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Föderalistischer Fleckerlteppich GPA-djp In den privaten Einrichtungen werden die Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen von der GPA-djp vertreten, die AssistentInnen durch vida, in den öffentlichen Kindergärten sind sowohl die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten als auch die GÖD aktiv.

Föderalistischer Fleckerlteppich

Interview

Von der Krabbelstube bis zum Kindergarten - ein einheitliches System für die Betreuung unserer Kleinsten und Kleinen wäre dringend notwendig.

Kindergärten und -krippen sind Ländersache; entsprechend uneinheitlich sind derzeit noch Ausbildung, Gruppengrößen, Öffnungszeiten, Bezahlung etc. geregelt.
Kinderkrippe, Krabbelstube oder Kleinkindergruppe? Auch bei der Namensgebung herrscht im Bereich der Elementarpädagogik quer durch Österreich föderalistische Vielfalt. Was in Oberösterreich unter Krabbelstube läuft, heißt im Burgenland, in Kärnten, Tirol und der Steiermark Kinderkrippe, während in Wien lange Zeit die kühl-sachliche Bezeichnung Kleinkindergruppe dominiert hat. Gemeint sind damit in der Regel Tagesbetreuungseinrichtungen für Kinder bis zum dritten Lebensjahr. Helferin, Stützkraft oder Assistentin? Auch die Bezeichnungen für die Zusatzkräfte, die die Pädagoginnen und Pädagogen unterstützen, variieren, genauso wie deren Ausbildung und Bezahlung.

Hort: vier bis 56 Schließtage

Fast noch vielfältiger sind die rechtlichen Bestimmungen. Unterschiede gibt es nicht nur zwischen öffentlichen und privaten Betreibern, sondern auch zwischen den Bundesländern. So haben etwa Tagesbetreuungseinrichtungen (inkl. Horte) in Wien im Durchschnitt nur vier Schließtage pro Jahr, während etwa Kindertagesheime in der Steiermark 56 Tage pro Jahr geschlossen sind (Österreich-Durchschnitt 2011: 30 Schließtage). Mehr als zwei Drittel der Wiener Kindergärten und -krippen öffnen bereits vor sieben Uhr, während das beispielsweise in ganz Vorarlberg nur in sechs der insgesamt 250 Kindergärten angeboten wird.

Elementare Unterschiede

Die Gehälter der Elementarpädagoginnen und -pädagogen unterscheiden sich zum Teil sogar innerhalb eines Bundeslandes stark, je nach Trägerschaft der Einrichtung. Derzeit kommen in den Tagesbetreuungseinrichtungen bundesweit 40 verschiedene Gehaltsschemata zur Anwendung. Weitere Beispiele gibt es in sämtlichen Bereichen wie bei Betreuungsschlüsseln, baulichen Erfordernissen, Personalqualifikation, Elternarbeit etc. Eine umfassende Zusammenstellung dazu findet sich unter anderem in der Studie „Kinderbetreuung in Österreich“ des Österreichischen Instituts für Familienforschung, in der die Betreuungssituation der Null- bis 15-Jährigen erhoben wurde.1
Auch die gewerkschaftliche Vertretung der Elementarpädagoginnen und -pädagogen sowie der ElementarassistentInnen ist nicht einheitlich: In den privaten Einrichtungen werden die Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen von der GPA-djp vertreten, die AssistentInnen durch vida, in den öffentlichen Kindergärten sind sowohl die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten als auch die GÖD aktiv. Einigkeit herrscht allerdings im Wesentlichen bei den Forderungen: Kleinere Gruppen, einheitliche und angemessene Bezahlung, bessere Weiterbildungsmöglichkeiten etc. Reinhard Bödenauer, stv. Leiter des Geschäftsbereichs Interessenvertretung in der GPA-djp: „Hier muss es möglichst rasch zu umfassenden Verbesserungen kommen. Beim neuen in Laxenburg von der Regierung beschlossenen Bildungsplan wurde auf die Elementarpädagogik wieder vergessen. Ab ersten Jänner 2013 ist Österreich dann das einzige Land in Europa, wo Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen nicht an Hochschulen ausgebildet werden.“
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Verbesserungen für alle

Eltern wünschen sich vor allem, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind, sich in der Betreuungseinrichtung wohlfühlen, den kindlichen Bewegungsdrang ausleben können sowie als kleine Persönlichkeiten wahrgenommen und gefördert werden. Nur so – und mit entsprechenden Öffnungszeiten – lassen sich Job und Familie gut vereinbaren. Verbesserte Arbeitsbedingungen für Elementarpädagoginnen und -pädagogen bedeuten auch Verbesserungen für Eltern und Kinder.
Derzeit dominieren leider noch unzureichende Bezahlung und meist verschärfte Arbeitsbedingungen: zu große Gruppen in zu kleinen Räumen (= ohrenbetäubender Lärm), zu wenig Vorbereitungszeit, wenig Möglichkeiten für Weiterbildung etc. Expertinnen und Experten empfehlen für unter Dreijährige ein Verhältnis von höchstens 3,5 Kindern pro BetreuerIn, für Kindergärten einen Schlüssel von eins zu acht. Tatsächlich beträgt die durchschnittliche Gruppengröße in Österreichs Kindergärten 19,9 Kinder.
Nicht selten werden bis zu 25 Kinder von einer Pädagogin betreut, die Gewerkschaften fordern zwei Pädagoginnen/Pädagogen für 16 Kinder, außerdem mehr Platz für Bewegung, mehr Vorbereitungszeit für die BetreuerInnen. „Mit dem bisherigen landesgesetzlichen ‚Fleckerlteppich‘ muss jetzt Schluss sein“, fordern unisono Karl Proyer, stv. Bundesgeschäftsführer der GPA-djp, und Willibald Steinkellner, stv. vida-Vorsitzender. „Ein Schritt in diese Richtung ist die Anrechnung aller Karenzzeiten, die wir heuer erstmals im Rahmen der Festlegung eines neuen Mindestlohntarifes für private Kinderbetreuungseinrichtungen durchsetzen wollen. Unser Ziel ist und bleibt aber ein einheitlicher Kollektivvertrag für den gesamten privaten Bereich.“

Lohnende Investition

Letztendlich lohnt sich die Investition in elementarpädagogische Einrichtungen langfristig auch finanziell, so das Bundesinstitut für Bildungsforschung. Für jeden Euro, der in die frühkindliche Bildung gesteckt wird, müssten zehn Lebensjahre später vier Euro eingesetzt werden – die Erfolgschancen sind dann aber nur mehr halb so groß.
Die Bundeshauptstadt bietet seit Sommer 2012 Krippenplätze für mehr als ein Drittel aller unter Dreijährigen an. Verspätet, aber doch hat Wien damit als erstes und bis jetzt einziges Bundesland das ursprünglich für 2010 anvisierte „Barcelona-Ziel“– Betreuungsangebote für mindestens 33 Prozent der unter Dreijährigen – erreicht. Diese Quote wurde im Übrigen von mehreren EU-Ländern bereits 2008 erfüllt, wobei in diese Berechnungen auch halbtägige Betreuungsformen mit einbezogen wurden.
Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass die Betreuungsquote etwa auch innerhalb Deutschlands stark variiert. Die Zahl der unter Dreijährigen in Tagesbetreuung bewegt sich zwischen 15 und mehr als 60 Prozent – bei deutlichem Ost-West-Gefälle. Die niedrigsten Quoten in ostdeutschen Städten übertreffen die höchsten in westdeutschen Städten deutlich.

8.050 Betreuungseinrichtungen

2011 gab es in ganz Österreich 8.050 institutionelle Kinderbetreuungseinrichtungen; davon 4.595 Kindergärten, 1.267 Kinderkrippen, 1.158 Horte und 1.030 altersgemischte Betreuungseinrichtungen. Durchschnittlich knapp 60 Prozent der Kindertagesheime werden von öffentlichen Gebietskörperschaften erhalten (Burgenland: 89,8 Prozent, Wien: 40,3 Prozent). Der überwiegende Teil der öffentlichen Einrichtungen wird von den Gemeinden betrieben.
Bundesweit einheitlich ist der Trend, dass immer mehr und immer jüngere Kinder tagsüber außer Haus betreut werden. So ist etwa die Quote bei den unter Dreijährigen von 1995 bis 2010 von 4,6 auf 15,8 Prozent gestiegen. 2011 wurden bereits 19,7 Prozent der unter Zweijährigen außer Haus betreut, wobei der Anteil ganztägiger Betreuungsformen noch deutlicher gestiegen ist. Allerdings: In Krippen und Horten ist laut Kindertagesheimstatistik 2011 der Statistik Austria der Anteil der Kinder mit berufstätiger Mutter in den letzten Jahren zurückgegangen – bei Krippen auf aktuell 68,0 Prozent (2001: 77,6 Prozent), bei Horten auf 75,6 Prozent (2001: 83,9 Prozent).
In Kindergärten (inkl. altersgemischter Betreuungseinrichtungen) hingegen ist der Anteil der Kinder mit berufstätiger Mutter von 56,3 Prozent auf 59,1 Prozent gestiegen. Oder anders gesagt: 90 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen (ab fünf Jahren ist der Kindergartenbesuch verpflichtend) mit berufstätiger Mutter werden in Kindertagesheimen betreut. Bei den Null- bis Zweijährigen liegt dieser Wert bei 39,4 Prozent.


1 Österr. Institut für Familienforschung an der Universität Wien: Kinderbetreuung in Österreich – Rechtliche Bestimmungen und die reale Betreuungssituation, ÖIF Working Paper Nr. 77, Juli 2011. tinyurl.com/btz9auz
2 Die Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen ist bundesweit einheitlich, die 5-jährigen Bundesbildungsanstalten für Kindergartenpädagogik (BAKIP) enden mit der Matura.

Mehr Infos unter: tinyurl.com/5voevjk

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