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Oh du liebe Zeit … Auch beim Thema Hausarbeit gaben die Männer öfter an, zu wenig Zeit dafür zu haben. Im Alter von 20 bis 39 Jahren sind es über zwei Drittel, bei den Frauen waren es um zehn Prozentpunkte weniger.

Oh du liebe Zeit …

Schwerpunkt

Viele Menschen wünschen sich einen guten Job, ein glückliches Familienleben und ein spannendes Hobby. Doch der Tag hat nur 24 Stunden. Stress pur!

Unter Zeitwohlstand versteht man die Möglichkeit, ausreichend Zeit für seine eigenen Bedürfnisse zu haben. Eine Untersuchung zum Thema brachte in Österreich interessante Ergebnisse hervor. Insgesamt befanden rund zwei Drittel der Befragten, dass sie genug Zeit für ihre Familie hätten. Allerdings differierte diese Aussage nach Alter und Geschlecht. Die Zufriedenheit war bei älteren Menschen höher als bei jüngeren und unter den über 65-Jährigen bei beiden Geschlechtern gleich hoch. Interessant ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern im Alter von 20 bis 39 Jahren: Während knapp 62 Prozent der Frauen die Zeit für ihr Kind bzw. ihre Kinder als ausreichend empfanden, waren es bei den Männern nur 35 Prozent. Hier zeigen sich die Folgen der traditionellen Arbeitsteilung – Männer gehen arbeiten, Frauen arbeiten oft Teilzeit bzw. setzen eine Zeit lang aus –, denn bis zum 65. Lebensjahr ist die Zufriedenheit der Männer geringer als die der Frauen. Alleinerziehende gaben nur zu 50 Prozent an, ausreichend Zeit für ihre Kinder zu haben.
Vor allem unter Erwerbstätigen ist ein Mangel an Zeit für die Haushaltsführung festzustellen. Hier sind es nur rund 37 Prozent, die ausreichend Zeit haben, während bei Arbeitslosen und PensionistInnen die Werte über zwei Dritteln lagen.

Nur ein Drittel sehr zufrieden

Auch beim Thema Hausarbeit gaben die Männer öfter an, zu wenig Zeit dafür zu haben. Im Alter von 20 bis 39 Jahren sind es mehr als zwei Drittel, bei den Frauen waren es um zehn Prozentpunkte weniger. Die Zufriedenheit damit, alle diese Bereiche koordinieren zu können, liegt im Mittelbereich. Sehr zufrieden war nur rund ein Drittel der Befragten, völlig unzufrieden waren allerdings auch nur vier Prozent.

Stress lass nach!

Der zweite große Teil der Befragung behandelte die Themen Stress und Zeitdruck. Ein Achtel der Befragten befand, dass es sich häufig gehetzt und unter Zeitdruck fühlte. Männer und Frauen haben vorrangig das Gefühl, während ihrer Berufstätigkeit unter Zeitdruck zu stehen. Unter Schlafmangel leiden am stärksten Frauen mit (kleinen) Kindern. Sie wünschen sich auch in dieser Lebensphase mehr Zeit für sich selbst. Dies trifft ebenso sehr stark auf Alleinerziehende zu.
Insgesamt wünscht sich rund ein Fünftel der Befragten, mehr Zeit für sich selbst zu haben. Ein ähnlich hoher Anteil wünscht sich mehr Zeit für die Familie. Auch hier gilt, dass die Berufstätigen – darunter speziell die Alleinerziehenden – diesen Wunsch stärker verspüren. Die gute Nachricht: Fast die Hälfte der befragten Personen fühlte sich nicht unter Stress oder zeitlichem Druck stehend.

Durchschnittliche Verteilung

Die Untersuchung zeigt, dass es den Österreicherinnen und Österreichern nicht immer leicht fällt, alle ihre Wünsche und Anforderungen unter einen Hut zu bringen. Im Bereich der Erwerbstätigkeit spießt es sich noch bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Besonders Männer würden eigentlich gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Dies zeigt, dass die jüngsten Bemühungen zur Einführung eines Papamonats nach Geburt eines Kindes und zur Anhebung des Väteranteils an der Elternkarenz in die richtige Richtung gehen.
Darüber hinaus wäre zu überlegen, wie eine gerechtere Verteilung von Erwerbsarbeit auf Frauen und Männer erreicht werden kann. Es wäre wichtig, dass sich die tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden von Frauen und Männern angleichen. Österreichs Männer arbeiten im Schnitt über 42 Stunden pro Woche und liegen damit im europäischen Spitzenfeld. Frauen arbeiten um zehn Stunden weniger, was leicht unter dem EU-Schnitt ist. Bemühungen, diese Zeiten anzugleichen, würden es Männern erleichtern, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Das Verhältnis zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit von Frauen und Männern würde sich damit stärker angleichen, und vielleicht würde auch ein wenig mehr Zeit für die eigenen Bedürfnisse übrig bleiben. Darüber hinaus könnte es dadurch Beschäftigungsimpulse geben, in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ein guter Ansatz.

Statistik Austria (2010): Projekt Wohlbefinden, Bericht an das BMLFUW:
tinyurl.com/atp6q9k

Eurostat: Durchschnittliche normalerweise geleistete Wochenarbeitsstunden in Haupttätigkeit, nach Geschlecht, Stellung im Beruf, Vollzeit-/Teilzeittätigkeit und Wirtschaftszweigen:
lfsa_ewhun2

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin christa.schlager@akwien.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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