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We are the world So bietet unter anderem die Südwind Agentur verschiedenste Workshops dazu an: Egal ob das Thema Fußball, Wasser, Schokolade oder Hendl mit Reis lautet - informative Workshops abseits von Frontalunterricht und Notenstress...

We are the world

Schwerpunkt

Mithilfe von Aktionen wie der alljährlichen Global Education Week (GEW) soll Globales Lernen fixer Bestandteil in Österreichs Bildungseinrichtungen werden.

Unter dem Motto „Move towards one world“ wurde von 11. bis 18. November mit zahlreichen Aktionen in mehr als 30 europäischen Ländern und in Österreich über global vernetzte Prozesse und nachhaltiges Handeln aufgeklärt. Seit 1999 finden solche Global Education Weeks auf Initiative des Nord-Süd-Zentrums (www.nscentre.org) des Europarates regelmäßig jeweils im November statt. Und weil (Globales) Lernen nicht nur Kinder und Jugendliche betrifft, waren neben schulischen Einrichtungen auch NGOs, Museen, Volkshochschulen, Gemeinden, Pfarren etc. zum Mitmachen eingeladen. In Österreich lag der Schwerpunkt der Aktivitäten deutlich auf der Zielgruppe Kinder und Jugendliche (sowie deren Eltern). So wurde in der Steiermark etwa im Rahmen der „Jungen Normale“ gesellschaftspolitisches Kino für SchülerInnen geboten. In Linz fanden Mitte November die Filmtage Globales Lernen statt.

Hendl mit Reis
Anfang Dezember, also kurz nach der Aktionswoche, veranstaltete das Wiener Erich-Fried-Gymnasium eine Erlebnis-Ausstellung zu fairem Handel, Migration und weltweiten sozialen Herausforderungen. Glücklicherweise bleiben Seminare, Workshops, Ausstellungen, Vorträge, internationale Austauschprogramme etc. zum Thema Globales Lernen nicht auf diese eine Woche beschränkt. So bietet unter anderem die Südwind Agentur verschiedenste Workshops dazu an: Egal ob das Thema Fußball, Wasser, Schokolade oder Hendl mit Reis lautet – informative Workshops abseits von Frontalunterricht und Notenstress vermitteln aktuelles Wissen über globale Zusammenhänge in altersgemäßer Form.
Das Unterrichtsfach „Globales Lernen“ gibt es zwar (noch) nicht, aber es zählt zu den insgesamt 23 Bildungsanliegen, die auf der Website des Unterrichtsministeriums zu finden sind. Diese Liste reicht von Berufsorientierung über geistige Landesverteidigung bis zum Sozialen Lernen. Das bedeutet, Globales Lernen ist kein Muss-Thema in der Schule, aber es gibt dazu bereits Unterrichtsmaterialien und spezielle Projekte. Den Verantwortlichen ist klar, dass die Globalisierung und die zunehmende Komplexität unserer Welt pädagogisches Denken und Handeln vor neue Herausforderungen stellen. Eine wesentliche Aufgabe von Bildung besteht heute darin, (junge) Menschen zu befähigen, komplexe Vorgänge zu verstehen und diese kritisch zu reflektieren. Dabei gilt es, ökonomische, soziale, politische, ökologische und kulturelle Entwicklungen als gestaltbare Prozesse wahrzunehmen und Möglichkeiten zur eigenen Teilhabe und Mitgestaltung in der Weltgesellschaft zu erkennen.

Spezielle Schulprojekte
2003 bildete sich die Strategiegruppe „Globales Lernen“ als organisations- und institutionsübergreifende Arbeitsgruppe öffentlicher Stellen und privater Organisationen. Sie setzt sich mit Programmen, Projekten und Maßnahmen Globalen Lernens weltweit und in Österreich auseinander – auch im außerschulischen Bereich sowie in der Erwachsenenbildung. 2009 erarbeitete die Gruppe ein Strategiepapier mit konkreten Zielen und entsprechenden Vorschlägen zu deren Umsetzung im formalen Bildungswesen, von den Kindergärten bis zur LehrerInnenausbildung.
Bis Ende 2014 sollten die empfohlenen Maßnahmen weitgehend umgesetzt sein. Franz Halbartschlager, Bildungsbereichsleiter bei Südwind und als Koordinator der GEW von Beginn an Mitglied der Strategiegruppe, sieht bisher allerdings nur bescheidene Fortschritte: „In neueren Lehrplänen wird Globales Lernen zwar erwähnt, es ist aber nach wie vor strukturell im Schulwesen schwach verankert. In der LehrerInnenausbildung kommt das Thema derzeit so gut wie gar nicht vor, während entsprechende Angebote in der freiwilligen Weiterbildung gut angenommen werden.“

Wien: 17 „globale Volksschulen“
Immerhin gibt es einige erwähnenswerte Projekte und Initiativen, die eigentlich mehr öffentliche Aufmerksamkeit verdienen würden. In Wien etwa gibt es derzeit 17 Global Education Primary Schools (GEPS). Der Schwerpunkt dieser Volksschulen liegt nicht nur auf Fremdsprachen, sondern Ziel des Projektes ist es auch, den SchülerInnen die erwähnten Kulturtechniken vom Schuleintritt an zu vermitteln sowie Aufgeschlossenheit, Toleranz und Verantwortungsbewusstsein („global awareness“) anzubahnen. Schon längere Zeit haben österreichische Schulen, denen Weltoffenheit und friedliches Zusammenleben besondere Anliegen sind, die Möglichkeit UNESCO-Schule zu werden. 75 Schulen diverser Schultypen in ganz Österreich gehören derzeit zum UNESCO-Netzwerk. Themenschwerpunkte wie Welterbe, Nachhaltige Entwicklung, Friedenserziehung, Menschenrechte und Gender-Gerechtigkeit, Biodiversität und Klimawandel, Toleranz und Interkulturalität werden im Unterricht behandelt und in Projektarbeiten vermittelt. Seltsamerweise dürften die meisten UNESCO-Schulen auf dieses Modell nicht besonders stolz sein: Öfters muss man auf den jeweiligen Schul-Websites lange nach dem UNESCO-Logo oder Ähnlichem suchen. Bei manchen Schulen findet sich überhaupt kein entsprechender Hinweis.

Erwachsenenbildung
Selbstverständlich ist Globales Lernen nicht nur für Kinder und Jugendliche sinnvoll, es wird mittlerweile auch an Hochschulen angeboten. Im Diplomstudiengang „Internationale Entwicklung“ an der Universität Wien können Studierende seit 2008 die Lehrveranstaltung „Globales Lernen“ besuchen. Obwohl es kein Pflichtfach ist, belegen es jedes Semester rund 35 Studierende.
So wie die Globalisierung längst (fast) alle unsere Lebensbereiche durchdrungen hat, ist Globales Lernen für alle Altersgruppen sinnvoll. Wenn Kinder in der Schule erfahren, wie sie ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern können, dann bringen sie diese Informationen idealerweise auch mit nach Hause und setzen vielleicht Impulse für Veränderungen. So können (Groß-)Eltern von den Kindern lernen.
Global Learning und dessen Werte wie Nachhaltigkeit, Offenheit, Gerechtigkeit, Solidarität und aktive Beteiligung mögen noch so wichtig und wertvoll sein, der erhobene moralische Zeigefinger ist weder bei Kindern noch bei Erwachsenen zielführend. In der Erwachsenenbildung kommt die Verknüpfung mit anderen Themen meist besonders gut an. So besteht etwa die Möglichkeit, Infos zum Thema Biodiversität mit einem kleinen Foto-Spaziergang zu kombinieren oder Schneiderkurse mit afrikanischen MigrantInnen und Schnitten aus deren Heimatländern, die einen direkten Vergleich der unterschiedlichen Lebenswelten ermöglichen. Spezielle Kochkurse, bei denen auch auf die Arbeitsbedingungen auf Kokosplantagen und Gewürzfarmen eingegangen oder über Fischfarmen erzählt wird, interessieren vermutlich fast alle Altersgruppen.

Weitere Infos, Kontakte, Angebote
www.globalcurriculum.net: Das Global Curriculum Projekt ist ein internationales Pilotprojekt, das zeitgleich in Österreich, Benin, Brasilien, Großbritannien und Tschechien durchgeführt wird. Ausgewählte Schulen und LehrerInnen in diesen Ländern sollen darin unterstützt und begleitet werden, im Sinne des Globalen Lernens in möglichst vielen Fächern zu unterrichten. In Österreich beteiligen sich insgesamt zehn Schulen in Tirol und Wien. Von der Website können Unterrichtsmaterialien heruntergeladen werden.

Internet:
Liste der UNESCO-Schulen in Österreich, Aufnahmekriterien als UNESCO-Schule:
www.unesco-schulen.at
Information über die 402 österreichischen Schulen mit den Schwerpunkten Umwelt und Nachhaltigkeit:
www.oekolog.at
Zentrale Lern- und Kommunikationsplattform zu Globalem Lernen; umfangreiches Angebot an Filmen zu den Themen One World, Nachhaltigkeit, Globalisierung etc.:
www.baobab.at
Informationen zu Veranstaltungen in Österreich, Kontaktpersonen sämtlicher teilnehmender Länder:
www.globaleducationweek.at
Liste der GEPS-Schulen:
www.stadtschulrat.at

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin afadler@aon.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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