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Schlechtes Klima im Büro? Man muss nicht hoffnungslos altmodisch sein, um sich zu fragen, wie weit Feinstaub, schlecht gewartete Klimaanlagen, WLAN, Arbeiten bei künstlichem Licht und stundenlanges Telefonieren per Handy die Gesundheit beeinträchtigen.

Schlechtes Klima im Büro?

Schwerpunkt

Hinterm Schreibtisch ist das Gesundheitsrisiko geringer als an anderen Arbeitsplätzen. Risiken und Nebenwirkungen von Elektrosmog sind nicht zu unterschätzen.

Das Sick-Building-Syndrom (SBS) ist seit Mitte der 1970er-Jahre bekannt und noch immer etwas rätselhaft. Bei Betroffenen kommt es zu Atemwegsbeschwerden, Reizungen der Augen-, Nasen- und Rachenschleimhaut, allergischen Reaktionen, Müdigkeit, Abwehrschwäche und/oder Kopfschmerzen. Die Symptome klingen nach dem Verlassen der Räume meist ab, vor allem übers Wochenende oder im Urlaub. Bei erneutem Aufenthalt nehmen die Beschwerden wieder zu. Sechs Jahre hindurch befragten Experten der Universität Jena mehr als 5.000 ­Büroangestellte und führten Messungen an 1.500 Arbeitsplätzen durch. Die Ergebnisse wurden in einem umfangreichen Bericht veröffentlicht (ProKlimA-Studie, 1994-2000). In den meisten Fällen fand man keinen Zusammenhang zwischen eventuellen Schadstoffen und den Beschwerden. Personen, die in klimatisierten Räumen arbeiteten, bewerteten ihre Befindlichkeit schlechter als Personen in Räumen ohne Klimaanlage, obwohl das gemessene Raumklima in den klimatisierten Räumen meist besser war.
Psychosoziale Faktoren wie Arbeitsbelastungen und -anforderungen dürften hier eine wichtige Rolle spielen. So leiden etwa Führungskräfte deutlich seltener an dem Syndrom und Frauen häufiger als Männer. Noch sind dazu viele Fragen offen, Betroffene wenden sich am besten an eine/n Ärztin/Arzt mit dem Spezialdiplom für Umweltmedizin. Bei der allgemein weniger bekannten Building Related Illness (BRI) hingegen lässt sich durch Messungen nachweisen, dass negative Gebäudeeinflüsse vorliegen (Schimmel, Asbeststaub etc.).

Gefährliche Partikel

Man muss nicht hoffnungslos altmodisch sein, um sich manchmal zu fragen, wie weit Feinstaub aus Druckern, schlecht gewartete Klimaanlagen, WLAN, permanentes Arbeiten bei künstlichem Licht und last but not least stundenlanges Telefonieren per Handy vielleicht doch die Gesundheit beeinträchtigen. Und ob nicht unter Umständen die Kombination mehrerer (unter den Grenzwerten liegender) Umweltfaktoren über Jahre hinweg doch negative Auswirkungen auf den menschlichen Körper hat.
So hat man jetzt herausgefunden, dass Ausdünstungen von Klebstoffen, Putzmitteln etc. miteinander oder mit Feinstaub reagieren und dann zu ultrafeinen Partikeln werden können, die sich nicht mehr so schnell verflüchtigen. Die Effekte dieser Wechselwirkungen sind noch nicht erforscht, aber generell gilt: je kleiner die Partikel, desto größer die potenzielle Gefahr (v. a. für Lunge, Herz-Kreislaufsystem und Haut).
Punkto Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub im Bereich von Laserdruckern, digitalen Kopierern und Faxgeräten ist die Situation seit einiger Zeit ziemlich klar: Partikel von Toner, Aluminiumverbindungen und Ähnlichem können abhängig von der Dosis unter anderem zu Lungentumoren führen. Selbst wenn Feinstaub aus Druckern harmloser ist als die von der WHO als krebserregend anerkannten Dieselpartikel, sollten derartige Geräte in einem eigenen belüfteten Bereich aufgestellt werden. Die Zusammensetzung der Toner ist je nach Hersteller unterschiedlich, das Magazin Öko-Test fand giftige Substanzen selbst in Druckerkartuschen, die mit dem Prüfsiegel »Blauer Engel« gekennzeichnet waren. Viele Geräte setzen auch Ozon frei. Gewisse Vorsichtsmaßnahmen sind daher immer sinnvoll:

  • Reißen Sie bei Papierstau das Papier nicht gewaltsam aus dem Drucker, da sonst noch nicht fixierter Toner aufgewirbelt wird.
  • Nach der Beseitigung eines Papierstaus und nach dem Hantieren mit vielen Kopien Hände waschen, kaltes Wasser (und Seife) ist besser geeignet als heißes.
  • Es ist ratsam, Laserdrucker und Kopierer regelmäßig von Fachpersonal warten zu lassen. Eine Betriebsanweisung, die auch auf eventuelle Gefahren hinweist, sollte bei jedem Gerät ausgehängt sein.
  • Leere Tonerkartuschen sollten komplett ausgewechselt und keinesfalls von Laien, sondern nur in ausgewiesenen Fachgeschäften neu befüllt werden.
  • Wenn möglich, nutzen Sie bei Ihrem Drucker die Option »Toner sparen«.
  • Die Nachrüstung mit Feinstaubfiltern ist bei vielen Geräten möglich.
  • Für kleine Unternehmen sind oft schon die billigeren Tintenstrahldrucker ausreichend.
  • Erste Hilfe: Bei Augenkontakt gründlich mit Wasser ausspülen, Augenarzt aufsuchen; bei Inhalation von Tonerstaub: Frischluft, zum Arzt gehen.

Wie so oft gibt es auch beim Raumklima Unterschiede zwischen Theorie und Praxis. Man weiß beispielsweise, dass Klimaanlagen entsprechend eingestellt und regelmäßig gewartet werden müssen, oder wie man richtig lüftet. Laut Arbeitsstättenverordnung (AStV) sollten bei normaler Bürotätigkeit auch im Sommer 25 Grad nicht überschritten werden - entweder durch Klimaanlagen oder durch Ausschöpfung sämtlicher sonst möglicher Maßnahmen. Ideal sind 50 bis 65 Prozent Luftfeuchtigkeit, was auch elektrostatischer Aufladung entgegenwirkt.

Mehr Luft, mehr Leistung

Ein wichtiger Indikator für die Qualität der Raumluft ist der Kohlendioxid-Gehalt. Umweltanalytiker DI Peter Tappler: »Mehrere Menschen in einem schlecht belüfteten Raum, das bedeutet hohe CO2-Werte. Meis­tens wird unterschätzt, wie rasch es dadurch zu Einschränkungen der Leistungsfähigkeit kommen kann.« Ist der CO2-Wert zufriedenstellend und damit die Belüftung ausreichend, ist auch das Risiko, dass es zu erhöhten Konzentrationen möglicherweise gefährlicher Substanzen kommt, relativ gering. Bei entsprechender Belastung durch Lärm oder möglicher Gefährdung (etwa Bürogebäude auf Industriegeländen) ist laut Arbeitsinspektorat eine kontrollierte mechanische Lüftung vorzusehen. Das Thema Elektrosmog ist derzeit vor allem durch die von der EU favorisierten Energiesparlampen aktuell. Im Gegensatz zu Glühbirnen erzeugen sie auch hochfrequente elektrische Felder. Die Intensität hängt stark von Material und Bauweise ab. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt - auch für Halogenlampen - einen Mindestabstand von 1,5 Metern oder geerdete Leuchten zu verwenden.
Als Elektrosmog wird die Gesamtheit aller technisch verursachten elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Felder bezeichnet. Deren Wirkung auf den Organismus hängt von Schwingung, Frequenz (= Schwingungszahl) und Stärke ab, aber auch von der individuellen Konstitution des Menschen. Statische elektrische Felder sind manchmal daran zu erkennen, dass sich die Haare aufrichten oder durch Entladungen etwa beim Berühren der Türklinke. Durch niederfrequente Felder kann es zu Reizungen von Sinnes-, Nerven- und Muskelzellen kommen. Zahlreiche moderne Technologien nutzen hochfrequente elektromagnetische Felder (Radio und Fernsehen, WLAN, Babyphone, Bluetooth, Mikrowellenherde, Handys usw.). Entscheidend ist hier auch die Stärke des Feldes.

Besser vorbeugen

Selbst wenn die gesundheitliche Gefährdung durch Elektrosmog im Bürobereich bisher nicht bewiesen ist, kann Prophylaxe nicht schaden:

  • Alle aktuell nicht benötigten Geräte sollten ausgeschaltet bzw. ganz vom Netz getrennt werden.
  • Benützen Sie wann immer möglich die Handy-Freisprecheinrichtung, beim Verbindungsaufbau nicht an den Kopf halten. Bluetooth-Headsets arbeiten mit Funk, die Strahlung ist wesentlich geringer als beim Handy direkt am Ohr.
  • Bei Wireless LAN werden die Daten per Funk übertragen, mittels Access Point können etwa Drucker und Computer kabellos kommunizieren. Access Point/WLAN-Router sollten so weit wie möglich entfernt vom Arbeitsplatz aufgestellt werden (Richtwert: ca. 5 m). Auch von der WLAN-Karte im Notebook hält man besser Abstand, das Gerät also nicht auf dem Schoß liegend ­bedienen.
  • Pflanzen verbrauchen nicht nur CO2, erzeugen Sauerstoff und sorgen für Luftfeuchtigkeit, sondern können auch Schadstoffe (z. B. Formaldehyd) abbauen. Besonders empfehlenswert: Fensterblatt, Ficus benjamina, Grünlilie, Berg-Palme, Drachenbaum, Strahlenaralie, Efeu­tute, Flamingoblume und Chrysantheme.

Weblink
Informationen zum Schutz vor Elektrosmog:
www.elektrosmog.com

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