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"Teddy" Prager (1917-1986) studierte in der Emigration in England Wirtschaftswissenschaften und kam 1945 als Mitarbeiter der KPÖ wieder nach Österreich. "Teddy" Prager (1917-1986) studierte in der Emigration in England Wirtschaftswissenschaften, kam 1945 als Mitarbeiter der KPÖ wieder nach Österreich. 1968 verließ er aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings die KPÖ.

Historie: Forschung und Gesellschaft

Arbeiterkammer-Experte Theodor Prager nahm 1971 zu den Grundsätzen der österreichischen Forschungspolitik der 1970er-Jahre Stellung.

Forschungs- und Wissenschaftspolitik wurden in der „Kreisky-Ära“ ab 1970 zu einem zentralen Anliegen. Konservative Kreise wiesen die Forderung nach mehr Transparenz und nach Leitlinien zur Modernisierung der rückständigen österreichischen Wissenschaftskultur als „Eingriff in den Freiraum der Wissenschaften“ massiv zurück. Die Ergebnisse des 1971 veröffentlichten OECD-Prüfberichts über die „Wissenschaftspolitik in Österreich“ bestätigten allerdings die Notwendigkeit des Vorhabens. Die OECD empfahl, eine umfassende Forschungskonzeption zu erarbeiten, wie dies auch im westlichen Ausland längst üblich  war. Dieses Projekt zählte zu den wichtigsten Aufgaben des neuen „Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung“ unter Ministerin Hertha Firnberg. In den begleitenden Diskussionsprozess sollten VertreterInnen aller betroffenen gesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden, (damals) selbstverständlich auch die Gewerkschaftsbewegung mit den Arbeiterkammern. In einer Ausgabe der von der AK Wien herausgegebenen Schriftenreihe des ÖGB-Verlags „Beiträge zur Wirtschaftspolitik und Wirtschaftswissenschaft“ stellte AK-Präsident Wilhelm Hrdlitschka fest:

Die Ausarbeitung von konkreten wissenschaftspolitischen Vorschlägen ist ein konsequenter Schritt auf dem Wege zu einer „forschungsbewussten“ österreichischen Wirtschaft.

Hrdlitschka bezog sich auf den Beitrag „Forschung und Gesellschaft“ von Theodor Prager, dem Topexperten der wirtschaftswissenschaftlichen Abteilung der AK Wien. Prager befürwortete die geplante breite Beteiligung am Diskussionsprozess, ging aber gerade deshalb weit über die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die Wirtschaftsentwicklung hinaus. Er schrieb unter anderem:

Forschung ist zunächst Arbeit, eminent produktive Arbeit, also gesellschaftliche Aktivität. … Sie sollte sich an den immanenten wissenschaftlichen Erfordernissen, aber auch an den gesellschaftlichen Bedürfnissen orientieren. Letzteres ist oft nur recht unvollkommen der Fall.
Auf macht- und prestigeorientierte Zielsetzungen und entsprechende Vorhaben kann und soll ein Land wie Österreich von Haus aus verzichten. Damit sein bescheidenes, aber durchaus nicht unbedeutendes Forschungspotenzial zweckmäßig eingesetzt wird, bedarf es eines Konzeptes, das nicht einseitig, sondern im Zusammenwirken mit allen relevanten Faktoren erarbeitet wird. Dazu gehören zunächst Staat, Wissenschaft und Wirtschaft als Produzenten wie auch als Konsumenten wissenschaftlicher Tätigkeit. Dazu gehören aber  auch die sogenannten einfachen Leute als Teilnehmer am gesellschaftlichen Lebensprozess, sei es als Produzenten, Konsumenten, Steuerzahler oder Staatsbürger. …
Die heutige Gesellschaft ist in raschem Wandel begriffen. Ein adäquates Forschungskonzept erfordert Vorausschau. Wir brauchen nicht nur technologisches und marktmäßiges „forecasting“, wir brauchen auch Bedürfniserforschung, müssen trachten „mögliche Zukünfte“ … zu ermitteln. Die Erkenntnis neuer Tendenzen und Zusammenhänge muss ihren Niederschlag im Forschungskonzept finden.

Ausgewählt und kommentiert von Brigitte Pellar
brigitte.pellar@aon.at

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