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Friede, Freude, Eierkuchen? Und wenn man erst einmal mit einer kritischen Analyse beginnt, ist die Familie, die in der Waschpulverwerbung immer ein Ort von Friede, Freude und selbst gebackenem Kuchen ist, plötzlich gar nicht mehr so einträchtig oder gar friedfertig!

Friede, Freude, Eierkuchen?

Schwerpunkt

Frauen- und Familienpolitik hängen auf vielerlei Art und Weise zusammen, müssen aber trotzdem getrennt betrachtet werden. Das macht das Thema kompliziert.

Das Verhältnis von Frauen- und Familienpolitik ist je nach Sichtweise entweder sehr einfach oder sehr kompliziert. Einfach insofern, weil für viele Personen Frauen- und Familienpolitik in der Praxis auf das Gleiche hinauslaufen: Was für das Kind – angeblich – am besten ist, ist es auch für die Mutter. Denn eine gute Mutter will schließlich nur das Beste für ihr Kind und stellt selbstverständlich eigene Bedürfnisse hintan. So weit, so gut. Für all jene allerdings, die eine Frau nicht ausschließlich als eine (potenzielle) Mutter betrachten, ist die Sache nicht ganz so einfach. Und wenn man erst einmal mit einer kritischen Analyse beginnt, erscheint die Familie, die in der Waschpulverwerbung immer ein Ort von Friede, Freude und selbstgebackenem Kuchen ist, plötzlich überhaupt nicht mehr so einträchtig oder gar friedfertig!

Ort der Gewalt

Jede fünfte Frau ist zumindest einmal in ihren Leben von Gewalt in ihrem sozialen Nahraum betroffen. In Wahrheit sollten sich Frauen und Mädchen weniger davor fürchten, nachts nach Hause zu gehen, als vor dem Nachhausekommen!
Gewalt in der Familie ist ein Phänomen, das eng mit Vorstellungen der bürgerlichen (Klein-)Familie verbunden ist. Lange besaßen Frauen und Kinder keine eigenständigen Persönlichkeitsrechte, sie waren Eigentum des männlichen Familienoberhauptes, das absolute Verfügungsgewalt hatte. Das bedeutete, dass Kinder durch Schläge – „g’sunde Watschn“ – „erzogen“ wurden und Vergewaltigung in der Ehe juristisch bis 1989 nicht existierte. Man(n) vertrat die Ansicht, mit der Eheschließung habe eine Frau ein grundsätzliches und allumfassendes Einverständnis zu sexuellen Handlungen mit ihrem Ehemann abgegeben.
Die „neue“ Frauenbewegung begann Gewalt gegen Frauen ab den 1970er-Jahren öffentlich zu thematisieren und durch die Gründung von Frauenhäusern, Notrufstellen und anderen Initiativen Beratung und Hilfe anzubieten. Trotz jahrzehntelanger Arbeit sind patriarchale Vorstellungen und die Tolerierung männlicher Gewalt gegen Frauen aber immer noch im öffentlichen Bewusstsein verankert. So sorgte die Amstettner FPÖ-Stadträtin Brigitte Kashofer vor Monaten für Aufsehen, als sie eine Subventionierung des örtlichen Frauenhauses ablehnte, mit der Begründung, dieses (!) sei mitverantwortlich für die Zerstörung von Ehen und Partnerschaften.
Viele Frauen mit schulpflichtigen Kindern arbeiten in Österreich Teilzeit, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können. Doch damit beginnen die Probleme erst so richtig: Teilzeit arbeiten bedeutet auch, von einem Teilzeit-Gehalt leben zu müssen. Das mag in sehr gut bezahlten Branchen und in höheren Positionen vielleicht nicht allzu schwer sein. In Niedriglohnbranchen und/oder in niedrigeren Positionen hingegen schon. Die Folgen sind Abhängigkeit von einem Partner oder der erste Schritt in die Armut. Das zweite gravierende Problem ergibt sich im Alter. Unser Pensionssystem orientiert sich an der Sicherung des Lebensstandards. Das bedeutet, jemand, der niedrige Versicherungsbeiträge einbezahlt hat, erhält im Alter auch eine sehr geringe Pension. Drittens: Frauen in Teilzeit, egal wie engagiert oder talentiert sie auch sein mögen, haben nur selten die Möglichkeit befördert zu werden oder Weiterbildungen in Anspruch zu nehmen. Anders ausgedrückt: Im besten Fall ist die Karriereentwicklung für einige Jahre gestoppt, im schlimmsten Fall kommt sie nie wieder in die Gänge. Das Paradoxe an dieser Situation ist allerdings, dass sich Frauen zu Hause ja nicht die Zeit mit Maniküre oder Kaffeekränzchen vertreiben. Die Zeitverwertungsstudie der Statistik Austria zeigt deutlich, dass Frauen im Durchschnitt sogar ein wenig mehr pro Woche arbeiten als Männer, wenn sowohl die bezahlte als auch die unbezahlte Arbeit zusammengezählt wird.
Selbst in jenen Familien, in denen Kinderbetreuung, Altenpflege und Hausarbeit nicht von weiblichen Familienangehörigen erledigt werden, übernehmen wieder Frauen diese Tätigkeiten. Kindergärtner haben in Österreich immer noch Exotenstatus. Ähnliches gilt für Pflegetätigkeiten und Hausarbeit. Frauen aus Osteuropa und anderen Regionen, mit teilweise sehr hohen Bildungsabschlüssen, arbeiten als 24-Stunden-Pflegerinnen und putzen. Parallel müssen sie selber Arrangements für die Betreuung ihrer Kinder oder die Pflege ihrer Eltern treffen, die meist in ihren Heimatländern zurückgeblieben sind. Es ist im Bereich der Haus- und Pflegearbeit zu einem globalen Sesselrücken gekommen, aber die Arbeit an sich bleibt fest in Frauenhand!

Echte Männer machen halbe-halbe

Frauen sind heute so gut ausgebildet wie niemals zuvor und dennoch stecken sie selbstverständlich im Berufsleben zurück, wenn Kinder zur Welt kommen oder Angehörige Pflege und Betreuung brauchen. Für Männer bedeutet eine Familie Rückhalt und Ausflüge am Wochenende, für Frauen in erster Linie Arbeit. Vor fast 20 Jahren erregte Frauenministerin Helga Konrad mit der Kampagne „Echte Männer machen halbe-halbe“ die Gemüter. Bis heute scheinen Männer in Österreich aber keinen so großen Wert darauf zu legen, in diesem Sinn „echte Männer“ zu sein. Warum auch? Ein wenig Betreuungsarbeit bei den eigenen Sprösslingen reicht, um am Kinderspielplatz von allen anwesenden Müttern augenblicklich zum Vater des Jahres erkoren zu werden und in Zeitungsinterviews vom schweren Los der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie berichten zu dürfen.

Ort der Identitätsbildung

Aber warum machen selbst gut ausgebildete und selbstbewusste Frauen das mit, anstatt eine gerechte Aufgabenverteilung von ihrem Partner einzufordern? Eine Erklärung lautet sicherlich, dass viele Frauen diese Rollenverteilung grundsätzlich gar nicht infrage stellen. So wie sich Männer in ihrem Selbstbild als Familienernährer definieren, sehen sich Frauen selbst als primär zuständig für Kinder, Pflegearbeit und den Haushalt.
Da Tätigkeiten und Branchen, in denen viele Frauen beschäftigt sind, in der Regel schlechte Bezahlung und nur wenig Prestige bieten, können Frauen ihren Platz in der Gesellschaft in der Regel nicht aus ihrer Erwerbstätigkeit ableiten, wie viele Männer das tun. Es bleibt die Rolle als gute Mutter und Ehefrau, die den privaten Bereich in Form einer „Familienmanagerin“ im Griff hat, um daraus Selbstbestätigung zu ziehen. Genau dadurch werden aber Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt teilweise untergraben, weil Frauen im Gegensatz zu Männern weniger gewerkschaftlich organisiert sind und seltener auf Betriebsratslisten kandidieren. Solange Frauen ihre eigene Erwerbstätigkeit als kleinen „Zuverdienst“ zum „richtigen“ Lohn/Gehalt ihres Partners sehen, solange besteht für sie wenig Anreiz für anständige Arbeitsbedingungen sowie eine angemessene Lohn- und Gehaltsentwicklung zu kämpfen. Wenn Frauen sich auch zukünftig selbst über ihr Familienleben definieren und anderen Bereichen ihres Lebens wenig Gewicht beimessen, treffen Bezeichnungen wie „Rabenmutter“ oder „schlampige Hausfrau“ weiterhin voll ins Schwarze.
Das Verhältnis von Frauen- und Familienpolitik ist, wie diese wenigen Beispiele zeigen, ziemlich kompliziert: Familie ist für viele Frauen ein Ort von Erniedrigung und Gewalt, aber nicht immer sind Frauen Opfer, manchmal sind sie auch Täterinnen bei Gewalt gegen Kinder. Familie bedeutet für Frauen einen riesigen Berg unbezahlter Arbeit. Dennoch sind Kinder nicht nur ein Garant für dreckige Wäsche, sondern auch für Glück und Freude. Und Partnerschaften erfordern harte Beziehungs- und Verhandlungsarbeit, sind aber gleichzeitig auch Stütze und Rückhalt im Leben. Für Feministinnen kann deswegen das Ziel sicherlich nicht sein, die „Familie“ abzuschaffen. Es sollte darin bestehen, unseren Blick auf die Realität zu schärfen, abseits aller Waschmittel-Werbungsklischees. Die Realität ist nämlich nicht so einfach!

Frauenministerium: frauen.bka.gv.at

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin barbara.marx@gpa-djp.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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