topimage
Arbeit&Wirtschaft
Arbeit & Wirtschaft
Blog
Facebook
Twitter
Suche
Abonnement
http://www.arbeiterkammer.at/
http://www.oegb.at/
Verschicken Sie eine E-Card!
Nicole Heimberger, Betriebsrätin beim Drogeriekonzern DM Nicole Heimberger: "Es ist jedes Mal aufs Neue ein schönes Gefühl, wenn jemand anruft und Danke sagt. Danke, dass du geholfen hast. Danke, dass du zugehört hast. Oder danke, dass du da bist."
Julius Mayer, Betriebsratsvorsitzender beim Lebensmittelhersteller Mars Austria Julius Mayer ist immer zur Stelle, wenn es darum geht, ArbeitnehmerInnen zu ihrem Recht zu verhelfen - wie etwa für ZeitarbeiterInnen, die über viele Monate falsch entlohnt wurden.
Mario Karner, Landessekretär der Gewerkschaft vida in Kärnten Mario Karner: "Eine der schönsten Aufgaben ist es, KollegInnen zu finden, die sich organisieren wollen, und in Firmen vorzudringen, in denen es keinen Betriebsrat gibt."

Runder Tisch: Von Mut, Luxus und Solidarität

Schwerpunkt Betriebsrat

Drei ArbeitnehmervertreterInnen erzählen über ihren Arbeitsalltag und die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft.

BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen unterstützen ArbeitnehmerInnen bei den täglichen Problemen am Arbeitsplatz, beraten und informieren bei kniffligen Sachfragen. Sie ermutigen ihre KollegInnen aber auch, sich für gute, sichere und gerechte Arbeit einzusetzen. Die Arbeit von BetriebsrätInnen und GewerkschafterInnen ist vielseitig, anspruchsvoll und zeitaufwendig. Trotzdem machen sie sie gern. Um diese gut meistern zu können, ist ständige Weiterbildung besonders wichtig. Die Arbeit&Wirtschaft traf drei von ihnen, die derzeit die BetriebsrätInnen-Akademie (BRAK) absolvieren, zu einem Gespräch.

Arbeit&Wirtschaft: Was hat Sie dazu bewogen, sich als Betriebsrat bzw. Betriebsrätin zu engagieren?
Nicole Heimberger: Die Betriebsratsarbeit hat mich schon immer fasziniert – vor allem auch deswegen, weil man als Bindeglied zwischen Belegschaft und Führungsebene KollegInnen bei ihren täglichen Problemen unterstützen und Arbeitsbedingungen verbessern kann. Ein großes Vorbild für mich war unser Betriebsrat. Die Art und Weise, wie er die Funktion ausübt, auf die KollegInnen im Betrieb zugeht und mit ihnen spricht, hat mich begeistert. Da dachte ich mir: Ich will das auch machen.
Julius Mayer: Bei mir war es ganz anders. Die Firma stand auf guten finanziellen Beinen, dennoch kam es von einem auf den anderen Tag zu Lohnkürzungen. Wie unsere Betriebsräte mit dieser Situation umgingen, war aus meiner Sicht schlecht und auch nicht nachvollziehbar. Das war auch der Moment, als ich entschied, bei der nächsten Möglichkeit zu kandidieren und Probleme im Sinne der Beschäftigten besser zu lösen.
Mario Karner: Ich war lange Zeit als Teamleiter in der Privatwirtschaft tätig. Immer wieder gab es Probleme, die es zu lösen galt. Obwohl nie gewählt, habe ich mich schon damals in der Position des Betriebsrates gesehen und die KollegInnen verteidigt. Das liegt einfach in meiner Natur, ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn.
 
Sind Sie auch aus diesem Grund in die Gewerkschaft gewechselt?
Karner: In der Gewerkschaft vida in Kärnten wurde ein sechsmonatiges Pilotprojekt gestartet. Da ich mich mit dem Anforderungsprofil identifizieren konnte und auch Vertriebserfahrung hatte, bewarb ich mich. Das Projekt hat schnell gegriffen, und je länger es dauerte, desto mehr gefiel mir die Arbeit. Mittlerweile bin ich seit fast vier Jahren dabei.
 
Was sind die häufigsten Probleme, mit denen sich Beschäftigte an Sie wenden?
Heimberger:
Das ist sehr unterschiedlich. Themen wie Pensionen und Mutterschutz sind ganz wichtig. Dazu gibt es immer wieder Fragen. Lehrlinge wollen oft wissen, wie viele Stunden sie arbeiten dürfen, was Wochenendruhe und was Reisezeit ist. Fakt ist aber auch, dass KollegInnen manchmal nur jemanden zum Reden brauchen. Und diese Zeit nehmen wir uns.
Mayer: Die Anfragen fangen bei A an und enden bei Z. Neben dem persönlichen, schriftlichen und telefonischen Kontakt nutzen wir auch das sogenannte Schwarze Brett und alle anderen freien Flächen im Betrieb, um KollegInnen über bestimmte Themen aufzuklären und auf interessante Angebote aufmerksam zu machen. Wenn ich bei einem spezifischen Thema keine Antwort geben kann, dann vermittle ich weiter zur Arbeiterkammer und begleite sie zum Termin, wenn sie das möchten. Das ist zum Beispiel beim Thema Konsumentenschutz der Fall. Die AK-Spezialisten besprechen dann mit ihnen alle Details.
Karner: Das Spektrum ist groß. In manchen Fällen geht es nur um kurze arbeitsrechtliche Fragen, wie etwa zum Urlaub oder zur Kündigung. Oft gibt es Anfragen zu sozialrechtlichen Themen: Was steht mir zu, wo bekomme ich es? Kontaktiert werden wir aber auch von BetriebsrätInnen, die Unterstützung für ihre Betriebsratsarbeit oder einen Referenten für eine Veranstaltung brauchen.
 
Wie funktioniert der Informationsaustausch mit den BetriebsrätInnen?
Karner: Es steckt viel Netzwerkarbeit dahinter – jede Gewerkschaft veranstaltet Klausuren und Veranstaltungen für die eigenen BetriebsrätInnen. Hier lernt man sich besser kennen, macht Betriebsratsmitglieder auf gewisse Programme und Seminare aufmerksam. Nach KV-Verhandlungen werden zum Beispiel immer wieder Info-Veranstaltungen organisiert, um die Beschäftigten in der betroffenen Branche über alle Neuigkeiten und Veränderungen zu informieren. Außerdem kann sich jeder und jede auf unserer Website für einen Newsletter anmelden. Wir nutzen wirklich alle Kanäle, die wir haben, um unsere BetriebsrätInnen auf dem Laufenden zu halten.

Und wie steht es um den Informationsaustausch mit der Gewerkschaft?
Mayer: Sehr gut. Da ich kein Wunderwuzzi bin, der auf Knopfdruck alles weiß und wissen muss, nutze ich mein persönliches Netzwerk. Mein Sekretär in der Gewerkschaft PRO-GE ist meine erste Ansprechperson. Ich tausche mich aber auch häufig mit allen anderen KollegInnen in der Gewerkschaft und der Arbeiterkammer aus. Man erspart sich viel Zeit, wenn man bei bestimmten Themen gezielt jene um Rat fragt, die Spezialisten auf dem Gebiet sind. Bei der PRO-GE kann man sich auch für den „Pressespiegel“ anmelden und bekommt dann eine Zusammenfassung der wichtigsten Tagesmeldungen. Das ist wirklich sehr hilfreich.
Heimberger: Gemeinsam mit der Gewerkschaft GPA-djp organisieren wir regelmäßig Filialen-Durchfahrten. Wir nehmen uns dann zwei Tage Zeit und sprechen vor Ort mit den MitarbeiterInnen. Dabei erklären wir ihnen, was die Gewerkschaft ist, was sie macht und welche Vorteile ihnen eine Mitgliedschaft bringt. Erfolgreich sind wir mal mehr, mal weniger. Diese Aktion ist insbesondere für unsere DM-Beschäftigten von großer Bedeutung. Es wird ein persönlicher Bezug zur Gewerkschaft hergestellt, sie haben ein Gesicht zur Organisation und erfahren so, an wen sie sich bei Unklarheiten und Fragen wenden können.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Ihren Firmenchefs?
Heimberger: Die Geschäftsführung ist für uns sichtbar. Jeder kennt jeden, bei DM sind wir eine große Familie. Gemeinsam mit der Geschäftsführung wurden zahlreiche – auch gesundheitsfördernde – Maßnahmen ins Leben gerufen, wie etwa der DM-Frauenlauf, Gesundheitsbotschafter und Sicherheitsvertrauenspersonen. DM ist auch als familienfreundliches Unternehmen ausgezeichnet worden. Die Zusammenarbeit ist eine sehr gute, aber wenn es um das Verhandeln geht, dann sind unsere freigestellten Betriebsräte am Zug.
Mayer: Mein Chef sitzt nicht irgendwo im Glaspalast, sondern in einem Großraumbüro und ist für mich jederzeit verfügbar. Sowohl mit der Personalabteilung als auch mit meinen BetriebsratskollegInnen finden regelmäßige Meetings statt. In den Betriebsrats-Meetings werden unter anderem aktuelle Themen aus der Produktion besprochen und Lösungen für die Geschäftsleitung abgeleitet. Diese treffen wir alle drei Monate, außer es brennt.

Was ist das Schönste an Ihrem Job als Gewerkschaftssekretär?
Karner:
Eine der schönsten Aufgaben ist es, KollegInnen zu finden, die sich organisieren wollen, und in Firmen vorzudringen, in denen es keinen Betriebsrat gibt.

Wie schwer ist das?
Karner: Grundsätzlich sehr schwer. Erstens, weil viele ArbeitnehmerInnen gar nicht wissen, welche Rechte sie haben. Und zweitens, weil Mut in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit schwer zu finden ist. Mut, den ersten Schritt zu machen. Mut, Gleichgesinnte zu finden. Mut, sich mit wichtigen arbeits- und gesellschaftspolitischen Themen auseinanderzusetzen.
Mayer: Es ist aber nicht nur das. Ich habe auch das Gefühl, dass Menschen verlernt haben, solidarisch zu sein. Das birgt eine große Gefahr – vor allem in Zeiten, wenn versucht wird, die erkämpften Rechte der ArbeitnehmerInnen zu schmälern.
Karner: Deswegen müssen wir auch immer daran erinnern, warum es wichtig ist, Informationen einzuholen, sich zu organisieren und Betriebsrat zu werden. Die Mittel dafür sind vorhanden, niemand ist auf sich alleine gestellt. Der ÖGB, die Gewerkschaften und die Arbeiterkammern stehen jederzeit unterstützend zur Seite.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Karner: Im Voraus sind unsere Einsatzzeiten schwer planbar: Termine werden oft sehr kurzfristig angesetzt – auch aus dem Grund, weil es zum Beispiel Probleme in den Betrieben gibt, BetriebsrätInnen genauso wie ArbeitnehmerInnen unsere Beratung und Unterstützung dringend brauchen. Dann fahren wir entweder in den Betrieb, treffen uns in der Gewerkschaft, an einem neutralen Ort oder wir telefonieren einfach mit ihnen.
Mayer: Ich habe immer einen Überblick darüber, was in der kommenden Woche bei uns los ist. Mein typischer Arbeitstag fängt damit an, dass ich meine E-Mails checke und Notizen abarbeite. (Termin-)Freie Zeit nutze ich, um in die Produktion zu gehen und mit den KollegInnen zu sprechen, einfach präsent zu sein. Außerdem habe ich eine Laufgruppe ins Leben gerufen, die sich zweimal in der Woche um 6.30 Uhr trifft und gemeinsam Sport macht.
Heimberger: Da ich keine freigestellte Betriebsrätin bin, gehe ich somit in erster Linie meiner Tätigkeit als Kosmetikerin und Fußpflegerin nach. Ich habe ein Betriebsratshandy und bin jederzeit für alle erreichbar. Meine KollegInnen in den 17 Filialen wissen, dass ich für sie zuständig bin, und melden sich, wenn sie etwas brauchen. An meiner Seite habe ich auch die freigestellten BetriebsrätInnen, die ich bei Problemen jederzeit kontaktieren kann.
Mayer: Hier muss man schon sagen, dass es ein Luxus ist, freigestellter Betriebsrat zu sein oder freigestellte Betriebsräte zu haben. Bei mir kommt es zum Beispiel auch vor, dass ich mir während der Arbeitzeit die „Zeit im Bild“ ansehe. Denn es gehört zu meiner täglichen Arbeit dazu, auf dem Laufenden und gut informiert zu sein. Will man Betriebsratsarbeit gut machen – egal ob für 30 oder 130 MitarbeiterInnen –, dann braucht man auch ausreichend Zeit dafür.
Heimberger: Ja. Obwohl man sich die Tätigkeit selbst aussucht und sehr gerne macht, ist Zeitmanagement schwierig. Das Tolle bei DM ist aber, dass wir ein Betriebsratsbüro haben, welches die wichtigsten Informationen filtert und sofort an die BetriebsrätInnen weiterleitet, einige Zeit später auch an alle MitarbeiterInnen. Früher wurden diese Infos zeitgleich an alle verschickt. Die Neuregelung hat den Vorteil, dass alle BetriebsrätInnen genug Zeit haben, zu recherchieren, und wenn die ersten Anfragen eintrudeln, auch Antworten geben können.

Welche Rolle spielt Weiterbildung?
Mayer: Immer dann, wenn es der Terminkalender zulässt, nehme ich an Tagesseminaren zu bestimmten Themen teil wie etwa zum Arbeitnehmerschutz. Absolviert habe ich schon die Gewerkschaftsschule und habe nun mit der ReferentInnen Akademie der Arbeiterkammer begonnen. Das sind drei sehr hochwertige und interessante Tagesseminare.
Karner: Zusätzlich zu den spezifischen Ausbildungen der Gewerkschaft vida habe ich auch die Gewerkschaftsschule in Kärnten besucht. Wunschziel war die BetriebsrätInnen-Akademie, die ich zurzeit besuche.
Mayer: Die Gewerkschaftsschule hat den Vorteil, dass man ein Netzwerk aufbauen kann und einen guten Überblick darüber bekommt, was man bereits kann und was man noch lernen muss, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen.
Karner: Ja, die Gewerkschaftsschule macht einfach Lust auf mehr. Bei vielen wird erst hier das Interesse für Interessenpolitik geboren. Im eigenen Bundesland zu netzwerken ist etwas Tolles. Und das lernen viele erst in dieser Ausbildung.
Mayer: Von zentraler Bedeutung war die Bildungsreise nach Brüssel, die im Rahmen der Gewerkschaftsschule organisiert wurde. Ich bin als EU-Bürger hingeflogen, und als ich zurückkam, war mir klar, dass die EU ein gutes Projekt ist, das sich lohnt.

Wie überzeugen Sie ArbeitnehmerInnen am besten, der Gewerkschaft beizutreten?
Karner: Das ist unterschiedlich. Es hängt immer davon ab, mit welchen Persönlichkeiten man es zu tun hat. Es kommt vor, dass sich Beschäftigte selbst bei uns melden oder wir aufgrund von bestimmten Signalen feststellen, dass in einem Betrieb etwas getan werden muss. Wenn wir Mitglieder werben, verteilen wir Info-Material und sagen ganz offen, wer wir sind, was wir machen und ganz wichtig: Wir drängen uns niemandem auf.

Und als Betriebsrat?
Mayer: In unserem Betrieb sind alle MitarbeiterInnen auch Gewerkschaftsmitglieder. Als Betriebsrat begegne ich allen KollegInnen auf Augenhöhe. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass es nicht viel bringt, neue KollegInnen überfallsartig von einer Gewerkschaftsmitgliedschaft überzeugen zu wollen. Deswegen bin ich da auch nicht so verbissen, in erster Linie bin ich ein Freund und Kollege, der für sie da ist, wenn sie Fragen haben, etwas nicht verstehen und Unterstützung brauchen. Alles andere ergibt sich mit der Zeit dann fast wie von selbst.
Heimberger: Bei DM haben wir es bisher so gehandhabt, dass ich intensiv mit den JugendvertrauensrätInnen zusammenarbeite. Die Durchfahrten mit der GPA-djp, die ich bereits erwähnt habe, bieten eine gute Gelegenheit, sich auszutauschen.

Was war bisher Ihr größter Erfolg?
Karner:
Die Pflege in Kärnten wirft immer gröbere Problemstellungen auf. Und damit haben wir uns in den vergangenen Jahren intensiv beschäftigt und eine Anpassung im Heimgesetz unterstützt. Der Pflegeschlüssel wurde gesenkt, für die Beschäftigten eine Entlastung. Wesentlich ist aber auch, dass die Strafen bei Übertretung für die Pflegeheimbetreiber drastisch erhöht wurden. Das ist ein sehr großer Erfolg, auf den wir stolz sind. Außerdem haben wir es geschafft, in diesen Jahren sehr viele Körperschaften zu gründen, vor allem in diesen Pflegeheimen. Dadurch war es auch möglich, für einige notwendige Veränderungen sowie eine breitere öffentliche Wahrnehmung für diese Berufsgruppe zu sorgen.
Mayer: Besonders stolz bin ich auf zwei Sachen, eine davon die Verleihung des Betriebsrats-Awards vom Land Niederösterreich für erfolgreiche Mitgliederwerbung. Das war mein persönliches Superhighlight der vergangenen Jahre – es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn sich jemand, in diesem Fall die Fachgewerkschaft und der ÖGB, für all die Arbeit und Mühe im Betrieb bedankt. Viele unserer KollegInnen im Betrieb sind im Zuge der Lohnkürzungen aus der Gewerkschaft ausgetreten. Gemeinsam mit meinen BetriebsratskollegInnen konnte ich ihr Vertrauen zurückgewinnen. Wir sind mittlerweile zu 100 Prozent organisiert, auch die ZeitarbeiterInnen sind der Gewerkschaft beigetreten.

Wie haben Sie das geschafft? Was ist Ihr Geheimnis?
Mayer: Ganz wichtig ist es, authentisch zu sein. Es bringt nichts, wenn ich 20 gute Gründe für eine ÖGB-Mitgliedschaft aufzähle, wenn der Kollege, den ich versuche zu werben, nichts oder wenig damit anfangen kann. Daher versuche ich, immer meine eigenen Erfahrungen und plakative Beispiele in ein Gespräch einfließen zu lassen. Weil ich sehr gut in Bildern sprechen kann, funktioniert das bei mir nahezu immer.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Mayer: Heutzutage hat doch fast jeder eine Haushaltsversicherung. Wenn die Bude abbrennt oder das Wasserrohr bricht, dann ist man versichert. Doch was passiert eigentlich, wenn jemand in der Firma einen Schaden verursacht? Sogar grob fahrlässig, weil er am Vorabend mit Freunden feiern war? Einem Kollegen zwei Finger abzwickt, wie bei uns im Unternehmen vor langer Zeit geschehen? Darüber denken die wenigsten nach. Damit man für so eine Situation gut gerüstet ist, ist für Gewerkschaftsmitglieder die Berufshaftpflichtversicherung des ÖGB da. Wenn ich dieses Beispiel nenne, muss ich in den meisten Fällen nicht viel mehr erzählen – obwohl das nur ein Vorteil von vielen ist.

Verraten Sie uns nun auch Ihr zweites Erfolgserlebnis?
Mayer: Dieses betrifft ZeitarbeiterInnen, die über einen Zeitraum von drei Monaten einen Arbeitseinsatz bei uns hatten. Nach Beendigung des Arbeitseinsatzes meldeten sie sich bei mir und baten um Überprüfung ihrer Löhne. Bei Durchsicht der Unterlagen kam mir das Grausen. Sie arbeiteten 40 Stunden in der Woche und am Monatsende bekamen sie nur etwas mehr als 700 Euro. Bei der Krankenkasse wurden sie immer wieder ab- und angemeldet.
Ich nutzte all meine Kontakte und begleitete die 40 Betroffenen zur Gewerkschaft. Dort erhielten sie eine Soforthilfe in der Höhe von 260 Euro, wurden vor Gericht vertreten und bekamen Tausende Euro nachbezahlt. Außerdem kam die Zeitarbeitsfirma gewaltig unter Druck und zog sogar personelle Konsequenzen. Es war schön, hier mitzuwirken, die richtigen Fäden zu ziehen und den betroffenen ArbeiterInnen zu ihrem Recht zu verhelfen.
Heimberger: Ich muss schon gestehen, dass ich hier nicht mithalten kann. So große Erfolge wie die beiden Kollegen hatte ich bisher nicht. Aber trotz großer Erfolge darf man die kleinen Freuden nicht vergessen, weil sie genauso wichtig sind. Mein persönliches Highlight erlebe ich jedes Mal, wenn mich jemand anruft und Danke sagt. Danke, dass du geholfen hast. Danke, dass du zugehört hast. Danke, dass du da bist.

Schreiben Sie Ihre Meinung an die Autorin amela.muratovic@oegb.at oder die Redaktion aw@oegb.at

Artikel weiterempfehlen

Kommentar verfassen

Teilen |

(C) AK und ÖGB

Impressum