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Katharina Klee Katharina Klee, Chefredakteurin

Standpunkt | Kinder, Kinder

Meinung

Alle Jahre wieder: Zur Weihnachtszeit werden glänzende Kinderaugen und das liebe Christkind beschworen. Adventkalender werden aber inzwischen oft eher für Erwachsene erzeugt, als zum Zweck, den Kleinen die Wartezeit auf Heiligabend zu verkürzen. Auch auf den Weihnachtsmärkten sieht man mehr Erwachsene als Jüngere.
Kein Wunder: Während in den 1980er- und 1990er-Jahren in Österreich im Durchschnitt 90.000 Babies im Jahr zur Welt gekommen sind, sind es seit 2000 zwischen 75.000 und knapp 79.000. Die Entscheidung zwischen Beruf und Familie, vor der vor allem Frauen nach wie vor stehen, geht sehr oft für den Beruf und gegen Nachwuchs aus.Dabei haben es AlleinerzieherInnen hierzulande besonders schwer: 28 Prozent der Ein-Eltern-Haushalte sind armutsgefährdet. Bei 92 Prozent davon ist das Elternteil die Mutter, die meist ein schlechteres Einkommen hat.
Nach neuesten UNICEF-Kriterien entstand ein 18-Punkte-Katalog, um die Armutsgefährdung von Kindern zu messen. Zu den Punkten gehören neben der finanziellen Situation auch die Lebensbedingungen: die Leistbarkeit von neuen Kleidern, zwei Paar festen Schuhen, täglichem Obst und Gemüse, altersgerechten Büchern, Freizeit- und Sportgeräten, das Vorhandensein eines Orts zum Erledigen von Hausübungen, Familienfeste, die Möglichkeit Freunde einzuladen, an Schulausflügen teilzunehmen, eine Woche Urlaub zu machen.
8,7 Prozent der Kinder in Österreich müssen auf mindestens zwei dieser Punkte verzichten, hat die UNICEF erhoben. Relativ wenig im Vergleich zu Rumänien, wo 72,6 Prozent der unter 16-Jährigen betroffen sind, relativ viel im Gegensatz zu Schweden mit 1,3 Prozent. Aber Statistiken und Zahlen sind für die Betroffenen weder Trost noch Hilfe, das Weihnachtsfest wird für sie bescheiden und wohl auch traurig.

Lisa hat Glück gehabt

Die kleine Lisa hat Glück gehabt, sie war ein Wunschkind. Alle 18 Punkte des UNICEF-Katalogs sind bei ihr übererfüllt. Sie hat jede Menge hübsche Kleidung, weit mehr als zwei Paar Schuhe, ihre Mahlzeiten sind ausgewogen und werden im Familienkreis eingenommen, sie liest altersgerechte Bücher, hat ein eigenes Zimmer, die Familie feiert gerne zusammen, mit den Kindern aus der Nachbarschaft spielt sie im eigenen Gartenhaus und eben verbrachte die Familie ihre Herbstferien in Ägypten. Und trotzdem hat sie vor einem Jahr um diese Zeit bitterste Tränen vergossen. Das Christkind, so hat sie erfahren, gibt es nämlich nicht wirklich. Der Glitter, das Engelshaar, der Baum – alles nur Inszenierung. Das war das Traurigste für Lisa: „Dass Eltern ihr Kind so belügen können.“
Weil es weder Christkind noch Weihnachtsmann gibt, bringen sie auch nicht das Weihnachtsgeld, das wir auf unserem Lohnzettel finden. Es ist ein Verhandlungserfolg der Gewerkschaften. Was das mit Lisa zu tun hat? Heuer spielt sie Christkind für ihre kleine Schwester Mimi. Die wurde in Äthiopien geboren, wo die Geburtenrate fünfmal so hoch ist, und adoptiert. Lisa wird Engelshaar streuen und den Baum aufputzen. Sie hat gelernt, dass das Christkind das Zusammenwirken mehrerer Menschen ist.
Mimi und Lisa haben Glück gehabt, ihre Rechte werden gewahrt und ihr (Über-)Leben ist gesichert. Aber Tausende Kinder und Jugendliche im reichen Österreich, Millionen weltweit haben dieses Glück nicht. Es ist ihre Welt, die wir verwalten. Auch deswegen müssen wir uns alle solidarisch dafür einsetzen, dass es den Kindern, wo auch immer sie leben, besser geht – und nicht nur als Christkindl, sondern das ganze Jahr über. Das ist mein Neujahrsvorsatz.
Euch allen schöne Feiertage!

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