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Was Familienförderung wollen sollte Eine Studie des WIFO berechnete für eine Frau mit einem Kind und nur teilweiser Beschäftigung einen kumulierten Verdienstentgang von über 100.000 Euro bis zum 18. Geburtstag des Kindes gegenüber einer gleich qualifizierten kinderlosen Frau.

Was Familienförderung wollen sollte

Schwerpunkt

Alle wollen für die Familie nur das Beste. Darüber, was das ist, gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Es hilft daher, einen Blick auf die Fakten zu werfen.

Österreich gibt im internationalen Vergleich sehr viel Geld für Familien aus. Mit 2,6 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt liegt Österreich deutlich über dem OECD-Schnitt von zwei Prozent. Ein Blick auf andere Länder zeigt jedoch: Was die Zahl der Kinder anlangt, tun wir das mit relativ geringem Erfolg. Mit einer Geburtenrate von 1,4 Kindern pro Frau liegt Österreich nicht nur deutlich unter dem EU-Schnitt, sondern auch weit abgeschlagen zurück hinter Ländern wie Frankreich, Schweden oder Dänemark, wo zwei Kinder die Regel und nicht die Ausnahme sind.
Das würden sich österreichische Frauen und Männer auch wünschen, wenn man sie danach fragt. Doch tatsächlich werden viel weniger Kinder geboren. Offenbar hat der Familienförderungs-Geldsegen nicht die ersehnte Wirkung.

Große Herausforderungen

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf hierzulande nach wie vor eine große Herausforderung darstellt.
Vor allem gut ausgebildete Frauen mit einem guten Erwerbseinkommen scheuen die negativen Konsequenzen, die die berufliche Unterbrechung und die zeitlichen Einschränkungen aufgrund der Betreuungspflichten mit sich bringen. Eine Studie des WIFO berechnete für eine Frau mit einem Kind und nur teilweiser Beschäftigung einen kumulierten Verdienstentgang von über 100.000 Euro bis zum 18. Geburtstag des Kindes gegenüber einer gleich qualifizierten kinderlosen Frau. Das kann selbst die großzügigste Förderung nicht wettmachen.

30.000 Plätze fehlen

Wenn es um Familie und Kinder geht, wird gerne von der „Wahlfreiheit“ gesprochen. Aber ohne passende Kinderbetreuung ist für viele Mütter diese Entscheidungsfreiheit graue Theorie.
Das Angebot hat sich zwar in den vergangenen Jahren verbessert – nicht zuletzt dank der Mittel, die der Bund dazu beigetragen hat –, trotzdem gibt es gravierende Lücken. In einer aktuellen Befragung gaben mehr als 140.000 Eltern (vor allem Frauen) an, aufgrund fehlender Kinderbetreuung nicht oder nur in Teilzeit berufstätig zu sein. Und von jenen, die einen Betreuungsplatz haben, beklagen mehr als 100.000 ungenügende Öffnungszeiten, zu viele Schließtage in den Ferien und zu hohe Kosten.
Kein Wunder: Noch immer fehlen rund 30.000 Plätze für die Kleinsten unter drei Jahren. Nur in Wien ist das EU-Ziel, für ein Drittel dieser Altersgruppe Angebote zu schaffen, tatsächlich erfüllt. In den anderen Bundesländern gibt es nicht einmal für jedes fünfte Kleinkind einen Betreuungsplatz.
Auch bei den Öffnungszeiten hapert es trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren. Nur 19 Prozent der Kinder unter sechs Jahren haben einen Betreuungsplatz, der mit einer Vollzeiterwerbstätigkeit vereinbar ist. In einzelnen Bundesländern ist die Situation besonders problematisch. So haben etwa in der Steiermark 58 Prozent der Kindergärten nach 14 Uhr bereits geschlossen, in Tirol sind es 46 Prozent. Verbesserungen wären hier besonders für jene Frauen wichtig, die auf eine Erwerbstätigkeit keinesfalls verzichten können, wie Alleinerziehende und Frauen, deren Familien nur über ein geringes Einkommen verfügen.
Aus Sicht der Kinder ist ein gutes Betreuungsangebot entscheidend für ihr weiteres Leben. Denn Studien zeigen immer wieder: Gleiche Chancen in der Bildung unabhängig vom sozialen Hintergrund können am wirksamsten durch gute Frühförderung geschaffen werden.Ohne Kinderbetreuung drohen sich Benachteiligungen zu vererben. Das sieht man auch beim Bedarf an Sprachförderung bei den Fünfjährigen: Kinder im Kindergarten brauchen nur halb so oft Fördermaßnahmen wie Kinder, die keinen besuchen.

Kinder zu versorgen geht ins Geld

Die Freude an Kindern ist nicht in Geld zu bemessen. Allerdings schlägt sich das, was sie zum Großwerden brauchen, sehr wohl in ganz konkreten Euros nieder: Essen, Kleidung, Spielsachen, Kinderzimmereinrichtung, Schulsachen, später Handy, Laptop usw. – Kinder zu versorgen geht ordentlich ins Geld. Daher ist es nur gerecht, wenn Eltern vom Staat finanziell unterstützt werden.
Mit der Familienbeihilfe und dem Kinderabsetzbetrag hat Österreich eine bewährte Form der Förderung, die alle Familien erreicht. Und zwar unabhängig davon, wie viel die Eltern verdienen.
Allerdings gab es in letzter Zeit eine Entwicklung, die dazu führt, dass Kinder von Eltern mit hohem Einkommen plötzlich mehr wert sind. Der Grund dafür ist, dass diese die neu geschaffenen steuerlichen Vorteile voll nutzen können, während etwa Eltern mit geringem Einkommen dabei leer ausgehen. So wurde mit der Steuerreform 2009 ein Kinderfreibetrag eingeführt. Das klingt gut, hat aber wesentliche Nachteile. Eine aktuelle parlamentarische Anfrage hat ergeben, dass dieser Freibetrag 1,8 Mio. Kindern zustehen würde, tatsächlich aber nur für rund 800.000 genutzt wurde.
Für weitere 400.000 Kinder wurde er zwar beantragt, die Eltern gingen aber wegen ihres zu geringen Einkommens leer aus. Einen Vorteil gibt es nämlich nur, wenn ein Elternteil über 1.200 Euro brutto monatlich verdient.
Mehr als 200.000 Erwerbstätige schaffen diese Grenze nicht. Besonders betroffen sind Beschäftigte in Billiglohnbranchen (Handel, Gastgewerbe, Reinigung), viele Teilzeitbeschäftigte, zumeist Frauen.

Unterschiedliche Förderung

Das gleiche Problem besteht bei der steuerlichen Absetzbarkeit der Kinderbetreuungskosten – Eltern mit geringen Einkommen gehen trotz vorhandener Kosten leer aus. So wurden 18,5 Mio. an Betreuungskosten eingereicht, die zu keinem steuerlichen Vorteil führten.
Dazu kommt, dass Kinder auch unterschiedlich gefördert werden, je nachdem wie sich die Eltern die Arbeit teilen. Entscheiden sich diese für eine partnerschaftliche Teilung von Erwerbs- und Familienarbeit, gibt es weniger Geld für das Kind als wenn die Mutter in traditioneller Weise zu Hause bleibt. Das liegt daran, dass der Alleinverdienerabsetzbetrag (AVAB) nach Kinderzahl gestaffelt ist. Gehen beide Eltern arbeiten und haben daher keinen Anspruch auf den AVAB, erhalten sie auch weniger Geld für die Kinder!
Es ist gar nicht immer so leicht, vorhandene Förderungen auch wirklich zu bekommen. Kaum jemand überblickt das Dickicht von Familienleistungen mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Anträgen usw.
Oder wer kennt schon den Unterschied zwischen Kinderfreibetrag, Kinderabsetzbetrag und Freibetrag zu den Kinderbetreuungskosten oder weiß über Mehrkindstaffel und Mehrkindzuschlag Bescheid? Auch WIFO und Rechnungshof üben Kritik daran, weil es hohen Verwaltungsaufwand verursacht. Eine Vereinfachung wäre dringend notwendig.
Eltern verdienen alle Unterstützung
Wichtig wäre es auch, eine eigenständige berufliche Tätigkeit der Mütter stärker zu unterstützen. Das zahlt sich nicht nur für die spätere soziale Absicherung der Frauen aus, sondern schlägt sich auch sofort in einem besseren Einkommen nieder.
Schon mit einer Teilzeitbeschäftigung von maximal 20 Stunden verdienen Frauen im Schnitt 720 Euro netto im Monat. Mit einer Ausweitung auf Vollzeit verdoppelt sich das Nettogehalt auf 1.450 Euro. Damit gibt es auch deutliche höhere Ansprüche in der Sozialversicherung (Arbeitslosengeld, Krankengeld, Pension).
Männer und Frauen mit Kindern verdienen jede Anerkennung – und jede Form der Unterstützung, die es ihnen wirkliche Wahlfreiheit und echte Vereinbarkeit ermöglicht. Dazu gehört gute Kinderbetreuung ebenso wie finanzielle Unterstützung. Aber weder das Einkommen der Eltern, noch deren Arbeitsteilung soll eine Rolle dabei spielen, wie Kinder in einer Familie gefördert werden.

Mehr Infos unter: tinyurl.com/a8ndnjt

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin sybille.pirklbauer@akwien.at oder die Redaktion aw@oegb.at

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