topimage
Arbeit&Wirtschaft
Arbeit & Wirtschaft
Blog
Facebook
Twitter
Suche
Abonnement
http://www.arbeiterkammer.at/
http://www.oegb.at/
Verschicken Sie eine E-Card!
Bildungssparen funktioniert im Prinzip wie Bausparen.

Großes Bildungssparen

Schwerpunkt

Für das Kapital Bildung werden dem Bausparen ähnliche Lösungen angeboten. Bildungsdarlehen werden bislang aber eher für hochpreisige Aus- und Weiterbildungen genützt.

Wer über Bildungssparen reden will, muss sich zuerst mit dem Bausparen beschäftigen. Jede/r kennt das Bausparen und fast jede/r hat einen Bausparvertrag »laufen« - die »Bauspar-Marktdurchdringung« beträgt 65 Prozent! Österreich ist damit ein »Bauspar-Musterland«. Es gibt beim Bausparen nicht nur Zinsen, sondern auch eine staatliche Prämie. Man kann monatlich oder jährlich oder mittels Einmalerlag ansparen, in beliebiger Höhe. Nach sechs Jahren steht das Kapital zur freien Verwendung zur Verfügung. Will man vorher darauf zugreifen, darf es nur zweckgewidmet verwendet werden. Auch das Bauspardarlehen wird ausschließlich zweckgewidmet vergeben.
Es handelt sich um eine sichere und gut verzinste Sparform, wenn man die Bausparprämie hinzurechnet. Interessant ist aber vor allem der Kredit mit seiner garantierten Zinsobergrenze von sechs Prozent (eine kostenlose Absicherung vor »Hochzins-Zeiten«), sofern man zweckgewidmet investiert.
Eingeführt wurde das Bausparen vor rund 80 Jahren, als Finanzierungsinstrument gegen die damals herrschende Wohnungsnot (in den 1920er Jahren, nach dem Ersten Weltkrieg). Es gibt in Österreich vier Bausparkassen (führend in Europa ist Deutschland mit 26, danach kommt Tschechien mit sechs Bausparkassen), nämlich: Allgemeine Bausparkasse, Raiffeisen Bausparkasse, s Bausparkasse und Wüstenrot. 2006 wurden insgesamt 3,04 Mrd. Euro an Darlehen vergeben (+11 Prozent im Vergleich zu 2005). Ende 2006 belief sich die Gesamtsumme bei den Ausleihungen auf 14,52 Mrd. Euro (+3,4 Prozent). Die Bauspareinlagen lagen 2006 bei 17,8 Mrd. Euro, 873.884 neue Verträge mit einer Vertragssumme von 16,3 Milliarden Euro wurden abgeschlossen.
Insgesamt gibt es in Österreich rund 5,2 Mio. Spar- und mehr als 470.000 Darlehensverträge! Dieses Volumen ist beeindruckend. Die staatlichen Aufwendungen für die Bausparprämie betrugen 2006 insgesamt 100 Mio. Euro.
Bildungssparen in Österreich
Eingeführt wurde diese Sparvariante mit September 2005: »Bildungssparen« ist nichts anderes als Bausparen. Man schließt einen ganz normalen Bausparvertrag ab und kann dann vor Ablauf der sechs Jahre das angesparte Kapital (ohne Verlust von Zinsen oder Prämien) für Aus- und Weiterbildung entnehmen bzw. man kann ein Bildungsdarlehen zum günstigen Zinssatz des Bauspardarlehens aufnehmen.
Das bedeutet, dass die staatliche Förderung für das lebenslange Lernen (LLL) über diesen Weg maximal 35 Euro pro Jahr beträgt (Prämie für 2007). Das Ansparen selbst dürfte kaum eine interessante Zusatzfinanzierung für das LLL darstellen: sechs Jahre Ansparen bringt 210 Euro, bleibt die Prämie bei den 40 Euro von 2008, ergibt das 240 Euro. Anders die Situation beim Darlehen: Ein Kredit zu diesem Zinssatz kann sonst nicht aufgenommen werden. A priori kann man davon ausgehen, dass eher längerfristige bzw. hochpreisige Bildungsmaßnahmen über diese Schiene gefördert werden. Bis zu einer Darlehenssumme von 22.000 Euro braucht es keine Sicherstellung im Grundbuch. Sechs Monate nach der letzten Auszahlung muss mit den Rückzahlungen begonnen werden (das Darlehen ist, je nach Ausbildungsart, bis zu sieben Jahre tilgungsfrei, es kann auch für Kinder aufgenommen werden). Es gibt keine Altersgrenze. Das Darlehen kann auch in Raten ausbezahlt werden (monatlich, quartalsweise, halbjährlich, jährlich). Das Darlehen kann sofort beansprucht werden, also zeitgleich beim Abschluss des »Bildungssparvertrages« (eine gewisse Sparzeit oder Einlagenhöhe ist nicht erforderlich, allerdings braucht es für das Darlehen
einen Bürgen).
Als Beispiel dafür, wie viel ein Studienjahr an der Harvard Business School (HBS) kostet, und dass daher auch ausgesprochen hohe Darlehen aufgenommen werden könnten, hier der offizielle »cost summary« (die Kostenübersicht) aus der HBS Homepage - da kommt man schon einmal auf über 50.000 Euro pro Jahr, und das ohne Flugkosten.
355 Bildungsdarlehen seit 2006
Von einer der österreichischen Bausparkassen wurde dem Autor freundlicherweise mitgeteilt, dass seit 2006 insgesamt 355 Darlehen für den Verwendungszweck Bildung mit einer Darlehenssumme von über sechs Mio. Euro vergeben wurden. Die durchschnittliche Darlehenshöhe liegt also bei rund 17.000 Euro - die a priori Annahme war richtig: Bildungsdarlehen werden für hochpreisige Aus- und Weiterbildungen aufgenommen.
Neben »normalen« universitären Ausbildungen (inklusive Fachhochschulen) und MBA-Studien wurden bisher auch Piloten-, GesundheitstrainerInnen- und Schauspielausbildungen finanziert.
Die zitierte Bausparkasse hat unter den vier österreichischen Bausparkassen einen Marktanteil von einem Drittel. Wenn man diese Ziffer hochrechnet, kommt man auf ein österreichisches Gesamtvolumen von rund 1.000 Darlehen über insgesamt rund 20 Mio. Euro. Dies ist in Relation zum Bausparen verschwindend wenig: 20 Mio. Euro im Vergleich zu 3.000 Mio. Euro ergibt gerade einmal 0,67 Prozent!
Bisher nur Zusatzangebot
Natürlich handelt es sich um eine noch sehr junge und nicht sehr bekannte Darlehensvariante. Für die Bausparkassen ist das Bildungssparen als zusätzliches Angebot jedenfalls interessant. Die Erwartungen liegen deutlich über dem bisherigen Darlehensvolumen. So bewirbt nun Wüstenrot »das Bildungsgeld« mit einem »380-Euro-Bildungsscheck« (bei Aufnahme eines Darlehens von mindestens 7.000 Euro).
Mehr Attraktivität für Bildungssparen
Wie könnte das Bildungssparen an Attraktivität gewinnen? Nach Ansicht des Marketingleiters einer der Bausparkassen könnten folgende Maßnahmen überlegt werden:

  • Das Bildungssparen könnte als zusätzlicher Vertrag neben dem Bausparen eingeführt werden (bisher kann pro Familienmitglied nur ein Vertrag abgeschlossen werden, man muss sich also entscheiden zwischen einer Investition für Wohnraum oder für Bildung - oft fällt dann die Entscheidung fürs Wohnen).
  • Man könnte die staatliche Prämie hinaufsetzen (wobei die Auszahlung aber nur dann erfolgen würde, wenn das Guthaben nach Vertragsablauf zweckgewidmet verwendet wird, sonst müsste auf die übliche Bausparprämie zurückgestuft werden).

Man sieht jedenfalls: Das Bildungssparen ist als Co-Finanzierung für das LLL nicht besonders attraktiv, das Bildungsdarlehen allerdings eine interessante Finanzierungsvariante für jene, die längerfristige und/oder teure Aus- und Weiterbildungen anstreben und die entstehenden Aufwendungen als ein Investment einschätzen, welches sich rentiert - denn der Kredit muss jedenfalls zurückbezahlt werden. Es handelt sich um
einen Beitrag zum LLL, allerdings um
ein - beim heutigen Stand - eher kleines Mosaiksteinchen.
 

WEBLINKS
Kurzinfo bfi
www.bfi.at/de/infolinks/bildungssparen.htm

Harvard Business School
www.hbs.edu/

Bankenrechner
www. bankenrechner.at

Weiterbildungskonto des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (WAFF) www.waff.at/service-fuer-beschaeftigte/weiterbildung-foerderung/

KONTAKT
Schreiben Sie uns Ihre Meinung
an den Autor
michael.toelle@akwien.at
oder die Redaktion
aw@oegb.at

Teilen |

(C) AK und ÖGB

Impressum